Der Schweizer Aktienmarkt hat am Donnerstag schwächer geschlossen. Ursache für die Kursabschläge nach sechs positiven Börsentagen waren einerseits Gewinnmitnahmen, andererseits überzeugte der Monatsbericht der EZB zur Wirtschaftslage des Euroraums die Investoren nicht. Nach Einschätzung der Notenbank dürfte sich die Konjunktur im zweiten Halbjahr 2011 deutlich abkühlen; das Wachstum werde vermutlich «sehr moderat» ausfallen, hiess es.

Auf der Stimmung lastete zudem die negative Entwicklung an den US-Börsen. Die US-Anleger hatten enttäuscht auf den Auftakt der Berichtssaison unter den grossen Banken reagiert. Als erstes Finanzinstitut hatte JPMorgan über sinkende Einnahmen im Investmentbanking berichtet; der Konzern ist zudem mit rund 15 Milliarden Dollar in Staatsanleihen angeschlagener Euroländer investiert. Die Zustimmung der Slowakei zur Erweiterung des Euro-Rettungsschirms EFSF kurz vor Handelsende brachte keinen grösseren Stimmungsumschwung mehr.

Der Leitindex Swiss Market Index (SMI) der 20 Standardwerte schloss 1,2 Prozent im Minus bei 5713,17 Punkten. Der breiter gefasste Swiss Performance Index (SPI) verlor 1,1 Prozent auf 5169,65 Punkten.

Roche verliert 4,5 Prozent

Der Roche-Genussschein stürzte bei überdurchschnittlichen Umsätzen um 4,5 Prozent auf 140.90 Franken ab. Der Pharma- und Diagnostikkonzern hat in den den ersten neun Monaten einen Umsatzrückgang von zwölf Prozent auf 31,5 Milliarden Franken verbucht und damit die Prognosen der Analysten verfehlt. Händler sprachen von einer Enttäuschung.

Die Aktie der Roche-Grossaktionärin Novartis konnte sich dem Sog nicht ganz entziehen. Mit einem Abschlag von 0,3 Prozent hielt sie sich allerdings besser als der Markt.

Unter Druck standen auch die Grossbankaktien: UBS verlor fast vier Prozent und Credit Suisse büsste über drei Prozent ein. Der schwache Quartalsbericht von JPMorgan und die Diskussion um die Rekapitalisierung in Europa lasteten auf dem Bankensektor. Der europäische Bankaktienindex verlor gut vier Prozent.

Sarasin 15 Prozent im Plus

Dagegen legten Aktien von Privatbanken und Vermögensverwaltern zu. Das Gerücht, dass der Sarasin-Mehrheitsaktionär Rabobank Gespräche über einen Abbau seiner Beteiligung an der Basler Bank führen soll, löste laut Händlern ein Kurs-Feuerwerk aus. Sarasin schnellte um 15 Prozent nach oben. Julius Bär zog 0,6 Prozent an.

Vontobel gewann 3,3 Prozent und Bellevue Group rückte 20 Prozent vor. Dass sich die CS-Aktie besser als andere Konkurrenten schlug, liegt Händlern zufolge auch daran, dass die Grossbank mit dem Vermögensverwalter Clariden Leu ebenfalls eine Privatbank hält, die rund 100 Milliarden Kundenvermögen verwaltet.

Die Aktie des Anlagenbauers Sulzer gab einen Tag vor der Veröffentlichung des Bestellungseingang der ersten drei Quartale 3,5 Prozent nach. Der Titel des Agrochemiekonzerns Syngenta, der am Freitag ebenfalls einen Zwischenbericht veröffentlicht, ging nahezu unverändert aus dem Handel.

(rcv/sda)