Der legendäre Investor Warren Buffett wird derzeit seinem Ruf als Bollwerk gegen die Baisse nicht mehr gerecht: Die Aktie seiner Investmentholding Berkshire Hathaway hat seit September des vergangenen Jahres 30% an Wert verloren und notiert bei 90 000 Dollar. Damit hat sie sich um einiges schlechter als der US-Leitindex Standard & Poors 500 entwickelt, der nur um 26% gefallen ist.

Bonitätseinstufung korrigiert

Entsprechend ist auch das Programm bei Berkshire aus dem gewohnten Trott geraten. Die Präsentation der 1.-Quartals-Zahlen wurde um eine Woche auf den 8. Mai vertagt. Dass diese kaum zur Zufriedenheit der Aktionäre ausfallen wird, ist aber heute schon klar. Ein wichtiger Grund dafür: Berkshire hat vermehrt Derivate eingesetzt und sich damit verspekuliert. Die Investmentgesellschaft hielt Ende 2008 Derivatekontrakte im Gesamt-Nominalwert von 67,3 Mrd Dollar. Von dieser Summe lässt sich zwar nicht auf potenzielle Verluste schliessen, doch fällt das im Vergleich zu den Barreserven von 25,5 Mrd Dollar hohe Volumen auf. Buffett selbst hat auf die zunehmende Wahrscheinlichkeit eines Verlusts aus einer bestimmten Kategorie dieser Kontrakte hingewiesen.

Die Ratingagenturen Moodys Investors und Fitch Ratings haben unter anderem wegen der Derivate ihre Bonitätseinstufung für Berkshire nach unten korrigiert. «Die Leute fühlen sich unwohl mit Finanzinvestments, die sie nicht verstehen besonders wenn es um Derivate geht», sagt Charles Bobrinskoy, Fondsmanager bei Ariel Investments in Chicago. Bei den Derivaten von Berkshire handelt es sich um vier Kategorien. Grösster Posten mit einem Nominalwert von 37,1 Mrd Dollar sind Verkaufsoptionen, die Buffett auf Aktienindizes in den USA, Grossbritannien, dem Euroraum und Japan gezeichnet hat und die zwischen September 2019 und Januar 2028 auslaufen. Bei Verfall muss Berkshire zahlen, wenn einer der Indizes niedriger steht als beim Verkauf der Optionen. Ein Totalverlust von 37,1 Mrd Dollar würde nur eintreten, wenn die Indizes auf null fielen; ein unwahrscheinlicher Fall. Dennoch haben sich einige Investoren nicht davon abhalten lassen, Berkshire-Aktien abzustossen; nicht zuletzt deshalb, weil Buffett ihnen nicht genügend Informationen über die Derivate offengelegt hat.

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Bei einer weiteren Kategorie handelt es sich schlicht und ergreifend um Versicherungen von Kommunalanleihen, die als Derivat strukturiert sind. Die Risiken hier sind ähnlich wie bei kommunalen Anleiheversicherern. Ein anderer Typus umfasst Kreditausfallswaps, über die Berkshire die Zahlung einzelner Unternehmensanleihen garantiert. Diese Kontrakte haben einen geringen Nominalwert von insgesamt 3,9 Mrd Dollar. Darüber hinaus hat Berkshire Kontrakte verkauft, die zur Zahlung verpflichten, wenn es bei Unternehmen, die in bestimmten ungenannten Hochzinsanleihe-Indizes enthalten sind, zu Kreditverlusten kommt. Ihr Nominalwert beläuft sich auf 7,9 Mrd Dollar. Hier hat Berkshire 3,4 Mrd Dollar an Prämien eingenommen und Verluste von 542 Mio Dollar bezahlt. Ausserdem hat die Gesellschaft einen Verlust von 3 Mrd Dollar aufgrund von Anpassungen an den Marktwert ausgewiesen. Die Kontrakte laufen zwischen September 2009 und Dezember 2013 aus.

Intelligenz half wenig

Die Verluste aus diesen Geschäften nehmen zu, da die Konkurse steigen, so Buffett in seinem Aktionärsbrief: «Nachdem sich nun die Rezession rasch verstärkt, ist die Möglichkeit eines Verlustes gestiegen.»

Weniger Grund zur Besorgnis sieht Mark Curnin, Mitgründer von White River Capital. Die Derivate von Buffett seien lediglich eine intelligente Methode, das zu tun, was er schon immer gemacht hat: Versicherung zeichnen und attraktive Wertpapiere kaufen. «Buffett hat eine bestimmte Gruppe von Risiken, die er versteht und die er für attraktiv gepreist hält, sorgfältig ausgewählt.» Die Derivaterisiken seien ähnlich wie die anderen Geschäftsrisiken bei Berkshire, so Curnin. Nun werden die Zahlen zeigen, wie sich diese Risiken auf den Geschäftsgang ausgewirkt haben.