Die Fakten sind seit gestern bekannt: 17.50 Franken kostet eine Aktie der Glarner Kantonalbank (GLKB). Ein Preis, der zwar am unteren Ende der Preisspanne liegt – doch Bescheidenheit hat bekanntlich noch nie geschadet. Der von der Zürcher Kantonalbank begleitete Börsengang (Initial Public Offering/IPO) sei «deutlich überzeichnet» gewesen.

Ab 9 Uhr werden die GLKB-Aktien heute erstmals an der Schweizer Börse SIX gehandelt, der Emissionserlös der 3,2 Millionen Titel liegt bei 56 Millionen Franken. Über eine Mehrzuteilungsoption von weiteren 450'000 Aktien könnte dieser gar noch auf 63,9 Millionen Franken gesteigert werden.

Fünf Börsengänge seit Anfang April

Trotz bestem Börsenumfeld und fast schon euphorischer Index-Rekordjagd ist die GLKB erst das fünfte Unternehmen, das 2014 die Publikumsöffnung vollzieht. Der IPO-Reigen war ausgerechnet durch die Kantonalbank-Kollegen aus dem Thurgau (TGKB) Anfang April eröffnet worden. Seither folgten der Online-Reiseanbieter Bravofly, das Industrieunternehmen SFS sowie der Immobilien-Entwickler Hiag.

Über diese Entwicklung zeigt sich auch Börsenchef Christian Katz enttäuscht: «Wir müssen langfristig die Bedingungen verbessern», erklärte er gegenüber der Nachrichtenagentur AWP. Er nennt als Gründe für die rückläufige IPO-Zahl die Finanzkrise, den regulatorischen Wandel und übertriebene Transparenzanforderungen für kotierte Unternehmen.

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Die Zahlen seien laut CEO der SIX Swiss Exchange im langfristigen Vergleich weiterhin besorgniserregend. Katz hält es zudem für fraglich, dass mit den Neuzugängen dieses Jahres die Handelsaktivitäten an der Schweizer Börse neuen Schwung erhalten.

Online-Reiseanbieter mit holprigem Einstand

Beim Blick auf die bisherige Börsen-Performance der Neulinge fällt auf, dass wirklich Spektakuläres bisher ausblieb – mit einer Ausnahme: Bereits im Vorfeld des Bravofly-IPOs stotterte der Motor. Die Aktienemission war zwar mehrfach überzeichnet und der erste Handelstag kurzfristig um 24 Stunden auf den 15. April nach vorne verlegt worden, doch an einer Medienkonferenz am 14. April sorgte das Management für Unmut: An Stelle eines konkreten Aktienpreises wurde um finanzielle Details noch immer ein grosses Geheimnis gemacht.

Am jenem Abend dann wurde der Emissionspreis mit 48 Franken in der oberen Hälfte der Preisspanne festgelegt, doch bereits am ersten Handelstag konnte die Bravofly-Aktie nicht durchstarten. Händler vermuteten damals, dass enttäuschte Marktteilnehmer bereits schnelle Gewinne eingefahren würden. Den Tessinern war vermutlich auch zum Verhängnis geworden, dass der spanische Branchenkonkurrent eDreams Odigeo wenige Tage zuvor ebenfalls einen Fehlstart auf dem Börsenparkett hingelegt hatte.

Spanische Konkurrenz drückt auf die Stimmung

Bis heute vermag das Geschäftsmodell von Bravofly die Anleger nicht zu überzeugen, zudem sorgte ein starker Gewinnrückgang bei eDreams Odigeo – verbunden mit der Warnung vor steigender Konkurrenz – erst gestern für einen neuerlichen Kurstaucher. Die Bilanz: Die Bravofly-Aktie ist mittlerweile rund ein Viertel günstiger als beim Börsenauftakt vor gut zwei Monaten zu haben.

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In Erklärungsnotstand kommt vor diesem Hintergrund auch die UBS – eine der drei Banken, die Bravofly an die Börse gebracht hatten: Deren Investmentbank hat die Aktien, im Gegensatz zur neutralen Haltung der Co-Emittenten Morgan Stanley («equal-weight») und Credit Suisse («neutral»), mit einem Kursziel von 52 Franken nämlich mit einer «Buy»-Empfehlung ausgestattet.

Unspektakulär und solide

Weit weniger spektakulär präsentiert sich das Bild beim restlichen Trio: Die mit soliden Geschäftsmodellen ausgestatteten TGKB, SFS und Hiag Immobilien reissen kursmässig keine Stricke aus und notieren in engen Bandbreiten.

Die Preise im Orderbuch sind mitunter erratisch, was aber in erster Linie daran liegt, dass die Handelsvolumina gemessen an der Börsenkapitalisierung dünn ausfallen. Womit SIX-Chef Katz, mit seiner Befürchtung, die Neulinge würden die Börsianer nicht in Schwung bringen, ins Schwarze trifft.

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