Kühne + Nagel und Panalpina, die beiden grössten Schweizer Logistikunternehmen, wurden seit Jahresbeginn an der Börse abgestraft. Die Aktie von Kühne + Nagel verlor bisher rund 18%, Panalpina hat in diesem Jahr rund einen Drittel des Werts abgegeben.

Das starke Ergebnis von Kühne + Nagel konnte der Aktie nur kurz neues Leben einhauchen. Das Logistikunternehmen verspürte zwar im 4. Quartal einen deutlichen Abschwung, trotzdem konnte im abgelaufenen Geschäftsjahr in allen Bereichen ein Wachstum verzeichnet werden. Der resultierende Cashflow übertraf mit 866 Mio Fr. die Analystenerwartungen sogar deutlich.

Kühne + Nagel-CEO Reinhard Lange rechnet für 2009 erstmals seit langem nicht mit einem neuen Rekordergebnis. «Den Rückgang beim organischen Wachstum können wir wohl nicht mit geplanten Übernahmen wettmachen.» Der zweistellige Rückgang von Anfang Jahr, -20% bei der Luftfracht im Januar allein, werde sich nur langsam abflachen. «Der Lagerabbau der Hersteller muss fortgesetzt werden. Erst wenn die Lager bereinigt sind, wird sich eine Stabilisierung der Transportvolumina einstellen», so Fabian Baumann, Analyst bei Kepler Capital Markets.

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Logistiker unter Druck

Auch die Kontraktlogistik, bisher ein Wachstumsmotor der Branche, leidet. Das Kooperationsmodell zwischen Hersteller und Logistiker droht in Krisenzeiten zu einem Risiko für die Transporteure zu werden. Sie bleiben auf Fixkosten, wie etwa ungenutzte Lagerhallen, sitzen. Beim Speditionsunternehmen DHL waren bereits kräftige Abschreiber im Bereich Kontraktlogistik notwendig. Weiter sorgt der ständige Ausbau der internationalen Flotten für Überkapazitäten auf den Weltmeeren. «Die erwartete Steigerung der Frachtraten erhöht den Druck auf die Marge», schätzt Lange.

Wachstumschancen sieht er unter anderem im Ölgeschäft. «Wir planen, dieses Jahr nach Panalpina zur Nummer zwei im Öl- und Gasbereich aufzusteigen», wie er gegenüber der «Handelszeitung» erklärt. Die Bilanz sei so stark, dass unabhängig von Bankkrediten besonders im Landverkehr weitere Akquisitionen zu erwarten seien.Trotzdem tritt der Konzern hart auf die Kostenbremse. Nach dem Abbau von rund 1800 Stellen bis Ende Januar hält Lange die Streichung von weiteren bis 4500 Stellen für realistisch. Weil es keine Gehaltserhöhungen mehr gibt, verzichtet der neue CEO trotz Aufstieg auf eine Aufbesserung.

Panalpina mit grösseren Risiken

Noch stärker als Kühne + Nagel dürfte Panalpina unter der Verlagerung der Transportvolumen von der Luftfracht hin zur günstigeren Seefracht leiden. Wie stark der Rückgang ist, wird sich in wenigen Tagen zeigen. Panalpina stellt die Bilanz 2008 am Donnerstag, 12. März, vor. Das Unternehmen generiert rund die Hälfte des Umsatzes in diesem Segment.

Weiteres Ungemach droht beiden Schweizer Logistikern durch die Kartellbehörden. Das Verfahren wegen des Verdachts illegaler Treibstoffzuschläge zieht sich derzeit noch hin.

Wegen der Verwicklung in einen Korruptionsskandal muss Panalpina mit einer zusätzlichen Strafe aus den USA rechnen. Noch ist unklar, wie diese ausfallen wird, diese Ungewissheit belastet die Aktie. Die Analysten von Vontobel halten eine Busse von über 100 Mio Fr. zumindest für möglich. «Wann die zuständige Behörde einen Entscheid fällt, ist noch offen. Eine rasche Beendigung des Verfahrens würde Panalpina sicher entgegenkommen», sagt Fabian Baumann von Kepler Capital Markets. Mit einem Entscheid ist erst gegen Ende 2009 zu rechnen.

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nachgefragt


«Ich verzichte auf einen höheren CEO-Lohn»

Der neue CEO von Kühne + Nagel, Reinhard Lange, über Kostenmassnahmen und Aussichten.

Kühne + Nagel baut rund 10% des Personals ab und verfügt einen Lohnerhöhungsstopp. Und Ihr Lohn?

Reinhard Lange: Obwohl ich Anfang Jahr zum CEO aufgestiegen bin, verzichte ich angesichts der Kostensenkungen komplett auf eine Lohnerhöhung.

Wann rechnen Sie mit Erholung?

Lange: Wir können nicht mit einem weiteren Rekordjahr rechnen. Einen Ansatz für eine kurzfristige Erholung sehen wir nicht. Wir erwarten in den ersten zwei Quartalen weitere Volumenrückgänge im Markt. Klar ist: Wir wollen aber über dem Markt wachsen.