Sie tragen so geheimnisvolle Namen wie Neodym, Lanthan, Europium oder Cer und bilden eine Schlüsselfunktion für die Industrien der Zukunft.

«Von Apples iPod über Toyotas Hybridauto Prius bis hin zu Energiesparlampen und Windrädern: Überall sorgen diese Metalle dafür, dass Energie effizienter genutzt wird», sagt Daniel Morgan, Rohstoffanalyst bei der UBS. Seltene Erden sind wie Dopingmittel für andere Metalle: Sie machen sie leitfähiger oder verbessern ihre magnetischen Eigenschaften.

Je handlicher und leistungsfähiger die Geräte werden und je sparsamer und umweltschonender sie arbeiten sollen, desto wichtiger werden die exotischen Mineralien für die Industrie. «Es gibt keinen Ersatz für diese Rohstoffe, das macht ihre Bedeutung aus», sagt UBS-Experte Morgan.

Superhelden unter Rohstoffen

Gerade grüne Technologie kommt nicht ohne sie aus. Die Konkurrenzfähigkeit von Windrädern zum Beispiel hängt von der Stärke ihrer Magnete ab, die wiederum durch den Einsatz der seltenen Metalle bestimmt wird. Umgekehrt kann der Elektromotor in einem Hybridauto umso mehr leisten, je mehr Power der Magnet hat.

Schon jetzt steigt die Nachfrage nach seltenen Erden jährlich um rund 10%. Das ist erst der Anfang. Je mehr Elektro- oder Hybridautos weltweit über die Strassen rollen, Windräder in den Himmel ragen, Energiesparlampen die Korridore erhellen und LCD-Fernseher die Wohnzimmer zieren, desto mehr sind seltene Erden gefragt. Experten schätzen, dass das Nachfragewachstum in den kommenden Jahren auf bis zu 20% hochschnellen wird. Für die Produzenten dieser Superhelden unter den Rohstoffen bedeutet das enorme Gewinnchancen.

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Längst haben die seltenen Erden (die allerdings nicht so selten wie etwa Gold oder Platin sind) für die Weltwirtschaft strategische Bedeutung erlangt. Das grösste Förderland China hat das erkannt und spielt seinen Trumpf aus: Jüngst schreckten Meldungen die westliche Welt auf, dass Peking erwägt, den Export der kostbaren Metalle künftig stark einzuschränken - zum Vorteil der heimischen Produktion. Chinas Wort hat Gewicht. Es ist der Koloss unter den Produzenten: Rund 95% aller seltenen Erden werden im Reich der Mitte, vorwiegend der Inneren Mongolei, gewonnen. Zwar relativierte die Regierung in Peking die Äusserungen wieder, doch bleiben die übrigen Nachfrager vom Wohlwollen des Quasi-Monopolisten abhängig.

Schon jetzt übersteigt die weltweite Nachfrage das Angebot deutlich. Die Preise schiessen nach oben: So verteuerte sich Lanthan von rund 2 Dollar auf zuletzt knapp 6 Dollar je kg, vor dem Ausbruch der Finanzkrise wurde es sogar zeitweise für 8.83 Dollar verkauft. Anders als Edelmetalle oder Erdöl werden seltene Erden nicht an der Börse gehandelt. Vielmehr machen Minen und Industrie die Preise untereinander aus, ähnlich wie beim Eisenerz.

Anleger können daher nicht direkt in die Metalle investieren. Ebenso wenig gibt es Fonds oder Zertifikate, mit denen eine Partizipation an Preissteigerungen möglich ist. Der Weg führt über Bergwerksgesellschaften, die die begehrten Rohstoffe in aufwendigen Verfahren aus dem Boden holen. «Wir sehen die Branche als Langfrist-Investment. Die Preishausse der seltenen Erden treibt die Aktienkurse auf immer höhere Niveaus», schreibt Steven Liao vom panasiatischen Broker KGI.

Extreme Kursausschläge drohen

Unter den börsennotierten Firmen ist die kanadische Bergbaufirma Neo Material Technologies führend. Sie fördert seit zwei Jahrzehnten in China, wo sie auch 50% ihrer Produktion vertreibt. Die andere Hälfte geht bisher in den Export. «Für Neo Material sprechen die langjährige Kontakte mit den chinesischen Behörden und die sichere Position in der Branche», schreibt Steve Arthur, Analyst bei RBC Capital Markets, der der Aktie ein Kurspotenzial von 46% beimisst. Gleichwohl versuche das Unternehmen, zu diversifizieren und Lagerstätten in Brasilien zu erschliessen. Zu den namhaften Kunden gehören BASF (Katalysatoren), Samsung (Leuchtstoffe), Canon (Linsen), 3M (Polituren) und Hitachi (Magnete). Unter den etablierten Verarbeitern der Volksrepublik findet China Rare Earth bei Analysten Anklang.

Um die Abhängigkeit vom Reich der Mitte zu reduzieren, bemühen sich westliche Firmen, alternative Vorkommen ausserhalb der Volksrepublik zu erschliessen. Doch die dafür notwendigen Untersuchungen, Vorarbeiten und Genehmigungen sind zeitraubend: «Vom ersten Explorationsbohrloch bis zur Aufnahme der Produktion kann es fünf bis sechs Jahre dauern», weiss Joachim Berlenbach, der als promovierter Bergbaugeologe mehrere Rohstofffonds managt, darunter den Earth Gold Fund UI. Gerade bei jungen Minengesellschaften, auch Juniors genannt, stecke dieser Prozess voller Risiken, weshalb Anleger immer auf extreme Kursausschläge gefasst sein müssen.