An der Rittergasse in Basel im Herrenhaus früherer Mäzene liegt der Hauptsitz der ältesten Basler Bank. Im altehrwürdigen Gemäuer steckt eine lange Tradition. Seit 1787 haben sich die Teilhaber dieser Bank mit ihrem persönlichen Vermögen dem Dienste der Bank verschrieben. Läuft etwas schief, müssen sie dafür geradestehen. Damit wird nach 226 Jahren nun gebrochen. Es ist ein beinahe klangloser Bruch, ein Communiqué, das die Umwandlung der Rechtsstruktur in eine Aktiengesellschaft letzte Woche verkündete.

Die La-Roche-Teilhaber verlassen damit die Zunft der Privatbankiers. Von diesen gibt es in der Schweiz immer weniger. Die Basler Bank ist nach den Genfer Privatbanken Pictet, Lombard Odier und Mirabaud das vierte Institut, das ab 2014 als Aktiengesellschaft fungiert. In einer Realität, die durch den Strukturwandel in der Finanzindustrie und den Steuerstreit mit den USA geprägt ist, steigen die Risiken gerade für kleinere Privatbanken. Dass es auch mit genügend Haftungssubstanz der Teilhaber zum Kollaps kommen kann, zeigte der Fall der St. Galler Privatbank Wegelin.

Aktiengesellschaft haftet

Deshalb entscheiden sich immer mehr Privatbanken gegen die uneingeschränkte Haftung mit ihrem privaten Vermögen und für die Kommandit-Aktiengesellschaften. Mit dieser Rechtsform haften die Teilhaber nur noch unbeschränkt für die Verbindlichkeiten der Kommandit-Aktiengesellschaft (KAG). Sämtliche Bankrisiken (wie Kredit-, Gegenparteien- oder Rechtsrisiken) sind davon ausgenommen. Für sie haftet die Aktiengesellschaft. Für die Teilhaber bedeutet das eine massive Reduktion der Risiken. Deshalb dürfte die Haftungsflucht zunehmen.

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Der Basler Christoph Gloor ist Teil des sechsköpfigen Teilhabergremiums der Bank La Roche. Als die Genfer Privatbankiers Pictet und Lombard Odier Anfang dieses Jahres gemeinsam den Wechsel zur Kommandit-Aktiengesellschaft bekannt gaben, hatte sich Gloor noch skeptisch gegen die neue Rechtsform geäussert. In einem Interview in der «Handelszeitung» unterstrich er die Vorteile des traditionellen Teilhabermodells und gab zu bedenken, dass die Banken mit dem Wandel zur Aktiengesellschaft ihre Unabhängigkeit verlieren. Das Umfeld habe sich geändert, sagt Gloor heute. «Es ist schwierig geworden, das alte Modell der solidarischen Haftung noch zu erklären.» Die neue Rechtsform bringe mehr Sicherheit, was die Kapitalstruktur, die Erfüllung steigender Regulierungen und das internationale Geschäft angehe.

Jede Privatbank müsse ihre Risiken analysieren und die Frage nach der Haftung für sich beantworten, sagt Philippe Zimmermann, Leiter Legal und Compliance für Finanzdienstleister bei der Beratungsfirma EY. «Für international tätige Privatbanken steigt der Aufwand, die jeweiligen Richtlinien zu erfüllen, und es wächst die Gefahr, von ausländischen Steuer- oder Aufsichtsbehörden belangt zu werden.» Das alte Modell mache noch bei kleinen Nischenanbietern Sinn, die sich vor allem auf das Geschäft in der Schweiz fokussierten.

Auch hiesige Regulierungen der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht (Finma) machen den Banken zu schaffen. «Der Regulator zeigt immer weniger Verständnis für unsere bisherige Rechtsform der Personengesellschaft», sagt Gloor. Der ganze Regulierungsapparat fusse auf einer strikten Trennung zwischen Verwaltungsrat und Geschäftsleitung – wie sie es bei der Kommanditgesellschaft nicht gibt. Ohne diese Form der geforderten Corporate Governance sei es immer schwieriger geworden, die regulatorischen Vorschriften umzusetzen. Auch die Eigenkapitalstruktur der Bank will Gloor weiter verbessern. Die «ohnehin gut ausgestattete» Eigenkapitalbasis werden er und seine Mitteilhaber nochmals um zusätzliche 38–50 Prozent erhöhen.

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Bei der Vereinigung der Schweizerischen Privatbankiers begrüsst man die haftungsrechtlichen Massnahmen ihrer Mitglieder. Ab 2014 werden vier der bisher elf Privatbankiers die Rechtsstruktur ändern. Das sind vier, die schwer wiegen: Von der Umstellung seien mit Pictet, Lombard Odier, Mirabaud und La Roche bald 80 Prozent der gesamten Belegschaft der Mitgliederbanken betroffen, sagt Michel Dérobert, Geschäftsführer der Vereinigung Schweizerischer Privatbankiers. Man könne die Vergangenheit nicht konservieren. «Die Institute werden aber alles tun, um ihre eigene Unternehmenskultur zu erhalten.» Ob das gelingt, werde man erst sehen, wenn die rechtliche Umwandlung vollzogen sei. Dérobert schliesst nicht aus, dass sich weitere Mitglieder den Schritt zur Rechtsumwandlung überlegen werden.

Den Hauptgrund, das alte Rechtskostüm der Kommanditäre an den Nagel zu hängen, seien Expansionspläne vieler Institute, sagt Dérobert. Ausländische Behörden kennen die Rechtsgrundlage einer Kommanditgesellschaft nicht und vergeben Zulassungen nur an Aktiengesellschaften. Das sei mitunter ein Grund bei La Roche gewesen, sagt Gloor. Zurzeit prüfe man in Basel aber nicht zuletzt auch wegen Mifid II den Ausbau einer Auslandniederlassung. Denn gerade mit den neuen europäischen Finanzmarkt-Richtlinien (Mifid II) drohe den Schweizer Banken im Ausland der Filialzwang, sagt Berater Zimmermann – wenn sie dort weiterhin Kunden betreuen und akquirieren wollen.

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Erleichterte Expansion

Während neben den grossen Genfer Privatbanken Pictet und Lombard Odier auch kleinere Institute wie La Roche rechtlich mehr Sicherheit schaffen, wollen andere Privatbanken von einem neuen Rechtskostüm nichts wissen. «Wir wollen auch inskünftig am Modell der Kommanditgesellschaft festhalten», sagt Teilhaber Christian Rahn bei Rahn & Bodmer. Gerade was die europäischen Richtlinien zu Mifid II angehe, wisse zum heutigen Zeitpunkt noch keiner, ob und wie die Anforderungen nach ausländischen Niederlassungen geregelt sein würden.

Die Wahl zur Aktiengesellschaft biete den Banken ausserdem die Möglichkeit, endlich mehr Transparenz in ihr verschwiegenes Geschäft zu bringen, sagt Andreas Dietrich. Der Bankenprofessor an der Hochschule Luzern (HSLU) bezweifelt jedoch, dass sich die Finanzhäuser dem Publikum mit der neuen Rechtsform tatsächlich mehr öffnen werden. «Bis jetzt sehe ich diesbezüglich keine grossen Veränderungen.» Dabei sei eine erhöhte Transparenz ebenfalls wesentlicher Bestandteil einer guten Corporate Governance.

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Mit der Zustimmung der Finma wird in den historischen Mauern des La-Roche-Hauptsitzes an der Rittergasse 25 ab 2014 eine neue Ära Einzug halten. Dann wird das Traditionshaus 2015 nach 228 Jahren seinen ersten Geschäftsbericht publizieren. Ob die neue Rechtsstruktur den erhofften Vorteilen Rechnung tragen kann, wird dann wohl schwarz auf weiss ablesbar sein.