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Börsenexperte Thomas Heller setzt weiter auf Immobilien

Italien Salvini Innenminister
Italiens Innenminister Matteo Salvini: Seine Regierung steuert auf eine Konfrontation mit der EU hin.Quelle: Keystone

Börsenexperte Thomas Heller rechnet mit einer weiteren Zuspitzung in Italiens Streit mit der EU - und er setzt weiterhin auf Immobilien.

Von Marc Bürgi
am 16.11.2018

Was beschäftigt derzeit die Finanzmärkte?
Es sind zum einen unverändert politische Themen, welche das Marktgeschehen mitbestimmen: Der Handelskonflikt, die Budgetdebatte in Italien, die Brexit-Verhandlungen. Neu bewegen aber auch fundamentale Faktoren die Märkte. Dazu gehören etwa Zinsängste in den USA. In der Eurozone sind es die eher enttäuschenden Unternehmensergebnisse und die unerwartet starke Wachstumsverlangsamung.

Wie wird sich die Schweizer Börse kurzfristig entwickeln?
Nach der deutlichen Korrektur der letzten Wochen rechnen wir nicht mit einem weiteren Ausverkauf. Viele der latenten Risiken dürften eingepreist sein, eine Gegenbewegung ist möglich. Für eine markante, nachhaltige Erholung gibt es kurzfristig allerdings wenig Argumente.

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Thomas_Heller_SZKB_Börseninterview
*Thomas Heller ist CIO und Leiter Research bei der Schwyzer Kantonalbank.
Quelle: ZVG

Wo steht der SMI in zwölf Monaten?
Ich bleibe bei meiner Aussage an dieser Stelle vor knapp zwei Monaten: 2019 könnte - wie schon 2018 - ein anspruchsvolles Jahr werden für den hiesigen Aktienmarkt. Gut möglich, dass wir in 12 Monaten nur unwesentlich höher stehen als heute. Ich halte an meiner SMI-Prognose von 9300 Punkten fest.

Experten warnen vor einer Trendwende bei den Preisen für Mehrfamilienhäusern. Raten Sie Anlegern derzeit noch zu Investitionen in den Schweizer Immobilienmarkt?
Es ist schon richtig, in einigen Marktsegmenten ist der Zenit wohl erreicht oder gar überschritten und die anhaltende Emissionswelle ist eine Belastung für den Markt. Dennoch würde ich meinen, dass Immobilienanlagen immer noch in ein diversifiziertes Portfolio gehören. Die hohen Bewertungen haben sich weitgehend normalisiert und sind nicht mehr eine Bedrohung wie noch Anfang Jahr. Sie würden wohl auch einen gewissen Zinsanstieg verkraften. Bei Langfristzinsen von praktisch null, ist die Ausschüttungsrendite von Immobilienfonds mit knapp 3 Prozent zudem sehr attraktiv.

Italien und die EU führen einen Konflikt über die Defizitregeln. Wie stark belastet der Schlagabtausch mit Brüssel die drittgrösste europäische Volkswirtschaft?
Den nur marginal überarbeiteten italienischen Budgetentwurf wird die EU fast sicher ablehnen. Das wird Rom jedoch wenig kümmern. Die Konfrontation scheint programmiert. Aber der Schlagabtausch mit Brüssel ist per se wenig relevant. Es wird nicht die EU-Kommission sein, die Italien einlenken lässt. Der Markt wird diese Rolle übernehmen. Eine Ausweitung des Zinsaufschlag Italiens von heute gut 3 Prozent auf 4 Prozent oder mehr, könnte die Regierung zwingen, Anpassungen bei den Haushaltsausgaben vorzunehmen.

Das Risikobarometer Vix an der Wall Street notiert im Hoch. Haben Anleger Grund, sich über die Entwicklung der US-Börsen Sorgen zu machen?
Die USA sind fundamental in starker Verfassung: Die Konjunktur läuft auf Hochtouren, die Unternehmensgewinne sind gut und der US-Aktienmarkt hat den Rest der Welt in diesem Jahr deutlich geschlagen. Die Bewertungen – absolut und relativ zu Obligationen – sind entsprechend etwas angespannter. Dadurch ist einerseits die Fallhöhe in den USA höher als anderswo und die Überperformance könnte sich relativieren. Einige der latenten Risiken treffen allerdings andere Länder und Regionen stärker als die USA. Also wenn man sich Sorgen macht, dann nicht nur wegen den USA.

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