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Börseninterview
Börsenexperte: «Bitcoin ist keine Anlagewährung»

GERMANY, FRANKFURT - SEPTEMBER 28: Symbol photo on the topics digital curreny, cryptocurrency, currency speculation, stock market, etc. The picture shows a Bitcoin  (coin physically) in front of the course blackboard of the German Stock Exchange in Frankfurt.  (Photo by Ulrich Baumgarten via Getty Images)
Bitcoin-Münze: Die Talfahrt der Internetwährung an den Börsen setzt sich fort.Quelle: 2018 Ulrich Baumgarten

Börsenexperte Jacques Stauffer rät Anlegern von Bitcoin ab – und sagt, welchen kleinen Schweizer Banktitel er statt UBS und CS bevorzugt.

Von Marc Bürgi
am 30.11.2018

Was beschäftigt derzeit die Finanzmärkte?
Jacques Stauffer*: Die Normalisierung der Zinsen in den USA hat tiefgreifende Konsequenzen und führt zu einer Verunsicherung der Investoren. Die wichtigsten Veränderungen sind eine höhere Volatilität und eine kraftvolle Rotation. Die Investoren schätzen die Äusserungen des Präsidenten der noch grössten Volkswirtschaft der Welt nicht, er spielt mit dem Feuer. Unser Turbulence Index ist in den letzten Wochen deutlich angestiegen, weshalb wir unsere Portfolios defensiver positioniert haben. Sollte sich auch der Systemic Risk Index, der die Risikokonzentration anzeigt, weiter erhöhen, wäre eine klare Untergewichtung der Sachwert-Quote angezeigt.

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Wie wird sich die Schweizer Börse kurzfristig entwickeln?
Der Schweizer Aktienmarkt ist seit der Korrektur im Februar an Ort getreten. Der Versuch im August, die alten Hochs zu erreichen, ist nicht gelungen. Da die Wintermonate üblicherweise eine gute Aktienentwicklung zeigen, könnte die Schweizer Börse saisonal bedingt – und aufgrund ihres defensiven Charakters – in den kommenden Monaten eine ansprechende Performance liefern. Wir halten deshalb vorerst an unserem Szenario fest, das ab Dezember bis in das erste Quartal 2019 hinein leicht steigende Börsenwerte erwartet.

JacquesStaufferParsumoBoerseninterview
* Jacques E. Stauffer ist Gründungspartner und Chef beim Vermögensverwalter Parsumo Capital. Er verfügt über mehr als 25 Jahre Erfahrung in der Vermögensverwaltung und in der Beratung institutioneller und privater Anleger, unter anderem bei der Credit Suisse.
Quelle: ZVG

Wo steht der SMI in zwölf Monaten?
Im nächsten Jahr wird die Börsenentwicklung stark vom globalen wirtschaftlichen Geschehen abhängen. Wir gehen davon aus, dass die aktuelle Wachstumsverlangsamung ein Ende nimmt und erwarten eine robuste Wirtschaftsentwicklung. Dies dürfte die Unternehmensgewinne und somit die Aktienkurse weiter antreiben. Solange wir nicht eine Phase hoher Risikokonzentration eintreten, könnte das Höchst des SMI von 9500 binnen der nächsten zwölf Monate noch einmal getestet werden.

Heute Freitag beginnt das G20-Treffen in Argentinien. Wird das Aufeinandertreffen von US-Präsident Donald Trump und Chinas Staatschef Xi Jinping für Entspannung im Handelsstreit zwischen den USA und China sorgen?
Beide Akteure wissen, dass sehr viel auf dem Spiel steht. Die Unberechenbarkeit des amerikanischen Präsidenten lässt jedoch keine vernünftige Prognose zu. Gemäss unseren proprietären Risikoindikatoren stiesse ein unversöhnliches Treffen auf eine eher labile Marktsituation. Wir sind deshalb vorsichtig und werden unsere Positionierung von der Entwicklung des Systemic Risk Index abhängig machen, der kurz vor einer äusserst wichtigen Grenze steht. Es braucht seitens beider Parteien eine dezidierte Verpflichtung zur Entspannung, damit die Märkte nicht weiter – und in der Folge – deutlich korrigieren. Wir stehen sozusagen auf Messers Schneide.

Der Preis für Bitcoin ist unter 4000 Dollar gefallen. Was muss passieren, damit die Cyberwährung wieder an Wert gewinnt?
Bitcoin ist keine Anlagewährung. Bei dieser Einstellung, die wir seit Beginn der Euphorie und nun auch während des Zerfalls vertreten haben, bleiben wir. Die Blockchain-Technologie ist hingegen revolutionär und vielversprechend. Sie eröffnet enorme Chancen in Bereichen, die aufgrund ihrer zentralisierten Struktur oder mangelndem Vertrauen an grossen Ineffizienzen leiden. Obwohl die Blockchain-Technologie heute noch nicht für den breiten Anwendungsbereich nutzbar ist, sind wir überzeugt, dass dies nur eine Frage der Zeit ist. Wir begrüssen es, dass die Schweiz mit Initiativen wie dem Zürcher Blockchain-Hub «Trust Square» oder dem digitalen Trade Finance Projekt «Batavia» ganz vorne mitspielt.

Uber-Schriftzug auf Auto
Uber: Der Fahrdienstvermittler steuert die Wall Street an.
Quelle: Keystone

Die Börsengänge von Airbnb, Uber und WeWork stehen kurz bevor. Mit was für einem Debüt der Techkonzerne an der Wall Street rechnen Sie?
Technologietitel haben in den vergangenen Wochen wegen der angesprochenen Rotation deutliche Einbussen hinnehmen müssen. Die Basis für IPO von Technologieunternehmen hat sich deshalb verschlechtert, und die erwarteten Bewertungen (gemäss CNBC 31 Milliarden Dollar für Airbnb, 35 für WeWork und gar 72 Milliarden Dollar für Uber) müssen korrigiert werden. Für diese Unternehmen spricht allerdings, dass sie seit geraumer Zeit operieren, einen hohen Bekanntheitsgrad aufweisen und als «first mover» teilweise bereits gutes Geld verdienen. Da das Segment der Large Caps in den USA effizient ist, nehmen wir keine aktive Titelselektion vor und empfehlen Investoren kostengünstige passive Lösungen wie Indexfonds.

Die beiden Grossbankentitel UBS und CS haben in diesem Jahr stark an Wert verloren. Könnte 2019 eine Trendwende einleiten?
Bankentitel stehen in der Schweiz massiv unter Druck. Zum einen sind ihre einzigartigen Margen am Bröckeln, zum anderen scheinen die Banken die Zeichen der Zeit noch nicht erkannt zu haben. Statt sich auf ihre Kunden zurückzubesinnen und ihr Preis-Leistungs-Verhältnis der Aktualität anzupassen, halten sie an ihren Margen fest. Deshalb wenden sich immer mehr Kunden von ihnen ab und nehmen alternative Dienstleistungen in Anspruch. Interessanterweise steht die Hypothekarbank Lenzburg ganz oben auf unserer Faktor-Rangliste, weit vor CS oder UBS. Sie setzt schweizweit als einzige Bank auf eine offene Schnittstellen-Infrastruktur, und innovative Fintechs können mühelos an ihrem System andocken.

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