Die Schweizer Börse hat am Montag einen kleinen Teil ihrer jüngsten Verluste wettgemacht. Nach zwei Handelstagen mit massiven Kursabschlägen legte der Markt kräftig zu. Der SMI legte um 3,2 Prozent auf 8153 Punkte zu. In den zwei vorhergehenden Sitzungen war der Leitindex nach dem SNB-Entscheid um gut 14 Prozent gefallen. Der Euro hat seitdem 15 Prozent seines Werts eingebüsst.

Nach der Achterbahnfahrt zum Wochenschluss steht der Euro-Franken-Kurs nun erneut unter scharfer Beobachtung. Auch wenn der Euro derzeit wieder etwas über Parität steht und 1.01 Franken kostet, ist derzeit eigentlich nur eines gewiss: die Ungewissheit. Die starke Frankenvolatilität ist noch nicht überstanden, darin sind sich Anlageexperten einig. «Entsprechend werden auch die Aktienkurse eine stark erhöhte Volatilität aufweisen», schreibt die Zürcher Kantonalbank (ZKB) heute in einem Sonderkommentar zum Aktienmarkt Schweiz.

Kurs von 1.05 Franken pro Euro

Eine Aussicht auf die Entwicklung der Börsen in den kommenden Monaten ist entsprechend schwierig, solange unklar ist, wo die Wechselkurse sich einpendeln: Für ihre aktualisierte Prognose für 2015 hat die ZKB einen Kurs von 1.05 Franken pro Euro und 0.90 Franken für einen US-Dollar zugrunde gelegt.

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Anlageexperte Philipp Grüebler, Geschäftsführer der Grüebler Vermögensverwaltung, geht von einem noch etwas stärkeren Franken aus: «Ich halte einen Kurs von 1.02 Franken für die beste Schätzung», sagt er. Fakt ist: In beiden Fällen sind die Aussichten für den Schweizer Aktienmarkt trübe. «Die Aktien der Schweizer Unternehmen werden in den kommenden Monaten gegen einen sehr ungünstigen Wechselkurs ankämpfen», sagt Grüebler, «da Gewinne in der Exportwirtschaft und Aktiven im Ausland zwangsläufig sinken, werden wir in zwölf Monaten tiefere Kurse verzeichnen.»

Die ZKB drückt es in Zahlen aus: Statt einem Gewinnwachstum im SPI für das Jahr 2015 von 5.5 Prozent erwarten die Banker jetzt ein Minus von 5.3 Prozent. «Insgesamt ergibt sich dadurch ein Rückgang im Jahr 2015 gegenüber unserer vorherigen Prognose von etwas weniger als 14 Prozent.»

Wachstum von nur noch 0,5 Prozent  erwartet

Vor allem exportorientierte Unternehmen wie Swatch oder Richemont müssen für ihre Geschäfte wegen des stärkeren Frankens mit grösseren Verwerfungen rechnen als etwa die Swisscom, die nur über die italienische Tochter Fastweb Euro-Geschäft in ihren Bilanzen verbuchen muss. Sie zählt damit zu den Konzernen, denen auch ein starker Franken wenig anhaben kann. Diese Firmen könnten für Anleger in naher Zukunft besonders interessant sein (siehe Bildergalerie unten).

Wie andere Analysten gehen auch die Ökonomen der ZKB von einer beschleunigten negativen Inflation aus: Die Preise werden neu 0.8 Prozent statt 0.3 Prozent nachgeben. Auch das Wirtschaftswachstum leidet: Für das gesamte Jahr hatte die Bank ohnehin mit einem gebremsten Wachstum gerechnet. Durch einen starken Franken sieht sie die Schweizer Wirtschaft stärker belastet und rechnet statt mit einem Wachstum von 1,5 Prozent nur noch mit 0,5 Prozent.

Das gesamte Interview mit Vermögensverwalter Philipp Grüebler lesen Sie auf finanzen.ch.

SNB-Entscheid: Gewinner unter den Riesen im SMI

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Die SNB hat den Mindestkurs abgeschafft, die Schweizer Börse sackte ab. Dabei gibt es durchaus Firmen, die nicht ins Mark getroffen werden. Das sind die Gewinner im SMI: Lebensmittelgigant Nestlé produziert und verkauft oft lokal, also in den jeweiligen Abnehmerländern. Dadurch exportiert der Konzern kaum aus der Schweiz und muss nicht um seine Margen fürchten.

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