Die Aktien von Novartis stehen im frühen Geschäft unter Abgabedruck. Zuvor hatte das Unternehmen den Abbruch einer Studie mit dem Blutdrucksenker Rasilez/Tekturna - bekanntgeben müssen - das Medikament sollte zur Behandlung von Hochrisikopatienten mit Diabetes und beeinträchtigter Nierenfunktion dienen.

Die Studie wurde abgebrochen einerseits wegen schädlicher Nebenwirkungen, also Sicherheitsbedenken, andererseits weil Zweifel am Nutzen des Präparats in dieser Indikation bei dieser Patientengruppe aufgekommen waren.

Um 9.45 Uhr verzeichnten Novartis-Titel ein Minus 1,3 Prozent auf 52,10 Franken. Der Gesamtmarkt SMI stand zu dieser Zeit vor allem wegen der Abgaben in Novartis 0,21 Prozent tiefer. Bis 10.25 Uhr erholte sich der Kurs auf ein Minus von 0,66 Prozent und 52,45 Franken.

In Marktkreisen wird die Nachricht kritisch gewürdigt. Allerdings ist bei der Entwicklung des Aktienkurses zu beachten, dass der Titel am Vortag über 1,5 Prozent zugelegt hatte und heute nebst Novartis auch die ebenfalls defensiven Roche und Nestlé schwächer abschneiden als der Gesamtmarkt.

Jimenez: Firmenkäufe im Wert von 2 bis 3 Milliarden möglich

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Das Sentiment für Pharma-Titel werde überdies von einer Gewinnwarnung der britischen Astra Zeneca belastet, hiess es in Börsenkreisen. Das Unternehmen muss wegen verschiedener negativer Studienergebnisse über 380 Millinen US-Dollar abschreiben.

Einen gewissen Einfluss auf den Aktienkurs könnte unter Umständen auch CEO Joe Jimenez haben, welcher der «Basler Zeitung» ein Interview gegeben hatte: Jimenez sieht Firmenkäufe in der Grössenordnung von 2 bis 3 Milliarden Franken pro Jahr im Bereich des Möglichen. Solche Akquisitionen sehe er in den Konzernbereichen Tiergesundheit, nicht rezeptpflichtige Medikamente oder Impfstoffe.

Vontobel reduziert Kursziel

Zum Studienabbruch teilte Novartis am Morgen derweil mit, dass in dem Teil der Studie, in welcher Rasilez/Tekturna zur Standardbehandlung hinzugefügt wurde, sei bei den Hochrisikopatienten nach 18 bis 24 Monaten ein erhöhtes Vorkommen von nicht-tödlichen Schlaganfällen, Nierenkomplikationen, Hyperkalamie und Hypotonie festgestellt worden. Das unabhängige Überwachungskomitee habe somit eine erhöhte Gefahr von schädlichen Nebenwirkungen festgestellt. Zudem sei ein Nutzen der Behandlung zusätzlich zur Einnahme von Standard-Blutdrucksenkern unwahrscheinlich gewesen.

Die Entdeckung dieser Nebenwirkungen nach der siebten Zwischenprüfung komme sehr unerwartet, heisst es in einer Einschätzung der Bank Vontobel. Vontobel hatte für Tekturna einen möglichen Spitzenumsatz von 2,9 Milliarden Dollar geschätzt, wobei dieser Annahme ein Erfolg der Langzeitversuche zu Grunde lag.

Auf den Gewinn je Aktie werde der Studienabbruch allerdings minimalen Einfluss haben, da die kurzfristigen Umsätze mit Tekturna für das Geschäftsjahr 2012 lediglich auf 860 Millionen Dollar geschätzt worden waren. Vontobel bleibt die Einstufung «Buy», reduziert aber das Kursziel um 2 auf 52 Franken.

ZKB: «völlig unerwartet»

Es sehe so aus, als ob Tekturna generell in Kombination mit ACE- und ARB-Hemmern nicht geeignet sei, schreibt die ZKB in ihrer «Daily Market Opinion». Damit dürfte ein sehr grosses Upside-Potential für Tekturna verlorengegangen sein.

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Da dieses Studienergebnis «völlig unerwartet» gekommen sei, könne im umgekehrten Fall ein positiver Ausgang der noch laufenden Studien mit Herz-Patienten bis Ende 2012 noch nicht ganz ausgeschlossen werden.

Derzeit müssten dennoch die Umsatzprognosen für Tekturna nach unten angepasst werden, was allerdings gemessen am Gesamtumsatz von Novartis keine drastische Reduktion sei. Die ZKB sieht indes die Nachricht insgesamt klar negativ.

(tno/awp)