Anleger frohlocken: An den Aktienmärkten geht es derzeit fast stetig nach oben. Am Freitagnachmittag sorgten starke Zahlen vom amerikanischen Arbeitsmarkt für einen Schlussspurt. Der europäische Eurostoxx 50 legte in der ersten Novemberwoche um 1,5 Prozent zu und schnellte zwischenzeitlich auf den höchsten Stand seit August. Der deutsche Leitindex Dax übersprang kurzzeitig die Marke von 11'000 Punkten.

Der Schweizer Leitindex SMI steht mit rund 8970 Punkten kurz vor Erreichen der 9000er Marke. Geht der Aufschwung an den Börsen heute weiter? Indizien sprechen dafür: Der japanische Nikkei-Index in Tokio legte am Vormittag bereits um rund 2 Prozent zu – die Vorgaben stimmen also.

«SMI wird die 9000er Marke knacken»

So ist Heinz Rüttimann, Börsenanalyst bei der Bank Julius Bär, denn auch sicher: «Der SMI wird die 9000er Marke knacken – und halten können», sagt er im Interview. Er sieht das Kursziel des wichtigsten Schweizer Börsenindex für die kommenden zwölf Monate bei 9500 Zählern.

Doch ist die jüngste Kurserholung auch nachhaltig? Des Öfteren stiegen in den vergangenen Jahren die Börsen nach dem Halloween-Fest überdurchschnittlich, die Wintermonate gelten als eine besonders ertragreiche Zeit für Anleger. Angesichts der Hochstände wichtiger Börsenindizes wie dem Eurostoxx 50 – aber auch den amerikanischem S&P500 und dem Nasdaq – stellt sich die Frage, ob Investoren die Höchststände nur testen – oder ob sie die Marken wirklich durchbrechen können.

SMI gilt als sicherer Hafen

«Ein Übertreffen der Höchststände hätte positive Signalwirkung für andere Märkte, die bei dieser Kurserholung noch nicht richtig erfasst wurden und noch Aufholpotenzial haben», sagt Rüttimann. Dazu gehört die Schweizer Börse, weshalb der Bär-Analyst überzeugt ist: «Die positiven Signale aus Übersee werden auch vor dem SMI nicht Halt machen.»

Dabei gelte zu bedenken, dass der SMI im Vergleich zu anderen Indexes eher als sicherer Hafen betrachtet werde. Das heisst: Vor allem während turbulenten Marktphasen gilt der Schweizer Aktienmarkt als attraktiv. «Damit ist es nur logisch, dass bei starken Marktbewegungen nach oben der SMI tendenziell hinterherhinkt – momentan sind wir in einer solchen Marktphase.»

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Schwellenländer laufen etwas besser

Für den SMI sieht Rüttimann kurzfristig Aufholpotenzial – wobei andere Märkte wie Spanien und Italien stärker profitieren dürften. Dafür spricht auch, dass die Stimmung unter Anlegern aus dem Euroraum sich im November wieder aufhellte. Nach zwei Rückgängen in Folge stieg der heute veröffentlichte Sentix-Konjunkturindikator um 3,4 Punkte auf 15,1 Zähler.

Grund für die Stimmungsverbesserung sei die Rückkehr der Zuversicht für die asiatische Region, kommentierte Sentix. Damit scheint sich eine Stabilisierung der konjunkturellen Lage in den dortigen Schwellenländern anzudeuten. Auch andere Frühindikatoren und Konjunkturzahlen hatten diesen Schluss zuletzt nahegelegt. Der chinesischen Regierung sei es offensichtlich gelungen, Vertrauen wieder herzustellen, hiess es von Sentix. Auch für Südamerika zeigten sich die Befragten weniger skeptisch.

(mit awp)

Lesen Sie das ganze Interview mit Bär-Analyst Heinz Rüttimann bei finanzen.ch. Darin erklärt der Börsenexperte unter anderem, welche Aktien nun gut laufen dürften und wovon Anleger ihre Finger lassen sollten.