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Börseninterview
Börsenexperte: «Korrekturen am Finanzmarkt sind gesund»

Wall Street
Börsenhändler in New York: Der S&P 500-Index umfasst die 500 grössten Unternehmen der USA. Quelle: Copyright 2018 The Associated Press. All rights reserved

CS-Experte Burkhard Varnholt findet die Korrekturen beim S&P 500 normal. Von einer Rezession sei man in den USA weit entfernt.

Von David Torcasso
am 03.11.2018

Was beschäftigt derzeit die Finanzmärkte?
Drei Fragen dominieren aktuell alle Gespräche mit Investoren. Erstens: Wie ist die jüngste Korrektur zu deuten: Rückschlag oder Wendepunkt? Zweitens: Wie geht es weiter an der Zinsfront? Drittens: Was bedeutet der Handelskrieg für China und die Weltwirtschaft?

Wie wird sich die Schweizer Börse kurzfristig entwickeln?
Die Chancen auf eine Erholung sind - ähnlich zu den globalen Aktienmärkten - intakt. Wir halten die jüngste Korrektur für vorübergehend und sind in Schweizer Aktien gegenwärtig übergewichtet.

Wo steht der SMI in zwölf Monaten?
9400 Punkte.

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Das Muster, dass nach Kursverlusten eine rasche Gegenbewegung folgt, ist in diesem Jahr kaum zu beobachten? Weshalb sind die Anleger zurückhaltender als vor 2 bis 3 Jahren?
An den Börsen existieren keine solchen Muster. Würde auf jede Korrektur zwangsläufig eine Gegenbewegung folgen, so gäbe es keine Korrekturen. Was hingegen zutrifft ist, dass die Börsenhausse der letzten zehn Jahren unverändert von einer tiefen Skepsis der Anleger begleitet wird. Mehr als zwei Drittel der Aktienkäufe der letzten zehn Jahre in den USA gehen auf Aktienrückkäufe von Unternehmen - und nicht auf Anlageentscheide von Investoren zurück.

Es ist aber keine Rezession in den USA oder Europa zu beobachten. Sind es lediglich Korrekturen?
Wir denke schon. Schauen Sie sich den S&P 500 an. Seit Beginn seiner Hausse im April 2009 hat er sich zwar verdreifacht, aber er hat auch 62 Panik-Attacken, also Korrekturen von über 5 Prozent erlebt. Solche Korrekturen sind etwas Normales, ja sogar etwas Gesundes an den Finanzmärkten. Vergessen wir nicht, dass die durchschnittliche, annualisierte Rendite von Aktien sowohl in der Schweiz wie auch in den USA während der letzten zehn Jahre immer noch deutlich über der risikolosen Rendite liegt. Und noch etwas: es ist auffällig, dass während der jüngsten Aktienkorrektur - im Unterschied zu den meisten - die Kapitalmarktrenditen nicht gesunken sind. Das bestätigt den Eindruck, dass diese Korrektur weniger einer allgemeinen Rezessions-Sorge folgt als vielmehr einer überraschten Reaktion auf die Ankündigung vieler Unternehmen, dass ihre Gewinne in Zukunft weniger stark als im ablaufenden Jahr wachsen werden.

Gold galt viele Jahre als Krisenwährung. Aber nicht so in diesem Jahr. Zuletzt stieg das Edelmetall wieder leicht an. Ist das der Beginn einer anhaltenden Aufwärtsbewegung?
Eine Schwalbe macht noch keinen Frühling und der Mythos, Gold sei eine sichere Krisenwährung stand schon immer auf wackligen Beinen. Im 2. und Anfang des 3. Quartals wurden Edelmetalle durch den stärkeren USD belastet und sind aufgrund der derzeit starken inversen Korrelation zum Greenback recht anfällig. Aufgrund der extremen Short-Positionen könnte es jedoch durch Deckungskäufe zu einem Anstieg kommen. Unsere 12-Monats-Goldprognose ist 1250 Dollar pro Unze.

Burkhard Varnholt
*Burkhard Varnholt ist Chief Investment Officer Schweiz bei der Credit Suisse Schweiz.
Quelle: ZVG

Der Nasdaq verlor deutlich an Terrain. Lohnt sich jetzt der Einstieg? Erwarten Sie eine Jahresendrally der Technologiewerte?
Durchaus möglich. Aber solche 2-Monats-Prognosen haben mehr Unterhaltungswert als Substanz. Erfolgreiche Vermögensverwaltung ist das Resultat eines disziplinierten, ganzheitlichen Prozesses, der weniger auf kurzfristigem Timing als auf einer sorgfältigen Portfoliokonstruktion basiert. Die Binsenweisheit «Hin und Her macht Taschen leer» ist keine Aussage über Gebühren, sondern eine Aussage über Anlageprozesse.

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