Nokia ist Marktführer bei Mobiltelefonen. Das ist die gute Nachricht. Die schlechte: Wer kauft denn heute noch ein traditionelles Natel, wenn er – meist zum gleichen Preis – ein Smartphone bekommen kann? Laut Marktforschungsunternehmen Gartner werden einfache Handys zum Auslaufmodell. Im Jahr 2015 wird der Smartphone-Anteil am Gesamtmarkt in Westeuropa bei 95 Prozent liegen, global betrachtet dürften es immerhin 50 Prozent sein. Samsung und Apple haben die Toppositionen in diesem Segment besetzt, Unternehmen wie die taiwanesische HTC sind ihnen aber auf den Fersen.

Auch der Markt der Betriebssysteme ist klar aufgeteilt. Roberta Cozza von Gartner: «Android wird der dominierende Player im Smartphone-Markt bleiben.» Die offene Plattform Android (unter der Ägide von Google entwickelt) hat weltweit inzwischen bereits einen Marktanteil von 52,5 Prozent. Die Nummer 2 ist Symbian von Nokia – allerdings haben die Finnen die Weiterentwicklung inzwischen eingestellt.

Apple könnte mit dem leistungsgesteigerten iPhone 4S und dem inzwischen günstigen 3GS den Anteil seines Systems iOS steigern. PalmOS ist mit der Übernahme des Herstellers durch Hewlett-Packard im Orkus verschwunden. Und Research-in-Motion, Produzent der Blackberrys, will mit dem neuen Betriebssystem BBX gegen den Untergang ankämpfen.

Windows in der Newcomer-Rolle

Bleibt Newcomer Windows Phone 7 – immerhin getrieben durch die Marktmacht von Microsoft und die Erfahrung von Nokia. Das Problem: Je länger ein Nutzer sich an ein System gewöhnt hat und je mehr er die Verwebung mit Web-Diensten (Stichwort: Cloud) in Anspruch nimmt, desto eher ist er für Anbieter anderer Plattformen verloren. Analystin Cozza meint denn auch, Windows Phone werde erst in der zweiten Hälfte auf einer breiteren Palette von Endgeräten laufen. Da klingt es wie Pfeifen im dunklen Wald, wenn Nokias Nordeuropa-Managerin Hanna Sievinen sagt: «Es ist absolut klar, dass wir mit dem Nokia Lumia 800 (neues Windows-Mobiltelefon von Nokia, siehe Foto; Anmerkung der Redaktion) heutige Nutzer von Android und iPhone im Visier haben.»

Tatsächlich aber droht Nokia eher, endgültig den Anschluss zur Spitze zu verlieren. Eine Studie der Unternehmensberatung Booz&Company etwa zeigt, dass Nokia einerseits in Sachen Innovations-Budget nachlässt (2009: Rang 3, 2010: Platz 8), aber andererseits trotz den gegenüber Apple um mehr als 300 Prozent höheren Ausgaben für Forschung und Entwicklung dem Konzern aus Cupertino den Vortritt lassen muss. «Erfolgreiche Neuentwicklungen lassen sich nicht durch massive F&E-Investitionen erzwingen», meint Klaus-Peter Gushurst aus der Booz&Company-Geschäftsführung.

Margen vor Marktanteilen

Doch Marktanteile allein nützen nichts, wenn die Margen nicht stimmen. Mike Walkley vom US-Finanzdienstleister Canaccord Genuity hat die Gewinnspannen der gängigsten Mobiltelefone untersucht. Sein Fazit: Apple liegt mit einem Gewinn von rund 35 Prozent klar an der Spitze – allerdings hatte die Marge im Vorjahr noch bei üppigen 57 Prozent gelegen. Auf Platz 2 Samsung mit 17 Prozent, gefolgt von HTC mit 15 Prozent. Zum Vergleich: Nokia erwirtschaftet an jedem verkauften Gerät gerade vier Prozent, Motorola liegt bei null Prozent, LG sogar im Minusbereich.

Für Anleger interessant ist denn auch vor allem HTC, die nicht nur profitabel arbeitet, sondern auf Jahressicht auch den Umsatz um 115 Prozent gesteigert hat. Noch besser ist in diesem Segment nur Samsung Electronics (plus 223 Prozent), die allerdings eine deutlich breitere Produktpalette aufweist. Apple erscheint Stocks weitgehend ausgereizt.

Kennzahlen Apple (jpg)

Kennzahlen HTC (jpg)

Kennzahlen Nokia (jpg)

 

ETFS: Breit streuen

Anleger, die nicht so gern auf Einzelaktien setzen möchten, greifen am besten zu einem Exchange Traded Fund (ETF). Nokia ist mit einem Anteil von fast 15 Prozent die drittgrösste Position im ComStage ETF Stoxx Europe 600 Technology (Valor 4 561 599). Mit jährlichen Gebühren von maximal 0,25 Prozent sind die laufenden Kosten überschaubar; allerdings hat das Produkt im laufenden Jahr mehr als 13 Prozent seines Wertes verloren. Besser sieht es beim SPDR MSCI Europe Information Technology (1 214 169) aus, der vor allem auf Software-Hersteller wie SAP setzt. Mit insgesamt 27 Prozent Anteil am Gesamtportfolio befinden sich die Telekommunikations-Spezialisten Ericsson und Nokia auf den Plätzen. Seit Januar liegt das Produkt mit knapp drei Prozent im Minus, die Gebühren betragen 0,3 Prozent.

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