Der Schweizer Aktienmarkt zeigt sich am Mittag mit sehr fester Tendenz. «Die Hoffnung, dass Europa zum ganz grossen Befreiungsschlag für die verschuldeten Länder ausholt, hat sich breit gemacht», kommentiert ein Marktbeobachter die positive Entwicklung. Die jüngsten Aussagen der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer (G20), die Banken rund um den Globus notfalls mit ausreichend Geld versorgen, zeigt einem weiteren Experten zufolge doch Wirkung.

Zudem sehen Marktteilnehmer «Window-Dressing»-Massnahmen als Kursstütze an. Ende dieser Woche geht das dritte Quartal zu Ende, das viele Fondsmanager dazu nutzen, ihre Portfolios noch einmal umzuschichten. Zudem trübte sich das deutsche Ifo-Geschäftsklima im September weniger als erwartet ein. Der Rückgang sei angesichts des verschlechterten globalen Konjunkturumfelds keine Überraschung, doch die deutschen Fundamentaldaten seien immer noch intakt.

Bis um 11.55 Uhr gewinnt der SMI 2,12 Prozent auf 5410 Punkte. Der 30 Titel umfassende, gekappte Swiss Leader Index (SLI) legt um 2,32 Prozent auf 805 Zähler zu und der Swiss Performance Index (SPI) um 2,03 Prozent auf 4910 Punkte.

Pharma- und Bankentitel legen klar zu

Viele Pluspunkte bescheren die Pharmatiteln dem Standardwerte-Index. Roche (+2,9 Prozent) erzielte in einer Krebsstudie einen Erfolg. Das zur Roche-Gruppe gehörende Pharmaunternehmen Chugai erhielt zudem von der japanischen Gesundheitsbehörde die Zulassung für weitere Anwendungsgebiete.

Auch Novartis legen nach Nachrichten aus der Forschungsabteilung zu (+1,7%Prozent) und das dritte Indexschwergewicht Nestlé (+1,1 Prozent) kann  eine Abstufung durch ING auf «Hold» von «Buy» offensichtlich gut verkraften.

UBS (+ 4,2 Prozent) tendieren nach einer schwachen Eröffnung deutlich fester. Die Marktteilnehmer, die in einer ersten Reaktion negativ auf den Abgang von CEO Oswald Grübel reagierten, schöpften im weiteren Verlauf Hoffnung.

Hintergrund ist ein Bericht, dass führende EU-Funktionäre an einem Plan arbeiten würden, mit dem das Vertrauen in die Gemeinschaftswährung wiederhergestellt werden soll. Teil dieses Plans sei es, die europäischen Banken mit Milliarden Euro zu rekapitalisieren. Julius Bär gewinnen 2,9 Prozent und Credit Suisser 5,8 Prozent.

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Nikkei deutlich im Minus

Auch der Deutsche Aktienindex (Dax) drehte nach einem schwachen Start ins Plus und baute seine Gewinne sukzessive aus. Dank Hoffnungen auf ein Ende der europäischen Schuldenkrise stieg der deutsche Leitindex bis zum Mittag um deutliche 2,35 Prozent auf 5318 Punkte.

Dagegen handelten sich fast alle Börsen in Asien Abschläge von mehr als 2 Prozent ein. Bei den Anlegern verstärkten sich die Befürchtungen, dass die Politiker der Euro-Zone nicht entschlossen genug gegen die Schuldenkrise vorgehen könnten. In Tokio begründeten Händler die Verluste zudem damit, dass der Markt nach dem verlängerten Wochenende nun den starken Einbussen an der Wall Street in der vergangenen Woche folge.

Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index schloss in Tokio 2,2 Prozent im Minus bei 8374 Zählern. Das ist der tiefste Stand seit April 2009. Der breiter gefasste Topix-Index verlor 2,1 Prozent auf 728 Punkte. Mit einem Minus von drei Prozent zeigte der Hongkonger Hang-Seng-Index besonders deutlich nach unten. In Singapur, Taiwan, Südkorea und Shanghai gingen die Börsen ebenfalls auf Talfahrt.

(tno/laf/awp/sda)