Die Anleger an der Schweizer Börse haben sich am Dienstag nicht aus der Deckung gewagt. Der Standardwerte-Index SMI schloss unverändert bei 8993 Punkten. Unerwartet schwache US-Konjunkturzahlen sowie enttäuschende Wirtschaftszahlen aus China und der Schweiz dämpften den Risikoappetit der Investoren, sagten Händler. Auch weckte der amerikanische Einkaufsmanagerindex bei einigen Anlegern Zweifel, ob es im Dezember wirklich zu der überwiegend erwarteten Zinswende in der weltgrössten Volkswirtschaft kommt. Kursstützend hingegen wirkte die Hoffnung der Marktteilnehmer auf weitere Geldspritzen der Europäischen Zentralbank (EZB).

Börsianer erwarten, dass die EZB bei ihrer Sitzung am Donnerstag eine Ausweitung ihrer Anleihekäufe und eine Zinssenkung beschliessen wird, um die drohende Deflation - eine Spirale fallender Preise und rückläufiger Investitionen – abzuwenden. Eine neue Geldflut könnte den Aktienmärkten Treibstoff für einen weiteren Anstieg liefern, sagten Händler.

Wirtschaft stagniert im dritten Quartal

Der Schweizer Einkaufsmanagerindex (PMI) sank im November überraschend auf 49,7 Punkte und rutschte damit wieder unter die Marke von 50 Zählern, die Wachstum von Schrumpfung trennt. Zudem stagnierte die Schweizer Wirtschaft im dritten Quartal, statt wie von Ökonomen prognostiziert leicht zu wachsen.

Im Mittelpunkt stand Zurich. Bei überdurchschnittlichen Umsätzen verloren die Aktien des Versicherers 0,4 Prozent. Europas fünftgrösster Versicherer muss sich nach dem sofortigen Rücktritt des langjährigen Konzernlenkers Martin Senn einen neuen Chef suchen – und der soll von aussen ins Unternehmen kommen. Eine Reihe von Analysten schätzt, dass der neue Zurich-Chef die Dividendenpolitik des Konzerns auf den Prüfstand stellen wird, die als Hauptgrund für den Kauf der Titel gilt. Die Anteile anderer Versicherer legten meist leicht zu.

Julius Bär sticht heraus

Die Titel der Grossbanken Credit Suisse und UBS stiegen um 0,2 und 0,6 Prozent. Julius Bär stachen mit einem Plus von 1,5 Prozent heraus. Der Vermögensverwalter zählt laut Händlern gemäss einer Studie von Goldman Sachs zusammen mit den beiden Luxusgüterherstellern Swatch und Richemont zu den stärksten Profiteuren eines festeren Dollars. Swatch und Richemont legten gegen ein Prozent zu.

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Die Pharmawerte Novartis und Roche zogen leicht an. Die Aktien der Biotech-Firma Actelion sackten zwei Prozent ab und zählten damit zu den Schlusslichtern im SMI. Vontobel hat Actelion auf «Hold« zurückgestuft. Der Markt für Medikamente zur Behandlung der Lungenkrankheit PAH dürfte sich in den kommenden Jahren seitwärts entwickeln, schätzen die Analysten der Bank. Als Marktführer auf dem Gebiet dürfte Actelion die zunehmende Konkurrenz durch Generika zu spüren bekommen.

ABB und LafargeHolcim verlieren

Spekulative Käufe schoben die Titel von Basilea 5,1 Prozent hoch. Händler sagten, der Antibiotika-Hersteller werde immer wieder als Übernahmekandidat gehandelt. «Diesmal werden wieder Actelion und Galenica als Käufer rumgeboten«, sagt ein Händler.

Die Anteile zyklischer Firmen tendierten mehrheitlich schwächer. Die Aktien des Elektrotechnikkonzerns ABB fielen um rund zwei Prozent, die des Zementkonzerns LafargeHolcim verloren knapp ein Prozent. LafargeHolcim will aus eigener Kraft wachsen. Der Konzern sei so breit aufgestellt, dass keine grösseren Investitionen notwendig seien, erklärte Konzernchef Eric Olsen auf einer Investorenveranstaltung.

Galenica vor der Aufteilung

Am breiten Markt büssten Sulzer 4,2 Prozent ein und gaben damit die Vortagesgewinne wieder preis. Am Montag hatten die Wettbewerbsbehörden in den USA, Russland, Deutschland und Südafrika die Übernahme des Industriekonzerns durch Viktor Vekselberg vorbehaltlos genehmigt.

Galenica verloren 1,1 Prozent an Wert. Das Unternehmen will die angekündigte Aufteilung des Konzerns in die beiden eigenständigen Unternehmen Vifor Pharma und Galenica Sante im vierten Quartal 2016 durchführen.

EFG International stiegen bei guten Umsätzen um 5,5 Prozent, ohne dass Händler dafür einen Grund nennen konnten. EFG habe sich im Vergleich zu anderen Vermögensverwaltern kursmässig schlecht entwickelt, hiess es.

(sda/me)