Letztes Jahr konnten Anleger mit Anleihen satte Gewinne erzielen. Doch nun droht nicht nur der graue Alltag, sondern gar das Ende des 30-jährigen Bullenmarktes bei Bonds. Das sagt Bill Gross, Bond-Experte beim US-Vermögensverwalter Pimco.

Der Manager des weltweit grössten Bond-Fonds lancierte jüngst ein Produkt, das nicht nur in Bonds, sondern eben auch in Aktien investiert. Die letzten zehn Jahre waren geprägt von der Technologieblase und der Bankenkrise und fielen daher für Aktienanleger enttäuschend aus (siehe Grafik). Doch das Blatt soll sich nun wenden. Die Erholung an den Aktienmärkten weist den Weg. Gegen Obligationen spricht, dass sie die einzige Anlageform mit einer negativen Korrelation zur Konjunktur sind. Das heisst, wenn sich die Wirtschaft weiter kräftig erholt, geraten Anleihen ins Hintertreffen. Die Konjunkturprognosen verbessern sich zusehends. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) erwartet 2010 für die Schweiz ein BIP-Wachstum von 1,5%. Trotz der unklaren Situation in einigen EU-Staaten geht Standard & Poors 2010 von einem BIP-Wachstum in der Eurozone von 1,2% aus, und für die USA werden 3% geschätzt. Sollten die Notenbanken zudem die Zinsen erhöhen, befinden sich Bond-Investoren in einer ungemütlichen Situation.

Auch «normal» ist interessant

«Wir erwarten in den nächsten fünf bis zehn Jahren durchschnittliche Bond-Renditen von 3 bis 3,5%», so Stephan Kuhnke, Leiter Anlagemanagement bei der auf Obligationen spezialisierten Bantleon Bank aus Zug. Das ist zwar im Vergleich zu den letzten Monaten enttäuschend, zeigt aber auch, dass Anleihen noch Chancen bieten, nur zeichnet sich eine Normalisierung ab. «Wir glauben nicht, dass der Bullenmarkt vorbei ist, er ist höchstens kurzfristig unterbrochen», so Kuhnke. Denn die Rendite entwickelt sich im Einklang mit dem nominalen Wirtschaftswachstum und hat so eine fundamentale Verankerung. Die Inflation ist trotz der expansiven Geldpolitik relativ stabil. Die SNB schätzt, dass die durchschnittliche Teuerung in diesem Jahr bei 0,7% und im Jahr 2011 bei 0,9% liegen wird. An dieser Situation könnte nur der Rohstoffmarkt, etwa über explodierende Rohölpreise, etwas ändern. Doch dafür gibt es kaum Anzeichen. Auch das Produktivitätswachstum bleibt aufgrund der demografischen Entwicklung tief.

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Die SNB und die Europäische Zentralbank (EZB) werden die Zinsen wieder anheben, sie steigen wohl aber nur geringfügig. «Die Zinsen werden am kurzen Ende der Kurve deutlich zulegen, am langen Ende aber nur leicht ansteigen, weil die Märkte eine konjunkturelle Abkühlung vorwegnehmen», sagt Kuhnke. Das bedeutet für Anleger, dass sie eher am langen Ende der Zinskurve investieren sollten.

Die Mischung macht den Meister

Da sie in den Krisenmonaten die Kosten gesenkt haben, können derzeit viele Unternehmen starke Quartalsergebnisse vorweisen. Das Ausfallrisiko nimmt daher weiter ab, und die Spreads, also die Risikoprämien, engen sich zunehmend ein. Die Ausfallraten für europäische Emittenten mit spekulativem Rating werden nach Prognose von Moody’s von 10,5% im 4. Quartal 2009 auf 2,7% bis Ende des Jahres sinken, und das Verhältnis zwischen Herabstufungen und Erhöhungen der Ratings durch die Agenturen hat in den positiven Bereich gedreht. Viele Banken raten daher Anlegern noch immer, Bonds zu kaufen.

«Wir empfehlen derzeit einen Mix von Staatsanleihen, Pfandbriefen und Unternehmensanleihen», sagt Kuhnke. Anleihen am langen Ende der Kurve und Unternehmensanleihen werden bei der Bantleon Bank derzeit übergewichtet. Besonders interessant sind zyklische Anlagen, etwa aus den Bereichen zyklische Konsumgüter, Rohstoffe oder Bauindustrie. Und auch Bill Gross schwört Bonds nicht gänzlich ab. Er empfiehlt derzeit Anleihen von soliden Staaten, etwa deutsche oder kanadische mit langen Laufzeiten, zum Kauf.