Die Schweizer Börse hat den Aufwärtstrend am Donnerstag fortgesetzt. Gestützt von den Pharmawerten Roche und Novartis überwand der Standardwerte-Index SMI die Hürde von 9000 Punkten. Die Index-Schwergewichte konnten damit den Kurseinbruch des Personalvermittlers Adecco mehr als ausgleichen.

Bis am frühen Nachmittag stieg der SMI um 0,6 Prozent auf 9006 Zähler. Bereits am Vortag hatte der Bluechip-Index 0,6 Prozent zugelegt. Anleger wie die Schwyzer Kantonalbank (SZKB) setzen derzeit verstärkt auf Schweizer Aktien. «Die Positionierung in US-Aktien wird aufgrund der zunehmend restriktiven Geldpolitik der US-Notenbank Fed und des starken Dollars abgebaut», erklärte SZKB-Anlagechef Thomas Heller. «Im Gegenzug werden Schweizer Aktien aufgebaut, weil die negativen Effekte des starken Frankens etwas nachlassen.»

Aussage von Fed-Chefin Yellen

Den weiteren Handelsverlauf dürften Konjunkturdaten prägen. Die Statistik zu den US-Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe werden die Anleger Händlern zufolge auf neue Hinweise zum Zeitpunkt der seit langem erwarteten Zinswende in den USA abklopfen. Fed-Chefin Janet Yellen hatte am Mittwoch vor einem Kongressausschuss betont, eine Anhebung im Dezember sei durchaus im Bereich des Möglichen.

An der Schweizer Börse kletterten Roche 1,6 Prozent. Der Pharmakonzern sieht sich dank einer prall gefüllten Entwicklungspipeline gut gerüstet. Bis Ende 2017 will das Unternehmen die Ergebnisse von bis zu sieben klinischen Studien zu wichtigen Medikamenten vorlegen. Dabei handle es sich um neue Wirkstoffe sowie neue Anwendungen bereits bestehender Arzneien gegen Multiple Sklerose, Asthma, die Bluterkrankheit, Augenkrankheiten und Krebs. Auch andere Aktien aus dem Gesundheitsbereich waren gesucht. Novartis legten 1,4 Prozent zu. Die Aktien des grössten europäischen Biotechnologieunternehmens Actelion verteuerten sich um 1,2 Prozent.

Auch die Aktien von anderen Unternehmen, die wenig konjunkturabhängig sind, legten zu. Nestle gewannen 0,4 Prozent, der Aromenherstellers Givaudan 0,9 Prozent.

«Anleger denken kurzfristig»

Dagegen sackten Adecco neun Prozent ab. Der neue Konzernchef Alain Dehaze gibt die Hoffnung auf bald anziehende Geschäfte auf und macht beim weltgrössten Personalvermittler reinen Tisch: Vor allem wegen schwächelnder Märkte in Deutschland und Österreich verordnete der seit September amtierende Belgier dem Schweizer Konzern im dritten Quartal eine Abschreibung von 740 Millionen Euro. Weil das Wachstum auch in anderen wichtigen Märkten Europas hinter den Erwartungen zurückbleibt, strich er zudem die Gewinnprognose für 2015 zusammen. «Die Anleger denken derzeit sehr kurzfristig«, erklärte ein Händler. «Wenn ein Unternehmen enttäuscht, sind sie nicht mehr bereit, auf bessere Zeiten zu warten, sondern ziehen ihr Geld sofort ab.»

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Die Anteile des Zementproduzenten LafargeHolcim verloren 0,5 Prozent an Wert, nachdem der deutsche Konkurrent HeidelbergCement im dritten Quartal schlechter als erwartet abgeschnitten hatte. Auch bei SGS gingen die Anleger nach schlechten Nachrichten aus der Branche auf Distanz. Der französische Inspektionskonzern Bureau Veritas leidet unter der Schwäche des Bergbau- und Ölmarktes und kappte die Prognose. Die Aktien des Schweizer Rivalen SGS verloren 0,3 Prozent. Die Titel des Bohrplattform-Betreibers Transocean litten unter dem Umsatzrückgang im dritten Quartal und verloren 1,7 Prozent.

Zurich nahezu unverändert trotz Minus

Bei den Finanzwerten rückten Zurich Insurance 0,3 Prozent vor. Der Quartalsgewinn sackte im Vergleich zum Vorjahr um 79 Prozent auf 207 Millionen Dollar ab. An den für das Jahr 2016 ausgegebenen Zielen hält Konzernchef Martin Senn indes fest. Die Anleger setzen zudem auf höhere Ausschüttungen und griffen bei den Aktien zaghaft zu. Credit Suisse und Julius Bär notierten eine Spur höher.

Bei den Nebenwerten kletterten Kuoni trotz tiefroter Quartalszahlen fast zehn Prozent. Das organische Wachstum belief sich auf acht Prozent und bestätige die neue Ausrichtung des Unternehmens als Dienstleister für die globale Reiseindustrie und Regierungen, hiess es. «Die Umwälzungen bei Kuoni gehen weiter, diesmal aber eher in eine gewünschte Richtung», kommentierten die Analysten der Zürcher Kantonalbank.

(reuters/me/ama)