Bei Pimco brennt die Hütte. Verantwortlich dafür ist Bill Gross, Starinvestor und Gründer des legendären US-Fondhauses im idyllischen Newport Beach in Kalifornien. Gross wird in Amerika schlicht «König der Anleihen» genannt – weil er über den weltgrössten Anlagefonds der Welt herrscht. Anlagevolumen: rund 2000 Milliarden Dollar.

Damit spielt die Tocher der deutschen Allianz-Gruppe in einer Liga für sich. Anlageentscheide des Anleihenriesen beeinflussen nicht selten die weltweiten Finanzmärkte. Viele Jahre gehört der Pimco Total Return bereits zu den erfolgreichsten Anleihefonds der Welt.

Bill Gross hatte sich verkalkuliert

Doch seit einigen Monaten verliert das Image von Gross und Pimco an Glanz. Der Sinkflug begann im verhexten Jahr 2013. Der Pimco-Anlagefonds erlitt den höchsten Verlust seit 1994. Das Minus betrug rund zwei Prozent. Grund für den Verlust waren Fehlspekulationen mit US-Staatsanleihen. Gross hatte sich verkalkuliert. Der Verlust nagte am Vertrauen der Investoren. Sie begannen, ihr Vermögen abzuziehen.

Die Turbulenzen in der Chefetage nahmen zu: Anfang Jahr kündigte der prominente Fonds-Manager und Pimco-Chef Mohamed El-Erian seinen Rückzug aus der Fondsgesellschaft auf Mitte März an. Bei den Investoren sorgte das für zusätzliche Unruhe: Im Januar 2014 brachen zusätzliche 3,5 Milliarden Dollar weg. Es war der neunte Monat in Folge, in dem Pimco Geldabflüsse zu verkraften hatte. 

Gross gegen Mohamed El-Erian

Lange blieben die Gründe für El-Erians Abtreten im Dunkeln. Wie das «Wall Street Journal» kürzlich schrieb, sei dem Schritt ein heftiger Streit mit Bill Gross zu einem vorangegangen – der letztlich zum Zerwürfnis zwischen den beiden Gallionsfiguren führte. Laut dem US-Blatt habe Gross El-Erian mangelnde Anlagekompetenz vorgeworfen. Schliesslich seien eines Morgens im Juni im vollbesetzen Pimco-Büro die Fetzen geflogen: «Ich bin es leid, deine Scheisse aufzuwischen», soll der sonst so besonnene El-Erian Gross an den Kopf geworfen haben. 

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Mit dem Artikel im «Wall Street Journal», der Gross zudem als Eigenbrötler und schwierige Persönlichkeit darstellt, erhält der Streit nun eine neue Eskalationsstufe. Gross zeigt sich ob der Berichts wütend – und paranoid.  Gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters sagte er: «Ich bin so verärgert darüber, dass Mohamed versucht hat, meine Stellung zu untergraben.» Er habe zudem Beweise, dass El-Erian den Text geschrieben habe. «Sie sind auf seiner Seite», sagte er zu Reuters. «Grossartig, jetzt hat er sie auch um seinen charmanten rechten Finger gewickelt.» Zudem suggerierte Gross, El-Erians Telefonate überwacht zu haben.

Gross nun alleine an der Spitze von Pimco

Ein Sprecher von Pimco wies später die Aussagen von Gross in einem E-Mail zurück, schreibt der «Business Insider». Auch seien die Telefonate nicht abgehört worden. Allerdings bestätigte der Sprecher, dass das Unternehmen die Telefongespräche der Mitarbeiter aufnehme.

Was auch immer gesagt und getan wurde – Tatsache ist, dass Gross nun allein an der Spitze von Pimco steht. Das könnte dem Anlagefonds weitere Probleme bescheren. Und damit jenen Anlegern und Sparern, die ihr Geld dem Fondshaus anvertraut haben. Dazu gehören auch Millionen Kunden der deutschen Pimco-Mutter Allianz.

Fatale Anlageentscheide wegen Ignoranz

Gross selbst dürfte in Zukunft in erster Linie auf sich selbst hören und unbeirrt weiter machen wie bisher. Seine fatalen Anlageentscheide im letzten Jahr sind offenbar vergessen. Doch Grössenwahn und Überheblichkeit scheinen sich bei ihm zu vereinen: Insider beschreiben den Investor als exzentrisch, schreibt die «Frankfurter Allgemeine Zeitung». Er habe es nicht gerne, wenn seine Mitarbeiter ihm in die Augen schauen.

In Strategiebesprechungen gebe er keinen Deut auf die Meinungen anderer Fondsmanager. Laut der deutschen Zeitung soll er vor einiger Zeit gesagt haben: «Wenn Mohamed mich lassen würde, könnte ich die ganzen zwei Billionen Dollar selbst verantworten. Ich bin 'Secretariat'». Das ist der Name des besten amerikanischen Rennpferdes aller Zeiten.