Der Schweizer Aktienmarkt zeigt sich am Donnerstagmittag weiter im Plus. Die am Vormittag vorgelegte Lagebeurteilung der Schweizerischen Nationalbank (SNB) und die Entscheidung, die Untergrenze für den Wechselkurs der Euro zum Franken unverändert zu lassen, haben nur kurzfristig für kleinere Kursausschläge gesorgt. Insgesamt könne kaum von einer Erholung gesprochen werden, kommentierte ein Händler: Der Markt trete derzeit eher an Ort. Einige Marktteilnehmer würden zudem noch Positionen abbauen, die sie zum Jahresende nicht in ihren Büchern haben wollten.

Für etwas Optimismus sorgte am Markt die Kapitalaufnahme des Euro-Landes Spanien. Diese war vergleichsweise deutlich überzeichnet, allerdings blieben die Renditen hoch. Zudem hat sich die Stimmung der Einkaufsmanager in der Eurozone überraschend aufgehellt. Unternehmensnachrichten gibt es am Schweizer Markt mehrheitlich bei den kleineren Titeln, dafür sorgen verschiedene Analystenstudien bei diversen Titeln für Bewegung.

Der Leitindex SMI steht um 12.00 Uhr um 0,55 Prozent im Plus bei 5750 Punkten. Der 30 Titel umfassende, gekappte Swiss Leader Index (SLI) gewinnt ebenfalls 0,55 Prozent auf 852 Punkte und der breite Swiss Performance Index (SPI) steigt 0,50 Prozent auf 5177 Punkte.

Finanzwerte als Gewinner

Zu den Gewinnern gehören bis am Mittag die Finanzwerte, wobei Versicherer wie an den anderen europäischen Börsenplätzen besonders gefragt sind. Die deutlichsten Avancen verzeichnen die Titel des Rückversicherers Swiss Re (+2,5 Prozent). Auch ZFS (+1,1 Prozent) stehen im Plus ebenso wie Swiss Life (+1,1 Prozent), die sich damit nach den Kursverlusten im Umfeld des Ausstiegs von AWD-Gründer Carsten Maschmeyer Erholungstendenzen zeigen. Bei den Grossbanken zeigen sich CS (+1,3 Prozent) klar fester als UBS (+0,3 Prozent).

Weiterhin deutlich im Plus stehen auch Adecco (+1,8 Prozent), die von einer Studie der britischen Barclays profitieren. Die Analysten empfehlen darin, angesichts des Wirtschaftszyklus in Aktien von Stellenvermittlungsfirmen einzusteigen. Die Adecco-Aktien sehen sie allerdings als eher teuer bewertet an und bewerten sie mit «Equalweight», während sie die Titel von Konkurrenten wie Hays oder Randstad zum Kauf empfehlen.

Bei den weiteren Zyklikern stehen ABB um 0,3 Prozent fester. Das Goldman Sachs-Aktienresearch hat seine Gewinnschätzungen für den Konzern zwar etwas gesenkt, es belässt aber die Titel auf seiner «Conviction Buy List». Etwas unterdurchschnittliche Avancen verzeichnen auch Holcim (+0,2 Prozent) während SGS (+1,0 Prozent) klar zulegen können.

Gebremst wird der Markt von den schwergewichtigen Nestlé (-0,3 Prozent) während die Pharmawerte zulegen. Novartis (+1,6 Prozent) hat positive Studienergebnisse für das MS-Medikament Gilenya vorgelegt. Roche (+0,8 Prozent) werden von einer Pharmastudie der Deutschen Bank gestützt, in welcher die Analysten die Aktie auf «Buy» von bisher «Hold» heraufstufen.

Swisscom nach Fastweb-Abschreiber im Minus

Swisscom (-0,3 Prozent) notieren nach dem Fastweb-Abschreiber vom Vortag im Minus. Die Analysten von Goldman Sachs haben ihr Kursziel für die Aktien des Telekomkonzerns etwas gesenkt, bleiben aber bei ihrer Beurteilung Neutral. Auch die Experten von Société Générale revidieren nach dem Abschreiber ihre Prognosen und ihr Kursziel nach unten, sie bleiben aber wie ihre Kollegen von BNP Paribas bei der Bewertung «Buy».

Verluste erleiden auch Richemont (-0,3 Prozent), während Swatch (+0,2 Prozent) im Verlauf des Vormittags ins Plus drehen konnten. Die JPMorgan-Experten geben sich in einer Studie für den gesamten Luxusgütersektor zurückhaltend und sehen für die meisten Anlagen in diesem Bereich nur noch wenig Aufwärtspotenzial. Die stärksten Verluste im SLI verbuchen am Mittag Nobel Biocare (-1,0 Prozent) und Logitech (-1,5 Prozent).

(rcv/awp)

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