Die Schweizer Börse hat am Donnerstag mit steigenden Kursen auf die Zinserhöhung in den USA reagiert. Mit dem überwiegend erwarteten Schritt hat die amerikanische Notenbank ein positives Signal gesandt. Er sei historisch zu nennen, weil dieser «ausdrückt, dass die US-Notenbank die Finanzkrise und ihre Folgen für beendet betrachtet», sagt Oliver Adler, Head Economic Research bei Credit Suisse (siehe Video unten).

Andere Analysten sehen in der Zinsanhebung möglicherweise doch noch den Startschuss für die Jahresend-Rally. Der SMI stieg am Vormittag um zwei Prozent auf fast 8800 Punkte. Allerdings verpuffte der Effekt rasch, bei Handelsschluss notierte der Leitindex noch 0,61 Prozent höher bei 8656,30 Punkten. Beim deutschen Leitindex Dax wirkte die Zinsspritze bis zum Schluss, er schloss 2,57 Prozent höhere bei 10'738,12 Punkten.

Rätseln vor jeder Fed-Sitzung

Die Fed hob am Mittwoch ihren Schlüsselzins von nahe null auf 0,25 bis 0,5 Prozent. Damit geht die Ära des billigen Geldes, die die Aktienmärkte weltweit nach oben getrieben hatte, zu Ende. Man dürfe die ersten positiven Reaktionen auf die Anhebung des Leitzins aber nicht überinterpretieren, sagt Stefan Kreuzkam, CIO im Asset Management der Deutschen Bank. Wichtig sei die weitere Entwicklung. 

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«Der echte Test für die Fed kommt jedoch erst 2016: Denn sie wird weiterhin ihre Entscheidungen auf Basis makro-ökonomischer Daten fällen, die aller Voraussicht nach weiterhin nur moderates Wachstum zeigen werden», so Kreuzkam. Deshalb müssten Investoren vor jeder Sitzung rätseln müssen, ob dieser wieder eine Zinserhöhung folgen wird.

Es werde dementsprechend 2016 spannender, die Fed zu beobachten. «Wir rechnen mit zwei weiteren Zinserhöhungen der amerikanischen Notenbank.»

Dollar-Kurs legt zu

Im Fokus steht nach der Fed-Zinsentscheidung auch der Dollar-Kurs, der bei einem weiteren Anstieg Schweizer Exporteuren helfen würde. Am Donnerstag hat die US-Währung Auftrieb bekommen. Nach Bekanntgabe der Zinserhöhung hatte wurde der Dollar zum Franken schlagartig stärker und legt auf 0,9918 Franken zu. Kurz darauf gab der Kurs aber wieder nach auf 0,9844 Franken.

Die kurzfristige Entwicklung sei hier aber noch nicht aussagekräftig, schreibt Christoph Donay von der Vermögensverwaltung Donay in einem Marktkommentar. «Wir erwarten, dass der Dollarkurs 2016 stärker zulegt.» Ein deutliches Plus von gut 16 Prozent erwartet Laurent Bakthiari von der IG Bank: «Bis Ende 2016 kann der Dollar zwischen 1,15 und 1,20 Franken kosten.»

Sanfte Zinserhebung

Der Euro fiel heute ebenfalls zurück, in der Spitze auf 1,0832 Dollar nach 1,0911 Dollar im Schlussgeschäft vom Mittwoch. Zur japanischen Landeswährung verteuerte sich der Greenback bis auf 122,64 Yen.

Allerdings will US-Notenbank-Chefin Janet Yellen die Zügel nur sanft anziehen, um die konjunkturelle Erholung in den USA nicht abzuwürgen. Die Fed habe es nun zum grossen Teil selbst in der Hand, die Konditionen für weitere Zinserhöhungen zu kreieren, prognostizierte Commerzbank-Analystin Thu Lan Nguyen. «Sollte sie die Zinserwartungen zu stark schüren und damit eine zu schnelle Aufwertung des US-Dollars auslösen, die wiederum droht, den Preisauftrieb zu bremsen, kann sie selbst gegensteuern, in dem sie zum Beispiel eine Zinspause einlegt.»

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Credit-Suisse-Analyst Oliver Adler über die Folgen der Zinswende:

 

(me, mit Material von Reuters und AWP)