Schweizer Privatanleger sind nach wie vor hin- und hergerissen zwischen Kapitalwachstum einerseits und Kapitalerhalt andererseits. Zu diesem Schluss kommt eine Befragung von Natixis Global Asset Management (NGAM), die der Vermögensverwalter weltweit durchgeführt hat. Zwar seien 36 Prozent der Investoren hierzulande bereit, ein höheres Risikoniveau einzugehen, was einem deutlichen Plus gegenüber dem Vorjahr (24 Prozent) bedeutet – der globale Durchschnitt von 46 Prozent weist allerdings auch insgesamt eine deutlich höhere Risikobereitschaft aus.

«In der Schweiz gaben 55 Prozent der Anleger an, dass der Faktor Kapitalwachstum inzwischen zunehmend Vorrang hat vor dem Schutz des Kapitals», sagt Nataxis-Nordeuropa-Chef Jörg Knaf. «Sobald sie aber gezwungen sind, sich für eine Präferenz zu entscheiden, gibt die grosse Mehrheit der Anleger, nämlich deren 77 Prozent, dem Faktor Sicherheit nach wie vor den Vorzug vor möglichen Wertentwicklungschancen.»

Höchststände sorgen für Zufriedenheit

Anspruch und Wirklichkeit stehen oft im Widerspruch: «Viele Investoren haben sich zwar ehrgeizige Anlageziele gesteckt, realistisch betrachtet aber keine Möglichkeit, diese auch zu erreichen», wird John Hailer, Chef des Amerika- und Asien-Geschäft bei NGAM zitiert. «Die Märkte sind zuletzt auf neue Höchststände geklettert, und die Anleger sind mit der Performance ihrer Portfolios im Wesentlichen zufrieden.» Doch ohne einen konkreten Plan, der auch die individuelle Risikobereitschaft sowie die persönlichen Anlageziele berücksichtigt, hätten die Investoren kaum Chancen, ihre Anlageziele auch zu erreichen. «Und das ist doch das grösste Risiko überhaupt», so Hailer.

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Der überwiegende Teil der Schweizer Investoren definiere den Anlageerfolg als einen ganz persönlichen Faktor, der auf den langfristigen Anlagezielen und nicht auf kurzfristigen Markttendenzen basiere. Knaf nimmt deshalb die eigene Branche in die Verantwortung: «Die Vermögensverwalter müssen im Hinblick auf den Faktor Performance umdenken und Produkte und Anlagelösungen entwickeln, die mittels stabiler und breit diversifizierter Portfolios, den Investoren dabei helfen können, ihre persönlichen Anlageziele zu erreichen.»

Unzureichendes Finanz-Know-how

Drei von vier schweizerischen Anlegern wären laut Befragung zufrieden, wenn sie ihre Anlageziele auf Sicht von einem Jahr erreichen würden, selbst wenn sie dabei hinter dem breiten Markt zurückbleiben würden. «Die Asset-Management-Industrie muss mehr tun, um Vermögensverwalter und Finanzberater dabei zu unterstützen, die Bedürfnisse der Schweizer Investoren besser zu verstehen und alternative Investments in die Portfolios dieser Kunden zu integrieren», hält Knaf zudem fest.

84 Prozent der Schweizer Investoren beschreiben ihr eigenes Finanz-Know-how als unzureichend. Deshalb würden in zunehmendem Masse professionelle Finanzberater, konsultiert: Die Zahl der Investoren, die eine regelmässige Geschäftsbeziehung zu einem Berater pflegt, sei im Laufe von nur einem Jahr von 24 auf nunmehr 38 Prozent gestiegen, wie es nicht ganz uneigennützig heisst. Gleichzeitig nehme auch die Intensität dieser Beratungsverhältnisse zu.