Am 9. Juli war die Welt für die Aktionäre von AMS noch in Ordnung. An ihrer Generalversammlung stimmten sie einem Aktienrückkaufprogramm zu - und hofften auf weitere Kursgewinne des Börsen-Highflyers. Denn kauft eine Firma eigene Titel auf, wirkt sich das in der Regel positiv auf die Notierung aus. Wegen der kleineren Anzahl ausstehender Titel steigt der Gewinn pro Aktie - und damit auch der Aktienkurs.

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Umso grösser war die Ernüchterung, als am folgenden Tag der Titel um 20 Prozent in die Tiefe rauschte. Die Anlegerzeitung «Finanz und Wirtschaft» vermeldete, dass AMS einen wichtigen Auftrag von Apple verlieren könnte. Das wiederum hätte massive Auswirkungen auf den Jahresgewinn. Nachdem die Aktie seit Januar um über 60 Prozent zugelegt hatte, zogen die Anleger vor, Gewinne mitzunehmen.

AMS ist kein Einzelfall

AMS ist kein Einzelfall. Auch die Aktionäre von Burckhardt Compression mussten kürzlich einen Rückschlag hinnehmen. Das Unternehmen präsentierte zwar solide Zahlen, enttäuschte aber die Erwartungen mit dem Geschäftsausblick. Das Ergebnis: Die Aktie fiel um 10 Prozent. Ein solches Schicksal könnte in den kommenden Wochen noch anderen Schweizer Aktien drohen. Unter den Kandidaten für Kurskorrekturen sind unter anderem die SMI-Titel Actelion und Geberit (siehe Bildergalerie).

Seit über sechs Jahren dauert die Aktienhausse an. Diese positive Börsenphase hat auch hierzulande Aktien auf ein so hohes Bewertungsniveau hinaufgetrieben, dass die kleinste Enttäuschung bei den bevorstehenden Halbjahreszahlen zu einer deutlichen Preiskorrektur führen könnte.

Vor allem der anhaltend starke Franken könnte sich im zweiten Quartal des laufenden Jahres deutlich stärker auf die Ergebnisse der Schweizer Unternehmen ausgewirkt haben als noch im ersten Trimester. Da gleichzeitig die Analysten zuletzt ihre Gewinnprognosen nach oben revidiert haben, könnten die Anleger gleich doppelt auf dem falschen Fuss erwischt werden.

Der nächste Knaller an der Börse

Den Start zur Halbjahres-Berichtssaison macht traditionsgemäss EMS-Chemie. Am 10. Juli gibt das Bündner Spezialchemie-Unternehmen Einblick in die Geschäftszahlen - und könnte gleich für den nächsten Knaller an der Börse sorgen. Nach jahrelangem Aufwärtskurs ist der Titel auf 12-Monats-Sicht mit dem 27-Fachen des Gewinns bewertet - eine stolze Zahl. Übertrifft EMS-Chefin Magdalena Martullo nicht auch dieses Mal die Erwartungen der Analysten, droht der Aktie ein spürbarer Rücksetzer.

Umso mehr, als der Titel bereits in den vergangenen Monaten die Rolle des Anlegerlieblings abgeben musste. Seit Januar 2015 hat die EMS-Aktie gut um 3 Prozent eingebüsst - nach einem Plus von 44 Prozent im Jahr 2013 und 26 Prozent im Vorjahr. Aber auch andere Unternehmen stehen zwischen Mitte Juli und Ende August unter Druck, sowohl mit den Ergebnissen wie auch mit dem Jahresausblick zu überzeugen.

Suche nach Kaufkandidaten

Zu den absturzgefährdeten Titeln gehören auch jene von Leonteq (Halbjahreszahlen am 23. Juli) und Lindt & Sprüngli (18. August). Beide Aktien gehören zu jenen mit dem höchsten Kurs-Gewinn-Verhältnis an der Schweizer Börse. Der Finanzdienstleister Leonteq muss diese hohe Bewertung mit einem entsprechenden Gewinnwachstum quittieren, der Premium-Schokoladehersteller mit einem erneut höheren Umsatz und Gewinn bestätigen. Halten beide Unternehmen ihre bisherige Pace durch, werden die Aktionäre fürs Erste aufatmen können.

Anleger sind deshalb gut beraten, vor der Berichtssaison überdurchschnittlich bewertete Aktien zu meiden. Denn gerade solche Rücksetzer wie bei AMS und Burckhardt Compression bieten den geduldigen Investoren, die gegen den Strom schwimmen wollen, exzellente Kaufgelegenheiten. Mit Betonung auf «geduldig». Denn oft erholen sich die gebeutelten Titel nicht unmittelbar nach dem grossen Kurssturz. Erst wenn die Anlegergemeinde wieder den Mut zum Einstieg gefasst hat, ist die Grundlage für erneute Kursgewinne gegeben.