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Ausblick
Wieso die SNB 2016 nicht der US-Notenbank folgt

Schweizerische Nationalbank: Ihr Handeln 2016 hängt stark von der EZB ab.   Keystone

In einer fünfteiligen Serie blickt handelszeitung.ch auf 2016. Für die Schweizerische Nationalbank folgt ein weiteres schwieriges Jahr. Der Schweizer Franken dürfte nur moderat schwächer werden.

Von Andrea Marthaler und Mathias Ohanian
am 22.12.2015

Die US-Notenbank Fed hat an ihrer kürzlichen Zinssitzung Mitte Dezember die Zinswende eingeläutet. Zwar wurde der Leitzins nur um 0,25 Prozent erhöht und weitere Zinsschritte sollen behutsam erfolgen, doch ist dies die erste Zinsanhebung seit der Finanzkrise 2008 und damit ein wichtiges Signal.

Diesem Schritt in den USA wird die Schweizerische Nationalbank (SNB) aber nicht folgen und den Negativzins 2016 beibehalten. Denn die SNB ist in ihrer Zinspolitik massgeblich von der Europäischen Zentralbank (EZB) abhängig und nicht von jener der US-Notenbank. Die EZB hat erst kürzlich betont, an der lockeren Geldpolitik festzuhalten, solange dies nötig ist. Die europäische Wirtschaft ist auf die Konjunkturspritze nach wie vor angewiesen.

Fed-Entscheid stärkt den Dollar

Trotzdem hat die US-Zinswende bedeutende Vorteile für die SNB: Sie stärkt den US-Dollar, was wiederum Druck vom Franken nimmt. «Da damit der Sicherer-Hafen-Faktor für die Schweizer Währung weiter an Bedeutung verliert, dürfte sich der Handlungsdruck für die SNB nicht wieder erhöhen», schreibt Martin Neff, Chefökonom der Raiffeisen-Bank.

So dürften 2016 keine weiteren Massnahmen seitens der SNB nötig sein. «Sofern die EZB ihre Geldpolitik in den kommenden Monaten nicht deutlich weiter lockert, wird die SNB ihren Zins belassen», schreibt denn auch die Credit Suisse. Zwar hat die EZB den Einlagenzinssatz zuletzt weiter leicht gesenkt und die Anleihenkäufe verlängert, jedoch in deutlich kleinerem Rahmen als von den Experten erwartet wurde.

Franken weiter deutlich überbewertet

Auch wenn die SNB derzeit kein Handlungsbedarf sieht, ist der Schweizer Franken nach wie vor deutlich überbewertet. Dies bestätigte SNB-Präsident Thomas Jordan bei der geldpolitischen Lagebeurteilung Anfang Dezember. Zwar konnte sich der Euro-Franken-Kurs seit den Tiefständen nach der Aufhebung des Euro-Mindestkurses am 15. Januar etwas erholen, doch ist er noch immer deutlich von der damaligen Zielmarke von 1.20 Franken entfernt.

2016 ist nicht mit einem deutlich schwächeren Franken zu rechnen. Die SNB habe mit ihrer Entscheidung vom 10. Dezember, am Status Quo festzuhalten, «eine Gelegenheit verpasst, um ihre Bereitschaft zu demonstrieren, den Franken auf längere Sicht abzuschwächen», schreibt die Credit Suisse. Etwas Erholung dürfte aber drin liegen.

«Die Bestätigung des nachhaltigen Erholungskurses in der Eurozone sollte den Euro gegenüber dem Franken im Verlauf des nächsten Jahres moderat steigen lassen», so Raiffeisen-Ökonom Neff. Auch gegenüber dem Dollar dürfte 2016 noch etwas drin liegen. In Erwartung der US-Zinswende war der Dollar zuvor bereits über Parität gestiegen, was mittelfristig durchaus wieder möglich sein sollte.

Preisniveau bleibt tief

Vom starken Franken profitieren nicht zuletzt die Konsumenten. Für 2016 sei Deflation aber kein Thema mehr, so die Experten von Raiffeisen: «Der starke Rückgang der Konsumentenpreise im Jahr 2015 sollte sich im kommenden Jahr nicht fortsetzen.» Dennoch bleibt der Preisdruck bestehen. Insbesondere der tiefe Ölpreis, der langsam auch Auswirkungen auf den Treibstoff zeigt, dürfte die Konsumentenpreise tief halten.

Lesen Sie hier den ersten Teil der Serie zum Thema Konjunktur.

Lesen Sie hier den zweiten Teil der Serie zum Thema Aktien Schweiz.

Lesen Sie hier den dritten Teil der Serie zum Thema Gold.

Lesen Sie hier den vierten Teil der Serie zum Thema Öl.

 

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