Schweizer Unternehmen waren im ersten Halbjahr 2014 etwa gleich stark an Übernahmen und Fusionen beteiligt wie in der Vorjahresperiode. Allerdings hatten die Transaktionen ein deutlich höheres Volumen. Auch in den kommenden Monaten sollten Fusionen und Übernahmen zunehmen.

Aufgrund der Grösse der Deals zeige sich ein regelrechtes Aufblühen des Marktes, teilte das Beratungsunternehmen KPMG am Dienstag mit. Insgesamt waren Schweizer Unternehmen im ersten Halbjahr an 153 Deals beteiligt. Dabei kam es zu mehreren Transaktionen mit einem Wert von über 1 Milliarden Dollar.

Fusion von Holcim und Lafarge war der dickste Fisch

Mit einem Transaktionsvolumen von 114 Milliarden Dollar übertrifft das erste Halbjahr auch das Rekordhalbjahr 2012 um knapp 23 Milliarden Dollar. Im Vorjahreshalbjahr blieb das Volumen mit 14,9 Milliarden Dollar demgegenüber auf dem tiefsten Niveau seit dem zweiten Halbjahr 2009.

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Dickster Fisch im ersten Halbjahr ist die Fusion der Zementriesen Lafarge und Holcim. Mit einem Volumen von 40 Milliarden Dollar reicht die Transaktion an den Gross-Deal zwischen Glencore und Xstrata heran (42 Milliarden). Die Zementfusion steht für den Trend, Kernkompetenzen zu vereinen und so Synergien zu gewinnen, merkt KPMG an.

Novartis mit Portfoliobereinigung

Einen weiteren Trend orten die Berater in der Portfoliobereinigung, derzeit bei Novartis zu beobachten. Durch den Verkauf von Nebengeschäften schüfen Unternehmen Liquidität, um im richtigen Zeitpunkt ins Kerngeschäft zu investieren.

Wie Übernahmen strategisch begründet sind, zeigt KPMG an Publigroupe auf. Tamedia und Swisscom wollten deren local.ch und Search.ch zur Schweizer Google-Alternative ausbauen. Und Oerlikon habe mit dem Kauf der Oberflächensparte Metco einen Schritt zur Weltmarktführerschaft getan.

Investmentgesellschaften werden wichtiger

Investmentgesellschaften gewannen nach KPMG-Erkenntnissen weiter an Bedeutung. Ein Beispiel dafür sei die Übernahme von Nuance durch den Zollfreihändler Dufry. Hier hätten zwei Investoren das Unternehmen mehrere Jahre entwickelt, stabilisiert und schliesslich erfolgreich verkauft.

Börsenzugänge sind auch wieder attraktiver geworden, Zuversicht und Marktaufschwung geben den Ausschlag.

Neue Märkte für Versicherungen

Bei den Versicherungen überdenken viele wegen den ökonomischen und regulatorischen Veränderungen das Geschäftsmodell. Dafür erschliessen sie sich neue Märkte in Afrika oder im Nahen Osten. Auch rationalisieren sie im Nicht-Kerngeschäft. Dabei seien Übernahmen und Fusionen zentral, schreibt KPMG. Beispiel für diesen Trend seien Investitionen von Swiss Re in Brasilien, Kolumbien und China.

Den Finanzmarkt sieht KPMG derzeit durch das Warten verschiedener Banken auf einen US-Entscheid im Steuerstreit etwas gebremst. Sobald die Entscheide vorlägen, dürfte das Übernahme- und Fusionskarussell aber Fahrt aufnehmen.

(sda/gku)