Die Erholung am Schweizer Aktienmarkt ist am Dienstag ins Stocken geraten. Der Leitindex SMI tendiert nach drei festen Börsentagen im Minus. Die Vorgaben aus den USA hatten zunächst noch auf eine festere Eröffnung hingedeutet, schwache Wirtschaftsdaten aus Deutschland liessen jedoch Konjunktursorgen aufkommen und setzten die Aktien unter Druck. Die Nervosität und die Unsicherheiten am Markt bleiben gross. Der Volatilitätsindex VSMI hat sich am Montag zwar deutlich abgeschwächt, tendiert aber immer noch auf hohem Niveau.

Das Wirtschaftswachstum in der Eurozone, und dort insbesondere in Deutschland, hat sich im zweiten Quartal stärker als erwartet abgeschwächt. «Die schwachen BIP-Zahlen zeigen, dass auch Deutschland nicht die wirtschaftliche Insel der Glückseligkeit ist», so ein Händler.

Am Nachmittag richtet sich der Fokus der Anleger auf die Wirtschaftsdaten aus den USA. Erwartet werden Angaben zur Industrieproduktion, zum Häuserbau sowie zu den Import- und Exportpreisen. Aus dem heute stattfindenden Treffen der deutschen Kanzlerin Merkel und dem französischen Präsidenten Sarkozy zur Euro-Krise werden noch keine klaren Statements erwartet.

Bis um 12.15 Uhr grenzte der SMI seine Abgaben dank fester Nestlé-Papiere auf 0,56 Prozent ein und notiert bei 5294,71 Punkten. Das Tagestief lag bei 5243, das -höchst bei 5305. Der 30 Titel umfassende, gekappte Swiss Leader Index (SLI) büsste 1,16 Prozent auf 800,48 Punkte und der breite Gesamtmarkt (SPI) 0,76 Prozent auf 4833,72 Punkte ein.

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Geberit und Clariant deutlich im Minus

Der Euro und der US-Dollar haben sich am Berichtstag zum Franken verglichen mit den Kursen aus dem frühen Geschäft ein wenig zugelegt. Der Euro kostet derzeit 1,1241 Franken, nachdem der Euro-Franken-Kurs am Morgen unter die Marke von 1,12 abgerutscht ist. Der Dollar steht aktuell mit 0,7812 Franken wieder über der Schwelle von 0,78. Am Vortag war jedoch der Euro zeitweise auf über 1,14 und der Dollar bis an die Marke von 0,80 gestiegen.

Im Bluechips-Segment wurden Geberit (-3,5 Prozent) von Clariant (-3,8 Prozent) als grösste Verliererin abgelöst. Der Sanitärtechniker Geberit hat die Anleger vor allem mit Gewinn-Zahlen zum ersten Halbjahr enttäuscht. Die Resultate seien durch den starken Franken negativ geprägt worden, ausserdem hätten höhere Rohmaterialkosten und höhere Ausgaben für das Marketing das Ergebnis belastet, hiess es.

Auf der Verliererseite stehen weitere konjunktursensitive Aktien stark unter Druck. Die Luxusgütertitel der Swatch Group und von Richemont büssen je 3,4 Prozent ein, Kühne + Nagel verlieren nach einer Kurszielreduktion durch die UBS 2,7 Prozent und ABB geben um 3,0 Prozent nach, obwohl am Vorabend neue Aufträge im Gesamtumfang von 200 Millionen US-Dollar aus Asien vermeldet werden konnten.

Roche leicht im Plus

Bei den Finanzwerten verlieren die Papiere der ZFS (-2,6 Prozent), UBS (-2,0 Prozent) oder Julius Bär (-1,7 Prozent) am meisten. Swiss Life stehen am Tag vor dem Halbjahresausweis mit 1,3 Prozent im Minus. Etwas besser schneiden Swiss Re (-0,3 Prozent) und Bâloise (+0,2 Prozent) ab.

Die Pharma-Schwergewichte Roche (+0,2 Prozent) und Novartis (-0,2 Prozent) konnten die Verluste abbauen und notieren uneinheitlich. Im Rahmen einer Sektorstudie hat Goldman Sachs die Kurszielschätzungen für die beiden Pharmawerte gesenkt, die Ratings wurden allerdings auf «Neutral» respektive «Buy» belassen. Nestlé (+1,0 Prozent) drehten deutlich ins Plus und stützen so den Markt. Die Rating-Abstufung durch Exane BNP scheint in den Hintergrund gerückt zu sein.

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Nobel Biocare verlieren mit 0,6 Prozent leicht an Wert. Der Branchennachbar Straumann (-0,7 Prozent) ist im breiten Markt nach einem fulminanten Start mit Kursavancen von phasenweise über 8 Prozent nun in die Verlustzone abgerutscht. Der Dentalimplantatehersteller habe ohne den Abschreiber in Japan eine "sehr solide" Leistung gezeigt, hiess es in Marktkreisen.

Meyer Burger leiden unter Roth & Rau

Eine Reihe weiterer SPI-Unternehmen haben am Dienstag ebenfalls die Zahlen zum ersten Halbjahr ausgewiesen und wie erwartet zumeist unter dem starken Franken gelitten. Die Reaktionen am Markt sind unterschiedlich ausgefallen. Grössere Abgaben verzeichnen Forbo (-2,8 Prozent), Swisslog (-5,3 Prozent), Orascom (-7,5 Prozent) oder die Partizipationsscheine von Schindler (-2,0 Prozent). Auf der Gegenseite gewinnen etwa Orior (+0,4 Prozent), Bank Linth (+0,5 Prozent) oder Schlatter (+4,7 Prozent) nach Zahlen dazu.

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Meyer Burger büssen 5,5 Prozent ein. Der mehrheitlich von Meyer Burger gehaltene Solarzulieferer Roth & Rau ist im ersten Halbjahr mangels Aufträgen und wegen Umsatzverschiebungen wie erwartet noch tiefer in die roten Zahlen gerutscht. Derweil bauen Evolva (+8,6 Prozent) die gestrigen Kursgewinne aus. Das Unternehmen hatte am Montag den Abschluss einer neuen Finanzierungsrunde von bis zu 30 Millionen Franken bekanntgegeben.

(tno/laf/awp)