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Italien
Börse Mailand – der MIB steht vor dem Ausbruch

Börse Mailand: Dieses Jahr schon zehn Prozent im Plus.
Börse Mailand: Der italienische Leitindex liegt dieses Jahr schon zehn Prozent im Plus.Quelle: Keystone

In diesem Jahr liegt der italienische Leitindex FTSE MIB schon zehn Prozent im Plus. Wie es weitergeht und welche Aktien besonders vielversprechend sind.

Von Georg Pröbstl
am 26.01.2018

Das war wie ein Befreiungsschlag und tiefes Aufatmen! Herrschte im Schlussquartal starke Flaute an der Börse Mailand, so brachte die Auflösung des Parlaments durch Italiens Staatspräsident Sergio Mattarella Ende 2017 und die Festsetzung des Termins von Neuwahlen auf den 4. März dem FTSE MIB starke Kursgewinne. In den letzten vier Wochen bringt der italienische Leitindex ein Plus von rund 2000 Punkten oder etwa zehn Prozent. Das ist sogar fast noch einmal doppelt so viel, wie im haussierenden Dow Jones.

Die Erwartungen an Neuwahlen bei den Nachbarn sind auch hoch. Denn Italien kommt seit langem nicht vom Fleck. In den letzten 15 Jahren lag das maximale Wirtschaftswachstum bei 1,7 Prozent, oft stand die Null vor dem Komma und in vier Jahren – 2008 und 2009 sowie 2012 und 2013 – gab es eine Rezession mit schrumpfender Wirtschaftsleistung. Und so richtig in Fahrt kam die Konjunktur mit einem geschätzten Wachstum um 1,5 Prozent auch 2017 nicht. 2018 wird das Tempo ähnlich sein.

Probleme über Probleme…

Mit solchen Raten ist Italien in Europa Schlusslicht, hat dazu noch hohe Schulden. Die Schuldenquote der öffentlichen Haushalte liegt bei rund 130 Prozent der Wirtschaftsleistung. Auch der Arbeitsmarkt ist lahm. Beharrlich mehr als zehn Prozent der Italiener sind ohne Job und auch diese Rate zählt zu den höchsten in Europa.

Ein Sündenbock ist schnell gefunden: der Euro. Konnte Italien noch zu den guten alten Lira-Zeiten bei Wirtschaftsschwäche die eigene Währung einfach abwerten, so ist dies im Euro-Raum nicht mehr möglich. Ein riesiger Reformstau rächt sich doppelt. Ein Klotz am Bein ist beispielsweise die aufgeblähte und langsame öffentliche Verwaltung, die wichtige Prozesse im Wirtschaftsleben bremst und teuer macht. Auch die Korruption bekommt Italien einfach nicht in den Griff. Laut Transparency International landet das Land bei der Korruption auf Rang 60 und liegt damit sogar noch hinter dem osteuropäischen Krisenstaat Rumänien.

… und geringe Produktivität

Der Reformstau spiegelt sich auch in der Produktivität im Land wider. Während die Arbeitsproduktivität in anderen Ländern der Euro-Zone wie Deutschland oder Frankreich in den letzten 15 Jahren um 20 bis 30 Prozent gestiegen ist, gab es dabei in Italien keine Fortschritte und das Pro-Kopf-Einkommen ist heute niedriger als vor 20 Jahren.

Ob allerdings Neuwahlen die erhoffte Wende bringen, ist mehr als fraglich. Umfragen zufolge liegen die Euro-kritische Protestpartei Fünf-Sterne-Bewegung M5S des Komikers Beppo Grillo, die Lega Nord und die nationalkonservative FdI – Brüder Italiens – bei etwa 45 Prozent der Stimmen und viele Politiker dieser drei Parteien sehnen sich nach einem Ausstieg aus dem Euro. Zudem haben Grillos Fünf-Sterne ein Grundeinkommen auf der Agenda und eine Lockerungen von bisherigen Reformen zu Arbeitsmarkt und Rente. Das alles wird nicht billig und stärkt die internationale Konkurrenzfähigkeit sicher nicht.

Kein frischer Wind aus der Politik und ein Widerstand im MIB

Aber auch ein Mitte-Rechts-Bündnis um den früheren Regierungschef Silvio Berlusconi lässt keinen wirklich frischen Wind im Land erwarten. So würde Berlusconi bei einem Wahlsieg möglicherweise ebenfalls die Rentenreform aus 2011 zurückdrehen und Italiener wieder früher in Rente schicken.

Der aktuelle Kursschub im MIB könnte sich nach der Wahl auch ganz schnell in kräftigen Gewinnmitnahmen entladen. Bis dahin allerdings sind noch höhere Kurse vorstellbar. So hat der Leitindex nun den starken Widerstand bei rund 24'000 Punkten erreicht. Möglicherweise springt der Index noch vor dem Wahltermin im März über diese Marke – und das könnte einen weiteren Schub auslösen. Mit einem Faktor-Zertifikat mit konstantem Hebel (ISIN: CH0353671800, Laufzeit endlos) können Anleger solche Steigerungen um das Achtfache beschleunigen und überproportional verdienen.

Azimut mit starkem Wachstum

Wer auf Einzelwerte setzen will, sollte sich einmal Azimut vornehmen. Im aktuellen MIB-Aufschwung konnte der Finanzdienstleister besonders stark zulegen. Die Aktie kletterte in diesem Jahr bereits um rund 20 Prozent. Zwar präsentiert der Fonds-Spezialist und Vermögensverwalter seine Jahreszahlen erst am 8. März. Doch da es schon zum Halbjahr starkes Wachstum bei den Netto-Neugeldern und beim Ergebnis gab, ist auch ein gutes zweites Semester zu erwarten.

Zudem peilt der Konzern aus Mailand bis 2019 einen Gewinnanstieg um rund 20 Prozent an. Da dürfte die Dividende zumindest weiterhin bei 1.00 Euro je Aktie liegen – Rendite über fünf Prozent. Der Titel ist vor zwei Wochen aus dem Abwärtstrend und über die 200-Tage-Linie nach oben ausgebrochen und die psychologische Kursmarke von 20 Euro ist fast erreicht. Da sind weitere Kursgewinne drin.

Exor – Vermögenswerte legen kräftig zu

Mit einem Kursplus von ebenfalls rund 20 Prozent zählt mit Exor ein weiterer Finanzdienstleister zu den Top-Performern im MIB in diesem Jahr. Als Investmentgesellschaft – Hauptaktionär ist übrigens die Familie Agnelli – mit Sitz in Amsterdam profitierte das Unternehmen dabei von deutlichen Kursgewinnen einiger wichtiger Beteiligungen im Portfolio in den letzten Wochen oder Monaten.

Schon zum Halbjahr konnte der Finanzkonzern sein Nettovermögen um 17,5 Prozent auf 14,6 Milliarden Dollar steigern. Da sich beispielsweise die grösste Beteiligung – Fiat Chrysler, Exor hält da rund ein Drittel – seit Juli im Kurs verdoppelt hat, dürfte das Vermögen von Exor ebenfalls kräftig gewachsen sein und deutlich über dem aktuellen Börsenwert liegen.

Poste Italiane – hohe Dividenden

Mit einem Plus seit Jahresstart von rund fünf Prozent ist Poste Italiane zwar deutlich weniger stark gestiegen, als der FTSE MIB. Dennoch sollten Anleger den Post- und Versicherungskonzern genauer unter die Lupe nehmen. Wie in den Vorjahren ist dort auch für 2017 eine hohe Dividende von deutlich über fünf Prozent drin. Vielleicht steht aber auch eine Sechs vor dem Komma, wie der Konsens der Analysten vermutet. Die vorläufigen Jahreszahlen am 19. Februar könnten positiv überraschen.  

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