Brasilien hält die Ratingagenturen auf Trab.

Moody’s Investors Service, Standard & Poor’s und Fitch Ratings haben seit Januar bereits bei 93 Unternehmen die Kreditwürdigkeit heruntergestuft. Das ist mehr als in jedem vollen Jahr seit 2002, und es dürfte damit noch nicht getan sein. Die Spekulationen nehmen zu, dass Moody’s auch die Bonitätsnote des Landes herabsetzten wird. Der Schritt würde sich auch auf die Ratings staatlicher Unternehmen und Banken auswirken.

Sinnbild für Krise

Die Flut an Herunterstufungen steht sinnbildlich für die sich verschärfende Krise in Brasilien, mit dem sich ausweitenden Bestechungsskandal und dem stärksten wirtschaftlichen Abschwung von Lateinamerikas grösster Volkswirtschaft seit einem Vierteljahrhundert.

Die Ratingsenkungen haben dazu geführt, dass Anleiheinvestoren brasilianische Unternehmen meiden, was wiederum zu einem Anstieg der Finanzierungskosten bei den Firmen geführt hat. «Moody’s wird Brasilien mit Sicherheit herunterstufen», erklärte Juan Carlos Rodado, Direktor der Lateinamerikaanalyse bei Natixis North America LLC in New York, per E-Mail. «Es wird auch weitere Herunterstufungen bei Unternehmen geben.»

Trüber Ausblick

Der trübe Ausblick für die brasilianischen Unternehmen wird deutlich im Markt für Dollar-denominierte Anleihen: Die durchschnittliche Rendite ist nach Angaben von JPMorgan Chase & Co. bis an ein Dreimonatshoch bei 7,27 Prozent gestiegen. Zum Vergleich: Die durchschnittliche Rendite von Unternehmensanleihen aus Schwellenländern liegt bei 5,52 Prozent.

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Die gestiegenen Finanzierungskosten haben auch zu einem Rückgang bei Brasiliens Auslandsanleiheemissionen von 80 Prozent in diesem Jahr geführt.

Moody’s: negativ gestimmt

Moody’s benotet Brasilien derzeit mit «Baa2» auf der zweitniedrigsten Investmentgrade-Stufe und mit einem negativen Ausblick. Die Ratingagentur, die Brasilien in der vergangenen Woche einen Besuch abgestattet hatte, erklärte am Donnerstag, es habe sich dabei um einen regulären technischen Besuch gehandelt, wie er bei allen Ländern, die von Moody’s benotet würden, periodisch durchgeführt werde.

Als Moody’s im September Brasiliens derzeitige Kreditwürdigkeit mit einem negativen Ausblick versah, begründete die Ratingagentur dies mit den wirtschaftlichen Problemen und einer sich verschlechternden Finanzlage. Am Donnerstag sagte Moody’s in einer Studie voraus, dass die Wirtschaft dieses Jahr um 1,8 Prozent schrumpfen werde. Das ist pessimistischer als die Prognose der Analysten, die von der Zentralbank befragt wurden und mit einem Minus von 1,5 Prozent rechnen.

(bloomberg/ise/hon)