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«Je nervöser die Investoren, desto höher der Index»

Börse in Zürich: «Gewinnwarnungen zeigen, dass die Ölmultis mit Investitionen abwarten.» Keystone

Der Schweizer Leitindex SMI kommt nur wenig vom Fleck. Ein Börsenexperte verrät, wie Anleger auch in Zeiten ohne deutliche Kursanstiege proftitieren können.

Von Andrea Marthaler
am 08.08.2016

Wo steht der SMI in 12 Monaten?
Renato Flückiger*: Ich traue dem SMI einen Anstieg von 5 bis 8 Prozent durchaus zu. Das würde einem Stand von 8'400 bis 8'600 Punkten entsprechen. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass sich die vorauseilenden Konjunkturdaten weiter stabilisieren und die Unternehmen beim Gewinnwachstum wieder zulegen können.

Wo sehen Sie Chancen für Anleger?
Kaum ein Anleger hat anfangs Jahr damit gerechnet, dass sich die Aktien der Grossbanken im ersten Halbjahr 2016 fast halbieren. Auf so eine starke Korrektur folgt häufig eine Gegenbewegung, sobald sich die Situation in den Titeln ein wenig beruhigt hat. Hier sehe ich durchaus Potenzial.

Von welchem Investment müssen Anleger die Finger lassen?
Von Aktien von Infrastrukturanbietern im Bereich Öl und Gas würde ich die Finger lassen. Diverse Gewinnwarnungen zeigen, dass die Ölmultis mit Investitionen in ihre Infrastruktur abwarten. Wer auf eine Erholung des Ölpreis spekuliert, sollte dies somit mit Käufen in den grossen Öl-Förderunternehmen wie Royal Dutch, BP oder Total tun.

Wovon wurden Sie jüngst überrascht?
Negativ wie positiv von den Ereignissen rund um die Brexit-Abstimmung. Wie die meisten Marktteilnehmer habe auch ich mit einem «Ja», also Bremain, der Briten gerechnet. Das Ergebnis dann war das Negative. Positiv war, dass sich die Aktienmärkte nach einigen schwachen und volatilen Tagen schnell wieder besonnen und auf die fundamentalen Gegebenheiten reagiert haben. Heute stehen die Indizes meist wieder über dem Stand von vor der Brexit-Abstimmung.

Ihr Geheimtipp am Aktienmarkt?
Anleger sollten sich vermehrt auf die Entwicklung der Volatilität im Swiss Market Index (SMI) konzentrieren. Je nervöser die Investoren sind, desto höher steht dieser Index. Er spiegelt die für den SMI erwartete Schwankungsbreite und ist eine Art Fiebermesser, der den Stress an den Märkten wiedergibt. Die vergangenen Monate haben gezeigt, dass Aktienkäufe in Stresssituationen am Markt zwar ein bisschen Mut brauchen, die Anleger aber meistens rasch für diesen Mut belohnt wurden. Fazit: Jeweils Jahreshöchstkurse im Volatilitäts-Index für Käufe nutzen und bei tiefer Volatilität Gewinne realisieren.

* Renato Flückiger ist CIO der Bank Valiant in Bern. Zuvor war der Betriebsökonom bei der Grossbank UBS in verschiedenen Funktionen tätig. Flückiger hat an der Fachhochschule in Bern studiert und besitzt zudem das Diplom des Chartered Financial Analyst.

Lesen Sie das ganze Interview Renato Flückiger, CIO der Bank Valiant, bei finanzen.ch.

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