Die Schweizer Börse ist am Dienstag erneut mit tiefroten Notierungen in den Tag gestartet. Belastet wird das Sentiment von einer Mischung aus nachlassender Konjunktur und Schuldenkrise in Europa. Die Sorgen, dass Griechenland einem Zahlungsausfall näher rückt, werden immer grösser. Die Euro-Partner lassen den Schuldensünder wegen seiner verfehlten Sparziele auf die dringend benötigten Kredite warten; die nächste Tranche an Hilfsgeldern wurde jetzt erst für November in Aussicht gestellt.

Die Vorgaben von Wall Street sowie von den Handelsplätzen in Fernost sind ebenfalls schwach. So hat etwas der Future auf den Dow Jones Industrial seit Handelsschluss in Europa um mehr als 2 Prozent nachgegeben und in Tokio schloss der Nikkei 1,05 Prozent tiefer. Den Vorzeichen entsprechend schneiden hierzulande vor allem zyklische Werte und Finanzaktien schwach ab, während die defensiven Schwergewichte den Schaden etwas begrenzen.

Gegen 09.30 Uhr verliert der SMI um 1,23 Prozent auf 5428,17 Punkte. Der 30 Titel umfassende, gekappte Swiss Leader Index (SLI) gibt um 1,66 Prozent auf 798,58 und der Swiss Performance Index (SPI) um 1,25 Prozent auf 4908,19 Zähler nach.

Weiter unter Abgabedruck stehen die Finanzwerte, nachdem Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker eine stärkere Beteiligung privater Gläubiger an der Rettung Griechenlands angedeutet hat. Die Grossbankenvaloren Credit Suisse (-2,9 Prozent) und UBS (-1,8 Prozent) stehen entsprechend im Fokus. Für beide Papiere hat HSBC das Kursziel zum Teil deutlich gesenkt.

UBS überrascht mit positiven Zahlen

Trotz eines durch einen Händler verursachten Verlusts von 2,3 Milliarden Dollar schreibt die UBS im dritten Quartal voraussichtlich schwarze Zahlen, wie diese am Morgen mitteilte. Die Meldung sei eine positive Schlagzeile, erklärte ein Marktbeobachter. An der schwierigen Situation in der die Bank steckt, ändere sich dadurch allerdings nichts, hiess es im Handel.

Julius Bär geben um 2,5 Prozent nach. Für die Papiere der Privatbank hat HSBC das Rating auf «Neutral» von «Overweight» gesenkt. Die Versicherer sehen ebenfalls überdurchschnittliche Abschläge bei ZFS (-2,4 Prozent), Swiss Life (-2,9 Prozent), Bâloise (-2,1 Prozent) und Swiss Re (-1,4 Prozent).

Die sich zunehmend eintrübenden Konjunkturaussichten hinterlassen auch am Dienstag ihre Spuren bei den zyklischen Papieren. Allen voran die volatilen Transocean-Titel sinken um 3,1 Prozent. Holcim (-3,1 Prozent), Richemont (-2,5 Prozent), Adecco (-2,7 Prozent) und Nobel Biocare (-2,0 Prozent) stehen in nicht viel nach. Auch Clariant stehen mit minus 2,6 Prozent erneut unter deutlichem Abgabedruck; der Der Spezialitätenchemiekonzern gab am Berichtstag den Verkauf seines Polysilazane-Coatings-Geschäfts für 4 Millionen Euro bekannt.

Syngenta sinken um 2,4 Prozent. Das oberste französische Verwaltungsgericht hatte am Vortag eine im Jahr 2010 ausgesprochene Zulassung für das Insektizid Cruiser 350 wieder aberkannt. Das Produkt steht im Verdacht, für ein massives Bienensterben verantwortlich zu sein. Das Verdikt öffne nun den Weg für Schadensersatzforderungen, hiess es. Zudem hat HSBC auch hier das Kursziel gesenkt.

Pharma mit weniger Verlusten

Etwas besser weg kommen die defensiven Pharmawerte Novartis (-0,6 Prozent), Roche (-0,8 Prozent) und Actelion (-1,2 Prozent. Nestlé (Aktie -0,6 Prozent) und Swisscom (-0,4 Prozent) werden ihrer defensiven Reputation ebenfalls gerecht.

Auch im breiten Markt finden sich verschiedene Zykliker auf den Verkaufszetteln wieder. So büssen beispielsweise Sulzer 4,6 Prozent ein; der Industriekonzern wird in der kommenden Woche den Bestellungseingang für die ersten neun Monate 2011 publizieren. Ferner sinken Crealogix um 4,8 Prozent, LEM um 4,0 Prozent, u-blox um 4,3 Prozent und Weatherford um 3,2 Prozent.

Für die Aktien des Schliesstechnikkonzerns Kaba hat der zuständige UBS-Analyst seine EPS-Prognosen 2011/12 und 2012/13 um 15 Prozent respektive um 30 Prozent gesenkt; das Kursziel wurde entsprechend auf 400 CHF von bisher 450 CHF reduziert. Die Kaba-Papiere verlieren in der Folge 1,2 Prozent.

(rcv/awp)