Auf einen einfachen Nenner gebracht: Wie geht es der Schweizer Bankbranche?
Andreas Brun:
Die Schweizer Bankbranche lässt sich nicht auf einen Nenner bringen. Die Retailbanken werden im laufenden Jahr von der weiter rückläufigen Zinsmarge weiter stark negativ beeinflusst. Trotz anhaltender Abflüsse von Offshore-Vermögen können die Vermögensverwalter dank gestiegener Kundenaktivität ihre Margen und damit die Erträge momentan wieder stark steigern. Die Investmentbanken profitieren ebenfalls von den gesteigerten Kundenaktivitäten. Zudem war das Vorjahr durch die Euro-Krise belastet worden.

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Nach den Zahlen von Julius Bär und UBS scheint es so, als ob die Kunden wieder mehr Vertrauen in die Grossbanken setzen. Täuscht der Eindruck?
Andreas Venditti: Im ersten Halbjahr 2013 haben sich die Kundenaktivitäten von einem sehr tiefen Niveau aus erhöht – das hat verschiedene Geschäftsbereiche der Banken begünstigt.

Die UBS hat mit den vorzeitig veröffentlichten Zahlen die Messlasste hoch angesetzt. Welche konkreten Erwartungen haben Sie an das CS-Ergebnis vom Donnerstag?
Andreas Venditti: Wir gehen für das zweite Quartal von einem Reingewinn von 960 Milionen Franken aus – das wäre ein Plus von 21,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im Investment Banking erwarten wir aus saisonalen Gründen und aufgrund der Marktturbulenzen im Juni tiefere Erträge als im starken ersten Quartal. Angesichts der guten Ergebnisse von UBS und Julius Bär dürften die CS-Schätzungen wohl zu tief sein. Der Investorenfokus wird ohnehin auf dem Ausblick des Managements für das zweite Halbjahr liegen. 

Inwieweit rechnen Sie damit, dass die UBS kommende Woche noch Neues vermelden wird?
Andreas Venditti: Die wichtigsten Eckwerte des zweiten Quartals liegen auf dem Tisch. Nächste Woche wird aber spannend zu sehen sein, aus welchen Sparten das deutlich besser als erwartete operative Ergebnis stammt.

Unter dem Strich: Als Anleger nun UBS oder CS favorisieren?
Andreas Venditti: Seit der Ankündigung der strategischen Neuausrichtung vom Oktober 2012 bevorzugen wir die Aktien der UBS – insbesondere auch aufgrund der Redimensionierung der Investmentbank, die sich mittelfristig positiv auf die Bewertung der UBS-Aktien auswirken wird. 

Und bei den Aktien aus der zweiten und dritten Reihe?
Andreas Brun:
Die VZ Holding ist unseres Erachtens momentan operativ sehr gut aufgestellt. Die Bank hat aufgrund ihrer Ausrichtung auf die Schweiz weder Abflüsse von Offshore-Kunden zu beklagen noch ist sie von der US-Steuerproblematik betroffen. Zudem führt die gestiegene Zuversicht der Investoren dazu, dass sich die Kunden aus der gut gefüllten Beratungsmandatspipeline leichter in die Vermögensverwaltung überführen lassen. Entsprechend erwarten wir einen rekordhohen Nettoneugeldzufluss im 1. Halbjahr 2013. Da ein Grossteil davon in Vermögensverwaltungsmandaten angelegt wird, steigt der Ertrag überproportional.

Sie haben das Stichwort US-Steuerproblematik genannt. Eine Bank, die darin verwickelt ist, ist die St. Galler Kantonalbank.
Andreas Brun:
Durch den Teilverkauf des grenzüberschreitenden Vermögensverwaltungsgeschäfts vollzieht die SGKB momentan eine fundamentale Strategieanpassung, die für eine Kantonalbank von dieser Grössesinnvoll ist. Durch die Reduktion des Geschäftsrisikos und den erwarteten, starken Anstieg der Kapitalquote sollte sich der relative Bewertungsabschlag gegenüber der Vergleichsgruppe zukünftig stark vermindern, was weiteres Aufwärtspotential impliziert. Das Überschusskapital dürfte ausserdem genügen, um eine etwaige Busse oder eine Erhöhung des Kapitalpuffers ohne zusätzliche Kapitalmassnahmen absorbieren zu können.

Bleibt noch die Konkurrenz im «virtuellen» Raum – sprich Online-Banking.
Andreas Brun: Bei Swissquote sollten sich die operativen Ertragstreiber im zweiten Quartal von ihren Tiefständen 2012 weiter erholt haben. Die steigende Zuversicht der Swissquote-Kunden sollte infolge einer Zunahme der Anzahl Transaktionen zu einer Erholung des Ertrages führen. Auch der Devisenhandel, der zweite wichtige Ertragstreiber, sollte sich gegenüber dem dem Vorquartal wegen der gestiegenen FX-Volatilität, höheren Wertschriftentransaktionen in Fremdwährungen und einer Volumenzunahme aus den wiedergewonnenen Werbemöglichkeiten in Europa erholen.