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Börseninterview
«Wir erwarten nur noch bescheidene Kursgewinne»

Wall-Street-Händler: Die Börsen sind im Hoch.Quelle: Getty/Spencer Blatt

Der Swiss Market Index ist stark in das Handelsjahr gestartet. Der Steigflug dürfte sich nicht fortsetzen, sagt dieser Experte.

Was beschäftigt derzeit die Finanzmärkte?
Heinz Rütimann*: Die Finanzmärkte beschäftigt insbesondere die kommende Gewinnberichtssaison. Diese wird von den grossen Finanzwerten eröffnet und wird zeigen, ob die hohen Erwartungen erfüllt werden können. Dann natürlich was den nächsten Börseneinbruch auslösen könnte und wann. Die Volatilitäten sind nahe an den Tiefstständen und die Monatsrenditen des MSCI AC World Index waren über die letzten 13 Monate immer positiv. Das gab es noch nie.

Wie wird sich die Schweizer Börse kurzfristig entwickeln?
Seit Jahresanfang ist der SMI um +2,5 Prozent und der SMI Mid Caps (liquide, mittelgrosskapitalisierte Firmen) um +3,5 Prozent gestiegen. In diesem Tempo wird es sicherlich nicht weitergehen und eine Verschnaufpause wäre angebracht. Vergleichen wir die zwei Indexes, so sehen wir weiterhin mehr Potenzial in den mittelgrosskapitalisierten Firmen. Diese Aktien sind zyklischer ausgerichtet und das Gewinnwachstum ist höher.

Wo steht der SMI in zwölf Monaten?
Im 2017 stieg der SMI um 18 Prozent und ist bereits stark ins Jahr 2018 gestartet. Für Ende Jahr erwarten wir einen Indexstand von 9800 Punkten. Also nur noch bescheidene Kursgewinne.

Viele Anleger interessieren sich für Aktien aus Schwellenländern. Eignen sich solche Investitionen für alle Anleger?
Grundsätzlich müssten alle Anleger an einem möglichst diversifizierten Aktienportfolio interessiert sein. Somit eigenen sich Schwellenländeranlagen für alle Anleger. Im Vergleich zu den entwickelten Märkten haben Schwellenländeranlagen ein höheres Wachstumspotenzial. Dafür sind die politischen und Währungsrisiken höher.

Welche Börsen in Schwellenländern halten Sie derzeit für attraktiv?
Unsere bevorzugte Region sind die Schwellenländer Asiens. In China halten wir Firmen im Bereich der strukturellen Themen IT, Gesundheitsversorgung, Tourismus und Schutz der Umwelt für äusserst attraktiv. Südkoreas Wirtschaft ist nach dem Regierungswechsel im Aufschwung, exportiert Spitzentechnologie und die Gesprächsbereitschaft mit Nordkorea reduziert die Aktienrisikoprämie. In Indien ist der Reformwille ungebrochen und die Umsetzung der Reformen ist in vollem Gange. Dies wird unterstützt von der breiten Bevölkerung. 

In der Schweiz haben verschiedene Anbieter Robo-Advisors lanciert. Für welche Anleger eignet sich die rein digitale Vermögensverwaltung?
Robo-Advisors sind geeignet für Investoren mit einer weniger komplexen Vermögensbasis, die möglichst kostengünstig kleinere und grössere Vermögen verwalten wollen, keine Beratung beanspruchen und ihre Anlagen nicht auf spezifische Bedürfnisse anpassen wollen. Die Industrie in diesem Bereich ist noch jung und der Markt für Robo-Advisors wird sich weiterentwickeln und noch flexibler werden.

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*Heinz Rüttimann ist Aktienstratege Schwellenländer bei der Bank Julius Bär in Zürich.