Tim Cook hatte keine leichte Aufgabe. Der erfolgsverwöhnte Apple-Chef musste den Aktionären klarmachen, dass die astronomischen Margen und hohen Gewinne vorerst der Vergangenheit angehören. «Wir müssen eingestehen, dass unser Wachstum sich verlangsamt», sagte Cook.

Zumindest konnte er die Talfahrt der Apple-Aktie bremsen. Nach der Bekanntgabe der Zweit-Quartals-Resultate kletterte der Kurs wieder über 400 Dollar. Noch im September notierte die iPhone-Aktie allerdings bei über 700 Dollar. Nicht nur Apple musste einen Rückschlag hinnehmen. Auch IBM wurde an der Börse abgestraft. Die Aktie verlor innerhalb eines ­Tages rund 10 Prozent. Experten sind sich einig, in den kommenden Monaten dürfte sich eine Wachablösung vollziehen. Giganten wie SAP, Google und Microsoft sollten in der Anlegergunst deutlich steigen. Privatanleger können zum Beispiel über Anlagefonds (siehe Kasten «Anlagemöglichkeiten») in diesen Sektor investieren.

Microsoft überraschend stark

In den vergangenen Monaten wurde Microsoft von vielen Experten abgeschrieben. Im ersten Quartal 2013 ging der Absatz von Notebooks und Desktop-Rechnern um fast 14 Prozent zurück. Daran ist laut den Marktbeobachtern die Konkurrenz durch die hippen Tablet-Geräte schuld, und das neue Microsoft-Betriebssystem Windows 8 soll die Konsumenten vor einem Kauf zögern lassen. Bereits Ende des letzten Jahres musste daher Steven Sinofsky, der Chef der Windows-Sparte, den Hut nehmen. Bei der Präsentation der Dritt-Quartals-Zahlen kündigte mit ­Finanzchef Peter Klein ein weiterer Top-Shot seinen Abschied an. Im Gegensatz zum geschassten Sinofsky dürfte Klein aber freiwillig aus dem Unternehmen scheiden. Dem abtretenden Manager war es überlassen, überraschend starke Quartalszahlen zu präsentieren.

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Der Umsatz stieg um 18 Prozent auf 20,5 Milliarden Dollar. Der Gewinn verbesserte sich im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 19 Prozent auf über 6 Mil­liarden Dollar. Angetrieben wird das Geschäft von dem guten Absatz der Unternehmenssoftware, der Bing-Suchmaschine sowie den Xbox-Videospielen, so die ­Experten der Credit Suisse. Die Credit-­Suisse-Analysten empfehlen die Micro­soft-Aktie zum «Kauf». Auch für ZKB-Analyst Christian Fröhlich ist Microsoft nicht nur aufgrund der starken Quartalszahlen ein interessanter Titel. «Microsoft wird kaum beachtet, hat aber noch einige Asse im Ärmel», so Fröhlich. So rechnen die Marktbeobachter von IDC zwar mit deutlich rückläufigen PC-Verkäufen, darunter leidet auch Logitech, der Schweizer Hersteller von Computer-Zubehör (siehe Kasten). Die IDC-Zahlen erfassen aber nicht alle Gerätekategorien. Ein Notebook mit abnehmbarer Tastatur fällt durch das Raster. Genau in dieser Kategorie trauen die Experten Microsoft einiges Potenzial zu, da diese Geräteklasse für den Einsatz des neuen Windows 8 prädestiniert ist.

Auch Google konnte mit seinem letzten Quartalsausweis positiv überraschen. Wie Microsoft tanzt auch der Internet-Konzern erfolgreich auf verschiedenen Hochzeiten. Im Februar präsentierte Google das High-End-Notebook Chromebook Pixel. Für mehr Aufsehen sorgt derzeit die Datenbrille Google Glass. Erste Prototypen des Geräts trafen in den letzten Tagen bei Entwicklern von Drittunternehmen ein. Noch ist Google Glass Zukunftsmusik, erst Ende des Jahres soll der Marktstart erfolgen. Entscheidender ist das wachsende Geschäft mit der Online-Werbung. Zwar sinkt der Preis pro Werbeanzeige, aber das Werbevolumen steigt. Die Experten der Credit Suisse bestätigen aufgrund der starken Resultate ihre «Kaufen»-Empfehlung. Das Kursziel von 800 Dollar dürfte wohl bald nach oben angepasst werden, denn die Aktie kletterte nach einer Schwächephase wieder über die 800-Dollar-Grenze.

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Weniger rosig sieht es bei Apple aus. Die Aktie des iPhone-Herstellers ist in den letzten Monaten abgestürzt. «Apple ist nicht mehr so innovativ. Ich glaube deshalb nicht daran, dass es dem Unternehmen gelingen wird, die hohen Margen mittelfristig zu halten», sagt Fröhlich von der ZKB. Der sinkende Kurs nimmt vorweg, dass die Gewinne schrumpfen werden, so Fröhlich. Die Konkurrenz von Apple hat in den letzten Monaten aufgeholt, vor allem Samsung legt bei den Smartphones und Tablets stark zu. Apple verdient zwar an einem iPhone viel mehr als die Konkurrenz an einem Gerät. Doch wenn der Innovationsfaktor leidet, muss auch das Preisniveau sinken. Hoffnung machen den Apple-Jüngern die gewaltigen Barmittel-Reserven von über 140 Milliarden Dollar. «Werden im grossen Stil Aktien zurückgekauft und höhere Dividenden ausgeschüttet, dürfte sich das positiv auf den Kurs auswirken», sagt Fröhlich. Apple hat angekündigt, diesen Forderungen nachzukommen. Bis Ende 2105 werden 100 Milliarden Dollar an die Aktionäre zurückgezahlt und die Dividende um 15 Prozent gesteigert.

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IBM kämpft mit der Cloud

Nicht nur Apple leidet unter den hohen Erwartungen, die durch den Erfolg in der Vergangenheit geweckt wurden. Der Börsenliebling IBM hat die Markterwartungen mit den vor kurzem präsentierten ErstQuartals-Zahlen klar verfehlt. Beim Technologieunternehmen schrumpfte der Umsatz innert Jahresfrist um 5 Prozent auf 23,4 Milliarden Dollar. Der Gewinn stagnierte bei 3 Milliarden Dollar, die Analysten hatten aber eine deutliche Steigerung erwartet. Die IBM-Aktie verlor nach der Bekanntgabe der Resultate deutlich an Wert – von 215 Dollar sank der Kurs auf rund 190 Dollar. Analysten befürchten, dass das angestammte Hardware-Geschäft durch das Cloud Computing zukünftig bedrängt wird. Die Analysten der Credit Suisse bewerten die IBM-Aktie derzeit mit «Halten». Für IBM-Aktionäre gibt es aber noch ein Trostpflaster. Die Aktie gilt unter den Technologietiteln als Dividendenperle. Seit Jahrzehnten schüttet IBM regelmässig eine Dividende aus, in den letzten Jahren steigerte das Unternehmen die Ausschüttung kontinuierlich. Dieses Jahr beträgt sie 3.40 Dollar.

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Wie IBM hat auch der deutsche Software-Konzern SAP eher enttäuschende Quartalszahlen vorgestellt. Der Umsatz wuchs mit 7 Prozent weniger stark als erwartet. In der wichtigen Region Asien und Pazifik entwickelten sich die Geschäfte schlechter als erhofft. Das sei die Folge eines Managementwechsels in der Region, heisst es bei Analysten. Viele Grosskunden würden zuwarten, bis in der Region die neue Führungsriege am Ruder ist, dann soll der Knoten platzen. Doch nicht nur deshalb ist SAP für Investoren interessant. Die hauseigene HANA-Technologie, ein Produkt für sehr schnelle Datenbanken, ist für die Konkurrenz kaum zu imitieren. Marktbeobachter sind vom Erfolg von HANA überzeugt. Der Vorteil von SAP ist, dass es der Firma so gelingen dürfte, ­bestehende Kunden zusätzlich mit der neuen Dienstleistung anzugehen. In den letzten Tagen häuften sich die «Kaufen»-Empfehlungen für SAP.

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Schweizer Technologiewerte: Deutlich korrigiert

Logitech
Der Hersteller von Computerzubehör leidet unter dem rückläufigen PC-Geschäft. Die Experten der ZKB erwarten, dass Tablet-Accessoires weiter gut wachsen, aber die anderen Produkte schwächer abschneiden werden. Der Titel ist wegen des schwierigen Umfelds und der unsicheren Wachstumsaussichten für ein Neuinvestment nicht attraktiv genug.

AMS
Die jüngst präsentierten Erst- Quartals-Zahlen blieben hinter den Analysten-Erwartungen zurück. Der Aktienkurs hat denn auch deutlich korrigiert. Zusätzlich dürfte der angekündigte Abgang von AMS-Firmenchef John Heugle belasten. Dennoch ist der Valor interessant, denn die Auftrags- Pipeline ist gut gefüllt. Vontobel empfiehlt den Titel daher zum «Kauf».

Kudelski
Der Kurs der Kudelski-Aktie hat sich in den letzten Monaten etwas erholt. Die Mehrheit der Experten bewertet Kudelski derzeit mit «Halten».

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