iShares ist in der Schweiz ebenso wie weltweit Marktführer bei börsenkotierten Investmentfonds – sogenannten Exchange Traded Funds oder kurz ETF). Die Tochter des weltgrössten Vermögensverwalters BlackRock übernahm dieses Jahr die ETF-Sparte der Credit Suisse mit einem Anlagevolumen von etwa 17 Milliarden Franken. 

Christian Gast leitet das Team von iShares hierzulande seit 2010. Mit ETF verkauft er eine Kategorie von Anlageprodukten, die weltweit immer mehr an Popularität gewinnt. In den USA gehen bereits regelmässig über 20 Prozent der Börsentransaktionen auf das Konto dieser Vehikel. Im Juni erlitten die Anbieter allerdings einen Dämpfer – erstmals in diesem Jahr gingen Investitionen in ETF zurück.

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Ist der Rückgang im Juni ein Zeichen dafür, dass sich die Anleger von ETF abwenden?
Christian Gast:
Die Abflüsse im Juni haben sogar uns etwas nervös gemacht, das stimmt. Doch schon in den ersten zwei Juliwochen hat sich dieser Trend wieder umgekehrt. Verloren haben unter dem Strich vor allem synthetischen ETF, die einen Index mit Hilfe von Derivaten verfolgen. Davon profitiert haben im Gegenzug physisch replizierende Vehikel, welche einen Großteil oder alle Aktien oder Anleihen im Portfolio halten, aus welchem sich auch der dem ETF zugrundliegende Index zusammensetzt.

Woher kommt das Misstrauen der Investoren?
Ganz klar aus dem gestiegenen Sicherheitsbedürfnis der Investoren. Sie wollen so genau wie möglich wissen, was in einem Produkt steckt. Dieser Wunsch lässt sich mit einem physisch replizierenden Fonds am besten erfüllen.

Ist das Misstrauen gegenüber Derivaten gerechtfertigt?
Wenn die Investoren ein Produkt nicht verstehen, werden sie misstrauisch. Genau das ist bei Derivaten passiert. Sie sind besonders erklärungsbedürftig.

Nun haben die Investoren im Juli wieder etwas Vertrauen gefasst: Wohin ist das Geld konkret geflossen?
Sehr stark in die entwickelten Märkte. Unsere Produkte auf den S&P-500, währungsbesichert auf Japan sowie auf den Dax haben im Juli bereits signifikant gewonnen. Auch im Hochzinsbereich kommen die Anleger wieder zurück, nachdem US-Notenbankchef Ben Bernanke seine Aussagen vom Mai über ein Ende der tiefen Zinsen wieder etwas korrigiert hat. Verloren haben dagegen weiter Anlagen in Schwellenländer und Gold.

Ist die Abkehr von diesen Märkten richtig?
Eigentlich standen wir den Schwellenländern lange Zeit positiv gegenüber. Jetzt sehen wir in diesem Bereich nur noch selektiv Möglichkeiten. Südkorea, Taiwan bieten noch Chancen…

… sind aber eigentlich schon fast keine Schwellenländer mehr.
Genau. Unsere Prognose zu China ist dagegen eher negativ.

Die Geschehnisse der letzten Wochen – die widersprüchlichen Ankündigungen des Fed, das verlangsamte Wachstum in China – haben viele Anleger verunsichert. Worauf müssen sich diese einstellen?
Grundsätzlich gehen wir davon aus, dass die Zinswende noch für mindestens drei Jahre nicht kommt. Daher ist eigentlich auch keine Absicherung dagegen notwendig. Man kann sich aber natürlich trotzdem dafür positionieren.

Wie?
Zum Beispiel, indem man dividendenstarke Titel ins Portfolio aufnimmt.

Konkret?
In der Schweiz wären Zurich, Swisscom, Swiss Prime Site oder Baloise Beispiele. Diese Unternehmen sind auch im «Stoxx Europe Select Dividend» enthalten, einem Index, auf den wir einen ETF anbieten. Am Schweizer Markt ist dieser allerdings noch nicht erhältlich.

Nun kommt die Zinswende nicht, die Angst vor derselben lässt die Märkte aber immer wieder verrückt spielen…
… weshalb man sich natürlich auch gegen Volatilität absichern kann. Produkte in diesem Bereich nehmen so viel von diesem Risiko raus, wie möglich – ein risikoloses Investment gibt es aber nicht.

Was ist ihre persönliche Präferenz als Investor?
Ich würde momentan – wie übrigens auch unser Konzernchef Larry Fink – auf dividendenstarke Titel gehen.

Unter den neusten ETF von iShares sind auch drei, die auf Rohstoffen basieren: Öl, Agrarindustrie und Gold. Ist derzeit ein guter Zeitpunkt für solche Investments?
Man kann Produkte nicht komplett auf Markterwartungen abstimmen, dafür ist die Zeit bis zur Kotierung zu lang. Das ist übrigens auch nicht die Absicht. Natürlich konsultieren wir aber unsere Investoren und fragen, ob bestimmte Produkte für sie Sinn machen.

Was sind denn ihre persönlichen Erwartungen an diese Branchen?
Nun, ganz persönlich glaube ich mittelfristig an den Agrarbereich. Ein solches Investment finde ich deshalb sicher attraktiv.

Warum, was sind die Erwartungen?
Aufgrund der globalen Nachfrage ist das ein langfristiger Trend, da spielt auch die demographische Entwicklung mit hinein.

Zu Beginn des Gesprächs haben Sie Kosten als wichtigen Faktor bei ETF erwähnt. Wie wichtig ist Preisführerschaft?
Die Frage ist, was die eigentlichen Kosten sind. Auf der einen Seite ist da die Total Expense Ratio (TER). Wir sind hier nicht unbedingt bei den Günstigsten, glauben aber, dass wir uns auf andere Weise differenzieren können. So arbeiten wir mit einer grossen Zahl an Anbietern zusammen, die, Liquidität zur Verfügung stellen  und die für möglichst enge Preisspannen, sogenannte Spreads, sorgen. Gebühren, für welche die Hausbank des Investors zuständig ist, oder hohe Spreads kosten die Investoren mehr als der eigentliche Preis des Produkts.

Die TER ist also eigentlich für den Investor nicht massgeblich?
Genau. Namentlich die Liquidität spielt eine wichtigere Rolle. Man sieht im US-Markt, dass ein reifer Markt für äusserst tiefe Spreads sorgt. Vor dem Hintergrund der Tatsache, dass viele Anleger ETFs als Tradinginstrumente einsetzen ist außerdem zu zu beachten, dass die Total Expense Ratio selbstverständlich pro Rata, also lediglich anteilig, anfällt.

Gewinnen Sie 500 Franken: Die Uni Zürich macht eine Befragung zum Informationsverhalten von Anlegerinnen und Anlegern. Dabei werden Ihnen zuerst ein paar allgemeine Fragen über Ihre Erfahrungen mit der Investition und Anlage von Geld gestellt. Danach werden Sie gebeten, einen Aktienfonds zu bewerten. Dabei interessiert beispielsweise, ob Sie in den Aktienfonds investieren würden. Am Ende der Befragung werden ein paar wenige Fragen zu Investments im Allgemeinen gestellt. Die Antworten werden selbstverständlich anonym und streng vertraulich behandelt. Die gewonnenen Daten dienen ausschliesslich zu wissenschaftlichen Zwecken und nur im Rahmen der Dissertation verwendet. Unter allen Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden  zwei Mal 500 Franken verlost.

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