Die politischen Wirren um die ukrainische Halbinsel Krim verunsichern die Anleger: Der RTS-Index in Moskau ist nach wenigen Handelsminuten in der neuen Woche um über 12 Prozent abgestürzt – und notiert aktuell bei einem Minus von rund 10 Prozent. Dabei handelt es sich um den grössten Absturz seit der grossen Finanzkrise im November 2008.

Auch die russische Währung Rubel notiert gegenüber Euro und Dollar auf einem historischen Tief. Mit einer kräftigen Zinserhöhung stemmt sich die russische Notenbank bereits gegen den Absturz des Rubel. Ebenfalls abwärts – wenngleich deutlich moderater – geht es für weitere europäsichen Aktienmärkte: Nach einer knappen Handelsstunde steht der SMI um über ein Prozent, der deutsche Leitindex Dax um über zwei Prozent tiefer. Der Preis für Gold erreichte am Montagvormittag den höchsten Stand seit über vier Monaten. In der Spitze stieg der Preis für eine Feinunze auf 1350 Dollar. So viel wurde für das gelbe Edelmetall zuletzt Ende Oktober bezahlt.

Ein Händler in Zürich wurde von der Nachrichtenagentur Reuters mit den Worten zitiert, dass Händler nach den starken Kursgewinnen der vergangenen Monate keine unnötigen Risiken eingehen wollen und deshalb zu Gewinnmitnahmen neigten. Besonders unter Druck steht gesamteuropäisch der Bankensektor.

EU-Aussenminister planen Treffen

Kurz vor der heutigen Börseneröffnung in Moskau hatten ukrainische Grenztruppen von einem Aufmarsch gepanzerter Fahrzeuge an der russischen Küste gegenüber Krim berichtet. Die dortige Lage beschäftigt heute auch die EU-Aussenminister. Erwartet wird, dass diese Russlands Präsident Wladimir Putin erneut auffordern werden, auf einen Militäreinsatz zu verzichten.

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Der Russian Trading System Index (RTS) wurde am 1. September 1995 mit einem Startwert von 100 Punkten eingeführt. Berechnet wird der marktkapitalisierte Index in Dollar.

Parallelen zu früheren Krisen

Die US-Investmentgesellschaft Pimco warnte bereits vor erheblichen Verwerfungen, sollte es zu einer militärischen Eskalation kommen. Die Erholung der Weltwirtschaft sei in diesem Fall gefährdet – Parallelen zur Ölkrise Anfang der Siebzigerjahre und zur iranischen Revolution Ende desselben Jahrzehnts werden gezogen.

Auch Steen Jakobsen, Chefökonom der Saxo Bank, zieht Parallelen – und zwar zum Jahr 1989. Auch in jenem Jahr sei der russische Bär müde geworden: «Damals fiel die Berliner Mauer – dieses Mal riskieren wir, dass in der Ukraine eine neue entsteht. Wenn das passiert, verlieren wir alle», so Jakobsen.