Der Schweizer Aktienmarkt hat am Donnerstag nach einem bewegten Handelstag im Plus geschlossen. Geprägt wurde der Verlauf vor allem von den sich jagenden Gerüchten und Nachrichten zu Griechenland: Hatte am Morgen das angekündigte griechische Referendum und die harsche EU-Reaktion für eine Eröffnung im Minus gesorgt, so liess der sich immer deutlicher abzeichnende Verzicht auf die Volksbefragung und die Aussichten auf ein Ende der Regierung Papandreou die Märkte ins Plus drehen.

Lediglich für einen kurzen Kurssprung sorgte die Europäische Zentralbank, die am frühen Nachmittag völlig überraschend eine Zinssenkung ankündigte. Der Zinsschritt, den der neue EZB-Präsident Mario Draghi mit einer drohenden «milden Rezession» im Euroraum begründete, zog auch skeptische Kommentare nach sich. Die Frage sei wohl, ob die Zinssenkung als besonnene Entscheidung oder als Zeichen grosser Probleme zu werten sei, meinte ein Händler. Unterstützung boten am Nachmittag dann allerdings auch noch mehrheitlich günstige US-Konjunkturdaten.

Der SMI schloss 1,02 Prozent im Plus auf 5'668,05 Punkten. Der 30 Titel umfassende, gekappte Swiss Leader Index (SLI) gewann 1,15 Prozent auf 862,44 Punkte und der breite Swiss Performance Index (SPI) 1,22 Prozent auf 5'161,72 Punkte.

Swiss Re Tagesgewinner

Neben dem Wirbel um die Eurokrise war der Tag auch von zahlreichen Quartalsabschlüssen geprägt. So beendeten Swiss Re den Handelstag mit einem Plus von 6,0 Prozent als Gewinner unter den SMI/SLI-Titeln, nachdem der Rückversicherer mit seinen Ergebnissen die Erwartungen der Analysten übertroffen hatte. Das Ergebnis war zwar stark von Einmaleffekten geprägt, Analysten lobten aber auch die gute Entwicklung im Kerngeschäft.

Ebenfalls stark zulegen konnten Clariant (+6,0 Prozent), bei denen Marktbeobachter von Deckungskäufen aus dem Ausland sprachen. Als Plus für Clariant werde derzeit auch ausgelegt, dass der Umsatzanteil des Schweizer Chemiekonzerns in China kleiner sei als bei der europäischen Konkurrenz, hiess es.

Geberit (+4,9 Prozent) profitierten ebenfalls von einem über Erwarten positiv ausgefallenen Quartalsergebnis. Analysten sprachen von einem "sehr soliden" Ergebnis und einem "starken Zahlenkranz". Klare Avancen verzeichneten auch zyklische Werte wie Kühne + Nagel (+4,4 Prozent), Schindler (+4,3 Prozent) oder ABB (+3,4 Prozent).

Syngenta (+2,5 Prozent) erhielten Unterstützung von der Zulassung für ein gentechnisch verändertes Mais-Saatgut in Argentinien. Die Analysten begrüssen, dass sich die hohen Forschungskosten des Agrokonzerns auf diesem Gebiet nun auszahlen dürften. Holcim (+1,7 Prozent) konnten von einem soliden Quartalsausweis des Konkurrenten Heidelberg Cement profitierten.

Bankwerte erholten sich nur mässig

Bei den Versicherern legten auch ZFS (+2,3 Prozent) deutlich zu, wobei Händler auf positive Aussagen in einer Sektorstudie von Exane BNP Paribas verwiesen. Nur kurzfristige Unterstützung erhielten die Bankenwerte von der Ankündigung der EZB-Zinssenkung. Klar im Plus schlossen Julius Bär (+2,8 Prozent), während sich die Avancen bei UBS (+0,9 Prozent) und CS (+0,5 Prozent) in Grenzen hielt.

Gegen Handelsende zog auch der Kurs der schwer gewichteten Nestlé (+0,8 Prozent) etwas an, nachdem Konkurrentin Kraft Foods einen freundlich aufgenommen Abschluss der Konkurrentin Kraft Foods vorlegen konnte. Die Pharmawerte stiegen etwa im Marktschnitt, wobei Roche (+1,3 Prozent) etwas stärker abschnitten als Novartis (+1,0 Prozent).

Einen regelrechten Absturz erlitten Transocean (-11,7 Prozent), nachdem das Unternehmen am Donnerstagabend für das dritte Quartal wegen einem Verlust aus Währungsabsicherungsgeschäften unerwartet rote Zahlen ausgewiesen hatte. Auch der Umsatz fiel deutlich unter den Konsensschätzungen aus. Der Transocean-CEO rügte in einer Telefonkonferenz die Analysten, denen es mit ihren "Modellsystemen" schwerfalle, die finanzielle Performance seiner Branche abzuschätzen.

(rcv/awp)

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