Der Nasdaq-100-Index für viele Privatanleger noch immer Synonym für die Kursübertreibungen zur Jahrtausendwende - hat 2009 alle grossen Standardindizes der westlichen Welt hinter sich gelassen. Auf Dollarbasis legten die 100 Aktien im Schnitt knapp 54% zu.

Hinter den extremen Kursgewinnen des vergangenen Jahres stehen Unternehmen, die in der Finanzkrise als Pleitekandidaten ausgemacht wurden und entsprechend stark an Wert verloren haben. Liberty Media stürzte von 25 auf 2 Dollar. Virgin Media, mit 290% Kursplus der Topwert des vergangenen Jahres, kollabierte von 29 auf wenig mehr als 3 Dollar.

Dividenden sind nun ein Thema

Dennoch hat die Nasdaq-Rally Substanz, wie ein Blick in die Bilanzen verdeutlicht: Lediglich drei der 100 Indexmitglieder haben laut Datenbank von «Euro am Sonntag» im vergangenen Jahr Verluste erwirtschaftet. 2010 dürften sogar nur zwei das Biotechunternehmen Vertex Pharma und Virgin Media rote Zahlen schreiben.

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Selbst eine Dividende ist für etliche Wachstumswerte kein Fremdwort mehr: Jedes dritte Indexmitglied dürfte in diesem Jahr die Aktionäre über eine Ausschüttung am Gewinn beteiligen. Fünf Unternehmen weisen eine Dividendenrendite von mehr als 3% aus. Beim Halbleiterunternehmen Microchip Technology sind es sogar rund 5% Werte, die üblicherweise nur defensive Standardwerte vorweisen können. Rechnerisch könnten daher mehr Techies eine Ausschüttung finanzieren. Laut Daten des Finanzdiensts Bloomberg hatten die Unternehmen aus dem Nasdaq 100 zuletzt 133 Mrd Dollar an Cash in ihren Bilanzen.

Der tatsächliche Wert der Reserven ist sogar deutlich grösser, da finanzstarke Unternehmen ihr Geld nicht einfach auf dem renditeschwachen Bankkonto parken. Beim Netzwerkausrüster Cisco Systems etwa stehen neben 4,8 Mrd Dollar Cash auch 30,6 Mrd an Investments, vor allem in Staatsanleihen, zu Buche. Die grössten Reserven im Nasdaq hat der Softwaregigant Microsoft - neben 8,8 Mrd Dollar Cash noch knapp 28 Mrd, die kurzfristig investiert sind.

Apple als leuchtendes Beispiel

Auch der technologische Fortschritt spielt vielen Wachstumswerten in die Hände. Die wohl berühmteste Wachstumsgeschichte ist Apple. Einst ein Computerhersteller, ist der Konzern mit iPod und iPhone zu einem Multimediagiganten aufgestiegen. Schreibtischcomputer und Laptops machen inzwischen nur noch knapp 40% des Gesamtumsatzes aus. Ende des Monats will Apple sein neuestes Produkt - einen Minicomputer mit Internetzugang - vorstellen. Als wegweisend gilt auch der Kauf des auf Mobilfunkwerbung spezialisierten Unternehmens Quattro Wireless.

Auch Intuitive Surgical konnte sich dank innovativer Produkte vom allgemeinen Konjunkturtrend abkoppeln. Der Spezialist für medizinische Roboter erreichte nach langer Entwicklungszeit und Patentstreitigkeiten 2004 erstmals die Gewinnzone. Seit 2006 ist der Überschuss jedes Jahr gestiegen. Wichtigstes Produkt ist der Medizinroboter Da Vinci. Im Schnitt 1,4 Mio Dollar kostet das Gerät.

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Dass selbst einst orientierungslose Internetneugründungen erfolgreiche Geschäftsmodelle entwickeln können, demonstriert Priceline.com: Das Unternehmen vermittelt Ferienreisen via Internet. Da Priceline nicht als Ausrichter auftritt, ist das Geschäftsrisiko gering, die Profitabilität hoch. Seit 2006 lag der Gewinn nur einmal unter dem Vergleichswert des Vorjahrquartals. Und noch immer gelingt es dem Management, die Börse zu überraschen: Im November 2009 vermeldete Priceline einen Quartalsgewinn von fast 20% über den Konsensschätzungen der Analysten.