Der erste Börsentag der Zuger Traditionsfirma Landis+Gyr ist erfolgreich zu Ende gegangen: Nach Börsenschluss lag der Preis für die Aktie bei 78,50 Franken. Darüber hinaus waren die gehandelten Volumen mit etwa 1,8 Millionen Aktien hoch. Während des Tages schwankte der Kurs: Zunächst stieg der Preis über 79 Franken, sackte aber zeitweise auf unter 77 Franken ab.

Aus dem Ausgabepreis der Landis+Gyr-Aktie von 78 Franken und Anzahl herausgegebener Aktien ergibt sich der Transaktionswert des Börsengangs von 2,29 Milliarden Franken. Damit ist dieser Börsengang (IPO) der drittgrösste seit der Jahrtausendwende.

Landis+Gyr «fair» bewertet

Am grössten war im Dezember 2001 das IPO des Versicherers Converium mit einem Transaktionswert von 3,28 Milliarden Franken, gefolgt von dem des Raffineriebetreibers Petroplus Ende November 2006 mit einem Wert von 2,89 Milliarden Franken. Auf dem vierten Platz nach Landis+Gyr liegt das IPO von Sunrise im Februar 2015 mit 2,27 Milliarden. Auf den weiteren Plätzen folgen der Gesundheitsdienstleister Galenica, die Bank EFG International, der Logistiker Panalpina, Cembra, DKSH und SFS.

Landis+Gyr-Chef Richard Mora zeigt sich im Gespräch mit der Finanznachrichtenagentur AWP zufrieden: «Der Ausgabepreis bewertet das Unternehmen fair.» Ausserdem hält es Mora nicht für beunruhigend, dass die Preisspanne, die zwischen 70 und 82 Franken lag, nicht voll ausgereizt wurde.

«Wir haben eine starke Nachfrage gesehen und die Platzierung war mehrfach überzeichnet.» Schweizerische und internationale sowie institutionelle und private Investoren hätten für die Nachfrage gesorgt.

Dividende versüssen

Darüber hinaus geht Mora davon aus, dass der Markt und die Investoren den Wert des Unternehmens entdecken werden. Im letzten Geschäftsjahr, das Ende März endete, hatte das Unternehmen einen Umsatz von 1,7 Milliarden Dollar erzielt. Für das laufende Jahr stellte das Unternehmen eine Umsatzsteigerung von 3 Prozent in Aussicht gestellt, und mittelfristig erwartet das Unternehmen ein Wachstum im hohen einstelligen Bereich.

Zudem will Landis+Gyr den Investoren das Engagement mit einer Dividende versüssen. Für das Geschäftsjahr 2017 ist eine Ausschüttung von mindestens 70 Millionen Dollar vorgesehen. Ab 2018 erwartet Landis+Gyr eine Dividendenausschüttung von mindestens 75 Prozent aus dem Free Cashflow.

Die bisherigen Besitzer, der japanische Technologiekonzern Toshiba mit einem Anteil von 60 Prozent und die Beteiligungsgesellschaft Innovation Network Corporation of Japan (INCJ) mit den restlichen 40 Prozent haben sich mit dem Börsengang vollständig von Landis+Gyr getrennt.

Für Toshiba kein Befreiungsschlag

Für Toshiba sind die Einnahmen aus dem Börsengang von 1,37 Milliarden Franken Millionen zwar eine willkommene Einnahme, doch kein Befreiungsschlag. Im Ende März abgelaufenen Geschäftsjahr 2016/17 rechnet Toshiba laut eigenen Angaben von Mitte Mai mit einem Rekordverlust von 950 Milliarden Yen oder umgerechnet 8,4 Milliarden Franken. Anfang Juli wurden dann die Pläne offiziell, wobei der japanische Technologiekonzern damals auch einen Verkauf an Dritte nicht ausschloss.

Neben dem Verkauf von Landis+Gyr plant der Technologiekonzern zudem, sich von seiner Chipsparte zu trennen. Für die Sparte, die der Konzern in eine Tochtergesellschaft ausgegliedert hat, wollen die Japaner mindestens 18 Milliarden Dollar haben.

Toshiba braucht Geld

Der US-Partner Western Digital macht jedoch geltend, dass der Verkauf gegen den Joint Venture-Vertrag mit Toshiba verstosse. Der Streit könnte den Verkauf der Speicherchipsparte laut japanischen Medienberichten verzögern und Toshibas Sanierungsbemühung gefährden.

Nach einem schweren Bilanzskandal und massiven Verlusten im US-Atomkraftwerksgeschäft braucht der japanische Konzern dringend Geld. Die US-Atomsparte Westinghouse Electric hat Toshiba inzwischen in die Insolvenz geschickt. Zudem sieht sich Tohisba mit Vorwürfen konfrontiert, nachdem klar wurde, dass das Management bei Westinghouse unangemessenen Druck ausgeübt haben soll, um Verluste zu minimieren.

(sda/cfr)

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