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Banken
BSI: Die verschmähte Braut

Der Palazzo BSI gegenüber dem Hauptsitz der Bank in Lugano: Noch kein Käufer in Sicht.

Der Verkauf des Tessiner Traditionshauses stockt. Schuld sind hausgemachte Probleme und die bezahlten Volksvertreter.

Von Roberto Stefano
am 17.10.2012

Wer den Palazzo BSI an der Via Canova in Lugano betritt, wähnt sich in einer Galerie für zeitgenössische Kunst. Namhafte Künstler wie Daniel Buren, Robert Barry, John Armleder oder Liam Gillick machen den Hauptsitz der ältesten Tessiner Bank zum Gesamtkunstwerk. Das Finanzinstitut schaffte es damit gar ins renommierte britische Kunstblatt «Art Newspaper».

Doch jüngst macht die Bank ganz andere Schlagzeilen. Die italienische Wirtschaftszeitung «Il Sole 24 Ore» meldete im Juni, das Tessiner Traditionshaus stehe kurz vor dem Verkauf. Passiert ist seither aber wenig. Zu gross sind die Schwierigkeiten, die sich ein Käufer mit der BSI ins Haus holen würde. Auf einem erfolgreichen Verkaufsabschluss lastet nicht nur die schwierige konjunkturelle Lage, sondern auch viele hausgemachte Probleme.

Schweizer Interessenten könnte es höchstens für Teile der Tessiner Bank geben. Wie ein Berater einer internationalen Revisionsgesellschaft bestätigt, haben sich aber bereits aus­ländische Institute mit den Büchern des ­Finanzinstitutes auseinandergesetzt. «Ein Interessent aus China führte laut Informationen aus der internen Revision der BSI gar eine Due Diligence in ­Lugano durch», weiss er zu berichten. Ähnlich klingt es bei einem langjährigen Kenner des Tessiner Finanzplatzes. «Es fanden schon Gespräche statt. Die Verhandlungen laufen aber immer noch weiter», weiss er. Selbst das BSI-Management soll im direkten Dialog mit mehreren Interessenten stehen.

Doch über die Gesprächsphase hinaus scheinen die Kontakte mit möglichen Käufern nicht zu kommen. Wie aus gut unterrichteten Kreisen zu erfahren ist, wurde noch nicht einmal ein Information Memorandum erstellt, in dem die detaillierte Beschreibung des zu verkaufenden Objektes enthalten ist. Für Anfragen der «Handelszeitung» waren weder BSI-Chef Stefano Coduri noch Verwaltungsratspräsident Alfredo Gysi erreichbar.

Due Diligence bei BSI in Lugano

Klar ist deshalb nur eines: Dass Generali verkaufen will. Nachdem Konzernchef Giovanni Perissinotto im Sommer abgesetzt worden ist, fordert der Verwaltungsrat von dessen Nachfolger Mario Greco eine Konzentration auf die Kernaktivitäten. Dazu gehört BSI nicht. Hinzu kommt, dass der Versicherungskonzern bis 2014 2,5 bis 3 Milliarden Euro an frischem Geld braucht. Zu diesem Zeitpunkt wird eine Verkaufsoption auf das Gemeinschafts­unternehmen Generali PPF wirksam, über das Generali in Osteuropa aktiv ist. Die Chancen in diesem Wachstumsmarkt lassen sich die Italiener nicht entgehen. Die beiden Investmentbanken JP Morgan und Mediobanca sollen mit dem Verkaufsmandat betraut worden sein.

Doch auch diese Profis haben Mühe, BSI erfolgreich anzupreisen. Ein Grund für die Zurückhaltung ist der Wunschpreis von 2,4 Milliarden Franken, welcher gemäss Marktkennern Generali vorschwebt. «Derzeit sind die Käufer in der Regel nur bereit, maximal 1 Prozent der verwalteten Vermögen zu bezahlen», erklärt ein Investmentbanker. Im Falle der BSI würde dies einem Verkaufspreis von rund 1 Milliarde Franken entsprechen. Angesichts der vielen Herausforderungen, die beim Tessiner Traditionshaus anstehen, ist es wenig wahrscheinlich, dass ein Käufer viel mehr zu zahlen bereit ist.

Die Schwierigkeiten sind nicht zu unterschätzen. Im wichtigen Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft nimmt die BSI seit längerem immer weniger ein, da sich die Kunden immer weniger an den ­Finanzmärkten engagieren. 2011 sank der Bruttogewinn der BSI denn auch um 19 Prozent auf 166 Millionen Franken. Immerhin zeigte sich im 1. Halbjahr 2012 wieder ein Aufwärtstrend. Doch an der Unlust der Anleger an den Börsen änderte sich nichts.

Hohe Kosten aus Fusion

Wachstum erreicht BSI vor allem in Asien. Die Bank besitzt seit März 2012 eine Niederlassung mit voller Banklizenz in Hongkong. Doch der erhebliche Ausbau der Präsenz in den Wachstumsmärkten treibt die Kosten in die Höhe. Trotz mehr als 10 Milliarden Dollar an verwalteten Kundenvermögen und 240 Mitarbeitern arbeitet die Bankentochter in Singapur nicht profitabel. Erst 2013 soll dort laut BSI die Gewinnschwelle erreicht werden. «Das Geschäft in Asien läuft eigentlich erfreulich, ist aber mit hohen Kosten, unter anderem für garantierte Boni, verbunden», weiss ein Branchenkenner. Bereits 2010 wechselte Hanspeter Brunner, langjähriger Schweizer Co-Chef der Privatbank Coutts, zur Generali-Tochter. An die hundert seiner Mitarbeiter sollen ihm ­damals gefolgt sein. Ohne finanzielle Versprechen war das kaum möglich.

Doch nicht nur in Asien kämpft das ­Finanzinstitut mit beträchtlichen Aufwendungen, auch die Geschichte (siehe Kasten) lastet auf dem Institut. «Die hohen Kosten sind noch auf die Fusion mit der Banca del Gottardo zurückzuführen», erklärt ein Branchenkenner. Damals, im Jahr 2008, wurde weitgehend darauf verzichtet, das bestehende Geschäftsstellennetz zu straffen oder einen Personalabbau vorzunehmen. «Es hätten aber mindestens 500 Personen abgebaut werden müssen», ist der Kenner überzeugt. Zumal der Geldfluss aus dem wichtigen Markt Italien ­ausgetrocknet sei, solange die Schweiz mit Italien noch keine Abgeltungssteuer ausgehandelt habe.

Letzteres hält Franco Citterio vom Tessiner Bankenverband für kein spezifisches Tessiner Problem. «Solange keine Klarheit über das Steuerabkommen mit Deutschland besteht, wird sich die Lage im Tessin kaum aufhellen», sagt er. Wegen der anhaltenden Unsicherheit seien ausländische Kunden derzeit allgemein sehr zurückhaltend. «Ich bin aber zuversichtlich, dass es mit Italien bis im April 2013 zu ­einem Abschluss kommen könnte», ist Citterio überzeugt.

Den Tessinern könnte dabei Premierminister Mario Monti helfen. Sollte er sich doch noch zu einer weiteren Kandidatur durchringen, könnte ein Erfolg bei einer Abgeltungssteuer seine Chancen auf eine Wiederwahl deutlich verbessern.

BSI: Eine wechselvolle Geschichte

Lange Tradition
Das Finanzinstitut wurde 1873 als Banca della Svizzera Italiana in Lugano gegründet und ist damit die älteste Bank im Tessin. Schon 1908 steigt die Mailänder Banca Commerciale Italiana als Aktionärin ein, 75 Jahre später verkauft sie ihr Paket an den New Yorker Irving Trust, bis 1991 der Schweizerische Bankverein Mehrheitseigner wird. 1998 kauft der italienische Versicherungsriese Generali die Bank. Seit dem Jahr 2000 firmiert sie nur noch als BSI. Heute beschäftigt das Tessiner Traditionshaus rund 2000 A ngestellte. Die im Private Banking und in der Vermögensverwaltung aktive BSI unterhält ein Netz von 31 Filialen und Töchtern in Europa, Asien, Mittel- und Südamerika. Sie verwaltet ein Vermögen von 81,5 Milliarden Franken.

Teure Zukäufe
Innerhalb der letzten zehn Jahre traten BSI und ihre Mutter Generali zweimal als Konsolidierer auf dem Schweizer Finanzplatz auf. 2006 kauften sie die Privatbank Banca Unione di Credito für 400 Millionen Franken von Fiat. Die Banca del Gottardo folgte zwei Jahre später. Für das Private-Banking- Institut bezahlten sie 1,875 Milliarden an Swiss Life. Aus dieser Akquisition steht bei der BSI ein Goodwill von 809 Millionen in den Büchern.

Veräusserung
Im August 2011 verkaufte das Tessiner Finanzinstitut einen Anteil von 51 Prozent an der auf IT- und B ackoffice-Dienstleistungen für Banken spezialisierten B-Source an das Bankensoftware- Haus Avaloq. Die BSI bleibt Minderheitsaktionärin und Kundin.

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