Heute veröffentlicht Facebook seine Geschäftzahlen fürs erste Quartal. Die Erwartungshaltung ist gross. Noch Mitte Februar schien es für den kalifornischen Konzern nur eine Richtung zu geben: nach oben. Facebook hatte gerade die Rekordsumme von 19 Milliarden Dollar in die Hand genommen, um den Nachrichtendienst Whatsapp zu kaufen. An den Börsen sorgte das für einen Stimmungsschub in der gesamten Branche. Nun, gerade einmal zwei Monate später, ist breite Ernüchterung eingekehrt.

An der New Yorker Tech-Börse Nasdaq findet in diesen Wochen ein regelrechter Ausverkauf statt. Anfang April gab es den grössten Tagesverlust seit über zwei Jahren. Seit dem Whatsapp-Deal im Februar verlor die Facebook-Aktie bis heute unterm Strich rund 10 Prozent an Wert, Google 12 Prozent. Die Titel von Amazon büssten gegenüber ihrem Hoch zu Jahresbeginn rund 20 Prozent ein, der Kurznachrichtendienst Twitter sogar fast 40 Prozent.

Ist es diesmal wirklich anders?

Ist dies bereits der Anfang vom Ende des gegenwärtigen Tech-Booms? Einige Indizien sprechen dafür. Denn der Ausverkauf bleibt nicht auf die US-Börse beschränkt, sondern schwappte bereits nach Europa. In London sind die Verluste besonders heftig: Ocado, einer der grössten Online-Supermärkte auf der Insel, verlor in den vergangenen Wochen rund 44 Prozent. Der Internet-Versandhandel Asos kostet mittlerweile ein Drittel weniger.

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Nach Ansicht von Tom Stevenson, der um die Jahrtausendwende mit Investorenlegende Jim Slater zusammenarbeitete, ist die Sache klar: Die Geschichte wiederholt sich. Aber warum spielen alle das Spiel mit und treiben die Preise nach oben? Weil viele an die vier gefährlichsten Worte im Investment glauben, wie er im britischen Telegraph schreibt: «It's different this time.»

Inzwischen wettet offenbar auch Hedgefonds-Manager David Einhorn gegen den Tech-Hype: «Es gibt einen klaren Konsens, dass wir die zweite Tech- Blase innerhalb von 15 Jahren erleben», erklärte die in New York ansässige Hedgefonds-Firma laut «Handelsblatt» in einem Brief an die Investoren.

«Der Tech-Optimismus scheint zu Ende zu sein»

Dass es wie 2000 kommen wird, sagt auch Prem Watsa. Der Chef des kanadischen Versicherers Fairfax hält Tech-Titel wie Twitter noch immer für viel zu teuer. «Als man dachte, dass Twitter mit 26 Dollar pro Anteil stark überbewertet sei, verdoppelte sich der Preis plötzlich», schrieb er laut Bloomberg kürzlich in einem Brief an seine Mitarbeiter. «Diese Art der Spekulation wird ebenso enden wie der vorherige Tech-Boom 1999 und 2000 – sehr böse.»

Damit stehen diese Auguren nicht mehr allein da. Zwar erwarten Anleger mehrheitlich noch immer, dass die Tech-Industrie sich an den Börsen besser schlägt als andere Branchen. Doch in den kommenden Wochen dürften noch mehr Investoren ihre Erwartungen nach unten revidieren, glaubt Sebastian Wanke, Experte bei Sentix. Die Forschungsfirma analysiert die Stimmungen an den Finanzmärkten.

«Der seit 2006 bestehende strukturelle Technologie-Optimismus scheint zu Ende zu sein», sagt Wanke. Sein heute veröffentlichter Indikator für die Anlegerstimmung gegenüber Technologie-Aktien weist in diesem Monat den zweistärksten Rückgang in seiner bis 2002 zurückreichenden Historie auf.