Viele Notenbanken haben bereits im alten Jahr ihr Zinssenkungspulver verschossen. Nun stellt sich die Frage, welche Möglichkeiten sich den Instituten 2009 bieten, um dem wirtschaftlichen Abschwung entgegenzuwirken.

Die Experten der Bank Sarasin zeigen zwei überraschende Lösungsszenarien auf. So könnte die US-Notenbank Fed langfristige Staatsanleihen kaufen und damit das Zinsniveau dämpfen oder die Zentralbank könnte Schuldpapiere kaufen.

Zwei Wege aus der Sackgasse

Die Sarasin-Analysten gehen davon aus, dass die US-Notenbank beide Wege beschreiten wird. Die tiefen Zinsen auf Staatsanleihen sprechen jedoch eher dafür, dass sich die Notenbank für qualitativ hochrangige Unternehmensanleihen entscheiden wird.

Die Risikoprämie befindet sich bei hochrangigen Bonds derzeit auf einem Rekordniveau (siehe Grafik). 12% der hochqualitativen Unternehmensanleihen müssten ausfallen, um solche hohen Prämien zu rechtfertigen.

Die Experten der Bank Sarasin rechnen nicht mit einer Ausfallrate, die über 6 bis 7% liegen wird - auch wenn die USA mit voller Wucht von der Rezession getroffen würden.

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Ein Investment des Staates könnte andere Käufer anziehen und damit für mehr Liquidität im angespannten Markt sorgen. Denn durch die derzeit fehlenden Käufer vergütet die Risikoprämie nicht nur das Ausfallrisiko, sondern auch das Liquiditätsrisiko. Sollte die Fed die fehlenden Geldmittel in den Markt pumpen, könnte das den Startschuss zu einer Rally bei den US-Unternehmensanleihen bedeuten.

«Das Fed wird sich für Unternehmen mit einem Multiplikator-effekt entscheiden», so Alessandro Bee, Ökonom bei der Bank Sarasin. Daher könnten etwa Unternehmen wie Flugzeugbauer Boeing oder der weltgrösste Baumaschinenhersteller Caterpillar in Frage kommen. An ihnen hängen tausende Arbeitsplätze und zahlreiche Zulieferbetriebe. Die Notenbank wird jedoch kaum in spekulative Produkte investieren. «Das Fed wird sich auf hochrangige Anleihen konzentrieren, da es eine Verpflichtung gegenüber dem Steuerzahler hat», sagt Bee.

Gegenleistung muss stimmen

Die Zentralbank wird garantieren müssen, dass sie nicht einfach Liquidität in den Markt pumpt, sondern auch eine Gegenleistung dafür erhält.

Die Fed könnte sich noch im 1. Quartal 2009 zu solchen Massnahmen gezwungen sehen, falls sich die wirtschaftliche Situation nicht noch aufhellt. Der Boom bei den Unternehmensanleihen könnte dann unmittelbar auf die Ankündigung eines solchen Programms fallen.

Auch in Europa vorstellbar

«Auch die Europäische Zentralbank (EZB) oder die Bank of England könnte zu solchen Mitteln greifen», sagt Bee. In Europa und Grossbritannien gibt es viele Unternehmen, denen es an liquiden Mitteln mangelt.

«Auch für die Schweizer Nationalbank (SNB) ist ein solches Vorgehen eine Option, hat aber sicher nicht die erste Priorität», so Bee. In der Schweiz sei kein Credit Crunch entstanden und die Banken haben ihre Kreditkonditionen bisher nicht verschärft, daher macht es für die SNB derzeit keinen Sinn, in Unternehmensanleihen zu investieren.

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Vorsicht bei Staatsinvestment

«Der Staat sollte sich in dieser Hinsicht möglichst in Zurückhaltung üben», sagt Peter Gasser, Kreditanalyst bei der Zürcher Kantonalbank (ZKB).

Es sei aber nicht auszuschliessen, dass dieses Modell auch in anderen Staaten Schule machen könnte. «Die Situation am Kapitalmarkt ist für viele Schuldner weiterhin äusserst schwierig und es stehen in nächster Zeit einige Refinanzierungen an», sagt Gasser.

So versuchte etwa die deutsche HSH Nordbank kürzlich, eine Anleihe zu platzieren, musste dieses Vorhaben jedoch verschieben, da zu wenig Zeichner gefunden wurden.

«Für die Zentralbanken muss die erste Priorität sein, das Interbankensystem in Gang zu bringen», so Gasser. Das sei wichtig für die Liquidität der Banken und damit auch das Kreditgeschäft. Nur so würden wieder vermehrt Kredite an Unternehmen und Private gesprochen.

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