Scoach, die junge Börse für strukturierte Produkte, welche als Joint Venture zwischen der SWX Group und der Deutschen Börse gegründet wurde, wächst schnell. Für den Umsatz der an der Scoach gehandelten Derivate rechnet CEO Marc Zahn 2008 mit einer Wachstumsrate von 20 bis 30%. Im abgelaufenen Jahr beträgt der Umsatz – bis und mit November – 71 Mrd Fr.

Auch die Anzahl handelbarer Produkte dürfte weiter zunehmen. Derzeit sind rund 21500 strukturierte Produkte kotiert, doppelt so viele wie Anfang Jahr 2007. «Das Wachstum im Jahr 2007 war aussergewöhnlich. Ich erwarte, dass Ende 2008 zirka 27000 bis 28000 Produkte an der Scoach gehandelt werden können», erklärt Zahn.

Neue Produkttypen in Pipeline

Die beliebtesten Produkte bei den Schweizer Anlegern sind mit deutlichem Abstand Warrants. Diese Hebelprodukte machen – mit 14600 Instrumenten – rund zwei Drittel der gelisteten Vehikel aus. Ob der Börsenchef selbst auch Gefallen an diesen Papieren findet, bleibt ein Geheimnis: «Ich musste zu meinen persönlichen Emittentenfavoriten ein strenges Schweigegelübde ablegen und darf aus Compliance-Gründen selbst keine Produkte handeln», so Zahn.

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Nach den Warrants belegen die Barrier Reverse Convertibles mit deutlichem Abstnad und rund 2400 Produkten den zweiten Platz, gefolgt von den Tracker-Zertifikaten mit 1175 Vehikeln.

Ob sich die Verteilung zwi-schen den einzelnen Kategorien im nächsten Jahr noch bedeutend verschieben wird, hängt in erster Linie vom Marktgeschehen ab. So seien derzeit Produkte auf alternative Energien ein grosses Thema. «Sollten jedoch die Rohstoffpreise stark sinken oder steigen, kann sich das schnell ändern», so Zahn.

Wenn sich die Volatilität der letzten Monate auch im neuen Jahr fortsetzt, wird ein Zuwachs von Kapitalschutzprodukten zu beobachten sein, weil das Sicherheitsbedürfnis der Anleger steigt. Weiterhin stark bleiben die Barrier Reverse Convertibles, ist Zahn überzeugt. Er denkt aber auch, dass 2008 zusätzliche Produktkategorien geschaffen werden. Derzeit sind vom Schweizerischen Verband für strukturierte Produkte (SVSP) 19 Produkttypen definiert.

«Ziel ist Marktführung bis 2012»

Für die Zukunft von Scoach hat der 44-jährige Börsenchef genaue Vorstellungen: «Bis 2012 wollen wir Marktführer sein in Europa. In der Schweiz und in Deutschland sind wird bereits sehr stark.» Ein wichtiger Schritt zu diesem Ziel findet am 28. April 2008 statt: Dann wird in der deutschen Plattform von Scoach auf das elektronische System Xetra umgestellt. Dadurch sollen u.a. die Geschwindigkeit gesteigert und die Ausführungspreise marktgerechter werden. Eine Umstellung der Schweizer Plattform ist im Jahr 2009 vorgesehen.

Bedeckt hält sich Zahn, was den Markteintritt neuer Player in den Schweizer Derivate-Markt anbelangt: «Es werden ein bis zwei neue Emittenten in den Schweizer Markt eintreten 2008», lässt er sich entlocken. Bereits heute ist die Schweiz führend im Geschäft mit den strukturierten Produkten. Rund 25 Emittenten buhlen um die Anlegergunst. Der Eintritt von neuen Anbietern ist durchaus im Interesse von Investoren: Konkurrenz belebt bekanntlich das Geschäft und setzt die Margen unter Druck.

Discount-Wolke ist geplant

Das Werben der Emittenten um Investoren ist zumindest in den Zeitungsinseraten derzeit nicht zu übersehen. Dennoch hat eine Studie ergeben, dass lediglich 13% der Anleger bereits einmal in strukturierte Produkte investiert haben. Und nur 6% der Anleger bezeichnen sich selbst als Experten im Gebiet. Diese Erkenntnis zeigt: Das Bedürfnis nach Transparenz und Aufklärung ist gross.

Seit einigen Monaten können auf der Scoach-Homepage mithilfe einer «Knock-out-Map» Barriereverletzungen von Produkten aufgerufen werden. Geplant ist ausserdem eine «Discount-Wolke», wie sie bereits auf dem deutschen Marktplatz eingerichtet ist. Diese ermöglicht es dem Anleger, sich einen Überblick über die vorhandenen Produkte eines bestimmten Basiswertes, abhängig von Rendite und Discount zu verschaffen. Im Weiteren arbeitet Zahn zusammen mit dem Schweizerischen Verband für strukturierte Produkte (SVSP) in einer Arbeitsgruppe an einem Projekt, dessen Ziel es ist, mehr Informationen über die einzelnen Emittenten zu publizieren.