Der Umgang mit der dreistündigen Zwangspause an der US-Technologiebörse Nasdaq am gestrigen Donnerstag bietet nach Auffassung des Betreibers keinen Anlass für Haftungsansprüche. Die Nasdaq sei als Betreiber zwar für ein stabiles Handelssystem verantwortlich, sagte Nasdaq-Chef Robert Greifeld am Freitag dem US-Fernsehsender CNBC. Kein Anleger habe jedoch aus dem Handelsstopp einen Vorteil ziehen können. «Alle waren zur selben Zeit im selben Boot», sagte er. Und beteuerte:  Die Nasdaq habe sofort reagiert und sich ausreichend Zeit gelassen, um den Handel wiederaufzunehmen. Inzwischen sei der Fehler behoben.

Grund für den längsten Blackout in der jüngeren Geschichte der Nasdaq sei ein Softwareproblem mit dem Datenstrom gewesen, sagte Greifeld. Das System müsse verbessert werden. Er könne aber nicht versprechen, dass nie wieder ein Problem auftreten werde. «Wir streben Perfektion an, und wenden dafür eine Menge Zeit auf. Gestern haben wir es aber nicht geschafft», sagte Greifeld. Der Computerfehler hatte die zweitgrösste US-Börse, an der über 3000 Firmen wie Apple, Facebook, Microsoft oder Google gelistet sind, am Donnerstag rund drei Stunden lang komplett lahmgelegt. Auch der Optionshandel wurde ausgesetzt. Trotz der Panne ging der Index der Technologiewerte mit einem Plus von 1,1 Prozent aus dem Handel. Die Aktie der Nasdaq selbst büsste dagegen 3,4 Prozent ein.

30 Prozent weniger Handel

Die technischen Probleme selbst seien nach einer halben Stunden gelöst gewesen, teilte die Nasdaq mit. Die übrige Zeit sei nötig gewesen, um sich mit anderen Börsenbetreibern, Aufsehern und Marktteilnehmern abzustimmen und einen geordneten Neustart des Handels zu gewährleisten. Insgesamt wurden in den USA am Donnerstag nur rund 4,4 Milliarden Aktien gehandelt, 30 Prozent weniger als der Durchschnitt in den vergangenen drei Monaten. Nur einmal in den vergangenen fünf Jahren wurden an einem vollen Handelstag weniger Umsätze gemacht.

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Die Nasdaq war zuletzt wegen Pannen beim Börsengang von Facebook ins Kreuzfeuer der Kritik geraten. Im Mai akzeptierte sie dafür eine Strafe von zehn Millionen Dollar - so viel musste eine Börse noch nie für Fehler bezahlen. Erst am Dienstag hatte es einen weiteren Zwischenfall an den US-Börsen gegeben: Die Investmentbank Goldman Sachs tätigte wegen technischer Probleme versehentlich eine Flut an Geschäften mit Aktienoptionen und versetzte damit den Markt kurzzeitig in Aufruhr. Die spektakulärste Panne der vergangenen Jahre an der Wall Street ist der sogenannte Flash-Crash von 2010. Damals fiel der Kurs des Standardwerte-Index Dow Jones an der New York Stock Exchange (Nyse) binnen Minuten um rund 1000 Punkte. Computerprogramme von Hochfrequenz-Händlern hatten eine Verkaufskaskade ausgelöst.

(awp/reuters/moh)