Noch sitzt den Anlegern der Subprime-Schock tief in den Knochen. Da verwundert es kaum, dass die Börsen auf den drastischen Anstieg des Ölpreises und schlechte US-Konjunkturdaten weltweit mit Abgaben reagierten. Allein der schwer gewichtete Swiss Market Index (SMI) ist innert Wochenfrist um 5% gefallen. Und die Märkte bleiben unter Druck. «Für die nächsten zwei bis drei Monate rechnen wir mit einem Seitwärtstrend», sagt Christian Gattiker, Head of Research bei der Bank Julius Bär. Die Turbulenzen kommen dabei aus mehreren Richtungen: Anleger müssen nun gleichzeitig die Inflation, den hohen Energiepreis als eine ihrer Ursachen sowie die Kreditkrise im Auge behalten:

• Inflation Als grösstes Übel erscheint zurzeit die Teuerung. Sollten die Notenbanken mit Zinserhöhungen dagegen einschreiten, geraten die Aktienkurse unter zusätzlichen Druck. Genau das droht jetzt im Juli von der Europäischen Zentralbank (EZB), und auch US-Notenbankchef Ben Bernanke will gegen die Inflation ins Feld ziehen.

Gemäss Walter Edelmann, Leiter Anlagestrategie bei der UBS, dürfte sich die Inflation in den westlichen Ländern aber vorerst in Grenzen halten, rechnet er doch für diese Region eher mit einer konjunkturellen Abschwächung. «Die Arbeitslosigkeit in den USA wird noch zunehmen», sagt Edelmann. Besorgt zeigt sich der UBS-Experte aber über eine Ausweitung der Teuerung in Asien.

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Tipp: Ein Aktienportefeuille lässt sich nur begrenzt gegen Wirtschaftszyklen absichern. Einige Werte zeigen sich jedoch im Abschwung standhafter als andere. Am Swiss Performance Index (SPI) dürften sich etwa Lonza, ABB, Roche und Nestlé gut halten. Zyklisch, dafür günstig bewertet sind Georg Fischer, Holcim und Geberit. Und schliesslich gibt es noch Titel, die dank Fokussierung und tüchtiger Führung über den Zyklus hinaus Wert versprechen: Meyer Burger, Lindt & Sprüngli, Phonak und Schweizerhall.

• Öl Der jüngste Preissprung des schwarzen Goldes von über 10% innert Stunden zeigt, wie unsicher der weitere Verlauf der Energiepreise ist. Das zeigen nicht zuletzt die widersprüchlichen Erwartungen: Gattiker von Julius Bär etwa sieht einen «unvermindert hohen» Ölpreis im Jahr 2008; dieser könne gar auf 150 Dollar pro Fass ansteigen. Gegen hohe Ölnotierungen wettet hingegen Thomas Buri, Leiter Aktien Schweiz bei der Privatbank Vontobel. Seiner Meinung nach sind bis zu 15 Dollar des heutigen Preisniveaus allein auf Spekulation zurückzuführen. In drei Monaten solle das Barrel Öl deshalb nur noch 95 Dollar kosten, in zwölf Monaten immerhin 120 Dollar.

Tipp: Wer sich gegen den steigenden Ölpreis absichern will, der meidet energiesensitive Werte wie jene der Chemie-, Auto- und Reisebranche. Umgekehrt lässt sich von der Energie-Hausse auch direkt profitieren: Etwa über sogenannte Exchange Traded Commodities (ETC) wie den WTI Crude Oil der UBS (Valor 33333332), der einen Öl-Future-Index nachbildet.

Kreditkrise Wenn die Inflation der Wirtschaft kurzfristig Schub liefert, dann wirken die gegenwärtigen Verluste der Finanzbranche wie ein Bremsklotz – und zwar noch einige Zeit. Gerade hat die EZB vor einer weiteren Verschärfung der Kreditkrise gewarnt und wurde umgehend durch die Verlustmeldungen bei der US-Bank Lehman Brothers bestätigt. «Die Kreditkrise dürfte uns noch bis ins Jahr 2009 hinein begleiten, allein wegen der Laufzeiten der betroffenen Kreditpapiere», sagt Gattiker von Julius Bär.

Tipp: Finger weg von Bank- und Versicherungstiteln, mag die Bewertung noch so attraktiv sein. «Wir empfehlen, Finanzwerte unterzugewichten», sagt Buri von Vontobel.

• Charttechnik Der Abgabedruck hat eine Vielzahl Titel auf ein Niveau gedrückt, bei dem in den Kundenportefeuilles ein Verkaufssignal ausgelöst wird – was wiederum die Kurse noch tiefer fallen liess. In der Folge durchbrachen ganze Indizes wichtige technische Unterstützungsmarken.

Tipp: Investoren behalten beim SMI die 6730-Punkte-Marke im Auge. Dort befindet sich gemäss der Zürcher Kantonalbank das derzeit wichtigste Unterstützungsniveau. Sollte dieser Widerstand fallen, geht es richtig abwärts.