Der Schweizer Aktienmarkt hat über Tagestief schwächer geschlossen. Im späteren Handelsverlauf hatten gemäss Händlern unerwartet schwache US-Konjunkturdaten Abgaben ausgelöst. Auch die übrigen, wichtigen europäischen Handelsplätze schlossen in ähnlichem Umfang tiefer. Bereits zuvor sorgte eine technische Reaktion und eine gewisse Zurückhaltung vor dem für viele Marktteilnehmer langen Auffahrtswochenende für kleinere Abgaben.

Zwar spreche die vorhandene Liquidität für weiter steigende Kurse, doch würden auch die Schuldenkrise in der Eurozone und Befürchtungen über ein schwächeres Wirtschaftswachstum in den USA generell belasten, hiess es weiter. Diese Konjunkturbefürchtungen seien infolge unerwartet schwacher ADP-Arbeitsmarktdaten und vor allem eines deutlich unter den Erwartungen ausgefallenen ISM-Einkaufsmangerindex nun weiter genährt worden.

Der Schweizer Leitindex SMI verlor um 0,89 Prozent auf 6496,47 Punkte (Tagestief: 6481). Der 30 Titel umfassende Swiss Leader Index (SLI) sank um 0,87 Prozent auf 1013,35 und der breite Swiss Performance Index (SPI) um 0,75 Prozent auf 5977,84 Punkte.

Den SMI belasteten vor allem die im Index stark gewichteten Pharmatitel Novartis (-1,7 Prozent) und Roche (-1,1 Prozent). Am Vortag hatten die Titel allerdings 1,7 bzw. 2,0 Prozent zugelegt und auch in den Vorwochen dazugewonnen. Dabei wurden Neuigkeiten von Novartis zum bevorstehenden Krebskongress ASCO von der Analystengilde positiv beurteilt. Und auch Roche wird mit zahlreichen neuen Studiendaten stark präsent sein. Gut gehalten zeigten sich demgegenüber Actelion (+0,2 Prozent). Die Schwergewichte Nestlé (-0,2 Prozent) zeigten sich ebenfalls widerstandsfähiger.

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Zyklische Valoren standen infolge der US-Daten ebenfalls etwas stärker unter Druck. Allen voran gaben Adecco (-3,0 Prozent), Transocean (-1,9 Prozent), Weatherford (-1,6 Prozent), ABB (-1,4 Prozent), SGS (-1,4 Prozent), Holcim (-1,3 Prozent) und Geberit (-1,2 Prozent) nach.

Banktitel waren ebenfalls unter den grösseren Verlierern zu finden. Julius Bär (-1,9 Prozent) verbilligten sich deutlich. CS (-0,9 Prozent) gaben nach, während UBS (+0,2 Prozent) zulegten.

Bei den Assekuranzwerten verloren ZFS (-1,2 Prozent) und Swiss Life (-0,8 Prozent) etwas stärker. Swiss Re (-0,6 Prozent) hat in Grossbritannien eine neue sogenannte Admin-Re-Transaktion abgeschlossen. Der Rückversicherer erwarb von der American Life Insurance rund 300'000 Lebensversicherungspolicen mit einem Gesamtvermögenswert von rund 1,6 Milliarden GBP. Mit solchen Deals können Lebensversicherungsgesellschaften Kapital aus bestehendem Geschäft freisetzen. Swiss Re sichert sich auf diese Weise eine diversifizierte Einkommensquelle.

Auf der Gegenseite verbuchten Logitech (+3,5 Prozent) die grössten Aufschläge unter den Bluechips. Händler führten die Avancen auf Deckungskäufe in den zuletzt von den Anlegern abgestraften Valoren zurück, die bereits am Vortag eingesetzt hatten. Die Titel seien für eine Korrektur überfällig gewesen, hiess es. Zudem sei der in den USA gemeldete Kauf von rund 20'000 Aktien durch den Logitech-CEO als Vertrauenserklärung in das Unternehmen interpretiert worden.

Grössere Gewinne erzielten noch Sonova (+2,1 Prozent auf 91,60 Franken). Die Titel des Hörsystem-Herstellers würden von einer Heraufstufung auf "Outperform" durch Cheuvreux mit einem Kursziel von 105 Franken profitieren, so Händler. Daneben schlossen - neben den erwähnten UBS und Actelion - noch Synthes (+0,1 Prozent) im Plus.

Im breiten Markt hat OC Oerlikon (Aktie +1,3 Prozent) den lange erwarteten, ersten Auftrag für eine komplette ThinFab-Produktionslinie zur Fertigung von Dünnschichtsilizium-Modulen erhalten, und zwar aus Asien. Oerlikon-CEO Michael Buscher bezifferte die Auftragshöhe gegenüber AWP auf "etwas über 100 Millionen Euro". Der Break-even sei im laufenden Geschäftsjahr für die Solarsparte erreichbar und weitere Aufträge seien in Sicht, so der CEO.

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Meyer Burger gewannen 0,6 Prozent. CEO Peter Pauli bekräftigte gegenüber der "Finanz und Wirtschaft" die Absicht, das Kaufangebot für den deutschen Konkurrenten Roth & Rau nicht zu erhöhen. ADB (-0,5 Prozent) verloren trotz eines neuen Auftrages aus Ungarn schliesslich noch an Terrain.

Gurit (-3,1 Prozent auf 620 Franken) litten unter einer Herabstufung durch die UBS. Die Analysten hatten das Rating auf "Sell" ("Neutral") gesenkt und das Kursziel auf 600 (650) Franken reduziert, vor dem Hintergrund eines schwierigen Marktumfelds in der Windenergiebranche und des starken Frankens.

Die prozentual grössten Einbussen verbuchten im Gesamtmarkt Global Natural (-10,6 Prozent). Die deutlichsten Gewinne erzielten Datacolor (+6,2 Prozent).

(laf/awp)