1. Home
  2. Invest
  3. Börsenbeben: Das verlorene Jahr der Schweizer Bluechips

Invest
Börsenbeben: Das verlorene Jahr der Schweizer Bluechips

Boerse
Kurse zum Verzweifeln: Wer in Schweiz Blue Chips investiert, hat keine guten Monate hinter sich.Quelle:

Dass gestern fast alle zwanzig SMI-Titel im Minus waren, erstaunt nicht. Aber: In den letzten zwölf Monaten sieht es kaum besser aus.

Marcel Speiser
Von Marcel Speiser
am 11.10.2018

Nein, es war kein guter Tag an der Schweizer Börse. Noch bis zum frühen Nachmittag gab es unter Aktienhändlern Hoffnung, der Abwärtssog aus Asien und den USA könnte abebben, weil Investoren nach den starken Korrekturen der Vortage wieder etwas Mut schöpfen würden. Doch die Unterstützung von der Wall Street ist ausgeblieben. Also zog der zwanzig Titel umfassende Standardwerte-Index SMI ab in den Keller. Konkret beendete der SMI den Handelstag mit einem Minus von 2,8 Prozent.

Am schlimmsten erwischt hat es die beiden Schwergewichte Novartis und UBS (siehe Grafik). Um mehr als 3,5 Prozent korrigierten aber auch die Valoren von Julius Bär und Roche. Einzig die Aktien von Sika und Lonza überstanden den stürmischen Tag ohne Verluste.

Keine Panik, aber Nervosität

Ein Händler kommentierte das Geschehen auf dem Parkett so: «Wenn man auch noch nicht von Panik sprechen sollte, die Leute sind schon etwas nervöser geworden.»

Anzeige

Doch ein Börsentag allein ist für Anleger wenig aussagekräftig. Dies umso mehr, als Anleger üblicherweise nicht hektisch traden, sondern ihre Assets eine ganze Weile halten. Allerdings zeigten die SMI-Titel auch in den letzten zwölf Monaten eine alles andere als berauschende Performance. Der SMI insgesamt verlor in diesem Zeitraum deutlich über sechs Prozent an Boden.

Konkret hat ein Viertel der Titel über das vergangene Jahr hinweg eine positive Performance hingelegt. Mit einem Plus von rund 16 Prozent sticht aber nur Lonza wirklich positiv hervor. Die anderen vier positiven Aktien – namentlich Swisslife, Givaudan, Zurich und Sika – bescheiden sich mit einstelligen Avancen (siehe Grafik unten).

Klares Schlusslicht: Adecco

Die Schwergewichte im Index allerdings – insbesondere die beide Grossbanken – sind dagegen tiefrot. Schlusslicht über zwölf Monate ist Adecco. Der Personalvermittler wurde von den Investoren regelrecht gerupft. Er hat mehr als ein Drittel seines Börsenwertes eingebüsst.

Will heissen: SMI-Anleger haben ein verlorenes Jahr hinter sich.

Die aktuellen Kurseinbussen erklären Börsianer unter anderem mit der Angst vor einer Eskalation des amerikanisch-chinesischen Handelsstreits, einer Abschwächung der Weltwirtschaft und einem weiteren Anstieg der Leitzinsen in den USA. «Steigende Zinsen bremsen nicht nur das Wirtschaftswachstum, sondern werden auch zu einer echten Alternative zu Aktienanlagen», so ein Händler.

«Normal für diese Phase des Bullenmarktes»

An den fundamentalen Faktoren wie der soliden US-Konjunktur oder der Gewinnentwicklung habe sich in der vergangenen Tagen nichts geändert, kommentierte die UBS. Sie halte daher an der Übergewichtung von Risikoanlagen fest. «Wir sehen das Marktgeschehen als ziemlich normal für diese Phase eines Bullenmarktes, die wahrscheinlich noch etwas anhalten dürfte.»

Ausserhalb der SMII-Titel fielen am Donnerstag insbesondere die Aktien von Ceva Logistics auf – mit einem Plus von 35 Prozent auf 25 Franken. Der Grund: Die dänische Transportfirma DSV hat dem Verwaltungsrat von Ceva ein Angebot von 1,5 Milliarden Franken oder 27.75 Franken je Aktie vorgeschlagen, das dieser jedoch ablehnt. Der angebotete Preis entspricht einer Prämie von gut 50 Prozent auf den Schlusskurs von Mittwoch.

(mit Material von Reuters und SDA)