Trotz besserer Wachstumsaussichten in Europa wird sich aus Sicht der Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) die Bonität der Unternehmen im kommenden Jahr verschlechtern. Die Ausfallrate für Firmen mit einem spekulativen Rating dürfte von derzeit niedrigen 1,5 Prozent im kommenden Jahr auf 2,4 Prozent steigen, sagte Kreditanalyst Tobias Mock am Mittwoch in Frankfurt. «2016 wird aus unserer Sicht für die Unternehmenssektoren sehr unterschiedlich verlaufen», sagte er. Insbesondere Firmen aus dem Öl- und Gassektor stünden wegen der niedrigen Ölpreise unter Druck. Aber auch in anderen Branchen kämen Unwägbarkeiten aus der Regulierung und technische Herausforderungen auf Unternehmen zu.

Die für das kommende Jahr geschätzten Ausfallraten liegen aber weiter unter dem langjährigen Schnitt von rund 3,2 Prozent. Grundsätzlich seien die Rahmenbedingungen für eine solide wirtschaftliche Erholung in Europa vorhanden, sagte Mock. Die lockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank, der schwache Euro und der günstige Ölpreis sorgen ihm zufolge dafür, dass die Wirtschaft auf dem Kontinent Fahrt aufnimmt, wenn auch mit noch geringen Wachstumsraten. Das werde auch durch eine langsam wieder anziehende Kreditaufnahme von Unternehmen in der Eurozone unterstrichen.

USA steht noch schlechter da

Viele Sektoren könnten aus dem günstigeren Umfeld aber keinen Profit ziehen. «Unternehmen in den Branchen Öl und Gas, Bergbau, Stahl, Chemiegrundstoffe und Investitionsgüter beispielsweise leiden weltweit unter einem Überangebot und Überinvestitionen», sagte Mock. Die Konjunktursorgen in China und anderen wichtigen Schwellenländern belasteten zusätzlich.

In Europa fällt die von den Experten erwartete Verschlechterung der Bonität aber weniger stark aus als etwa in den USA. Dort ist der Sektor Öl und Gas deutlich stärker ausgeprägt als in Europa, vor allem die Frackingindustrie steht infolge des Ölpreisverfalls unter Druck. Weltweit rechnet Standard & Poor's besonders bei Ölfeldausrüstern mit künftig schlechteren Bonitätsnoten.

(awp/ise/mbü)

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