Es ist ein gewaltiges Paket, das Klaus-Michael Kühne noch kurz vor Beginn der Weihnachtszeit schnürte. Der Mitgründer und Verwaltungsratspräsident des Logistikkonzerns Kühne + Nagel brachte am 27. November rund 1 Mio eigene Aktien an den Markt, wie der Online-Nachrichtendienst «Cash» ermittelte. Damit wären Kühne Mittel in der Höhe von 97 Mio Fr. zugeflossen.

Die Transaktion steht in ihrer Grösse nur noch jener der deutschen Industriellenfamilie von Finck nach: Diese hatte sich Mitte November von rund 40% ihres Anteils am Genfer Warenprüfkonzern SGS getrennt. Der Gegenwert hier: 1 Mrd Fr. Indessen, wie bei Kühne, kann auch über die Strategie der von Fincks im Nachhinein nur spekuliert werden.

Eher taktischer Natur gewesen sein dürften dagegen die meisten anderen Käufe und Verkäufe, welche die Führungsriegen der kotierten Schweizer Unternehmen seit letztem September getätigt haben. Dabei waren die Manager durchaus aktiv: Pro Monat fielen jeweils deutlich über 100 Bewegungen an, wobei im September und Oktober die Verkäufe überwogen, wie die Listen der Management-Transaktionen an der SIX Swiss Exchange zeigen (siehe Grafik).

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Ypsomed und Tecan aufgefallen

Einmal mehr haben die Insider damit entgegen dem generellen Trend an der Börse gehandelt: Besser als das Anlagepublikum wissen sie, wie es um das Potenzial ihrer Firmen 2010 tatsächlich steht. Im November hatten unterdessen die Käufer die Überhand - dies vor dem Hintergrund einer nun richtungslosen Börse und sinkender Investorenstimmung.

Besonders mit Käufen hervorgetan haben sich dabei die Verwaltungsräte und Geschäftsleiter des Medtech-Konzerns Yypsomed. In nicht weniger als 19 Transaktionen erwarben sie im Verlauf des vergangenen Monats Aktien; in einigen Fällen belief sich der Wert der Pakete deutlich über 100000 Fr. Auf Nachfrage hiess es beim Hersteller von Insulin-Injektoren, die Bewegungen ergäben sich aus der Zuversicht des Managements bezüglich des weiteren Geschäftsgangs des Unternehmens. Das sollte Aktionäre hellhörig werden lassen - denn in der Vergangenheit hat die Ypsomed-Führungsriege ein feines Sensorium für künftige Kursgewinne der eigenen Titel an den Tag gelegt. Wie verschiedene Studien zeigen, lassen Käufe von Managern in eigenen Aktien tatsächlich auf höhere Kurse in der Zukunft schliessen (siehe Kasten). Fleissig zugekauft haben in den letzten Wochen und Monaten auch die Chefs von Lonza, UBS, Bellevue Group und, trotz des hohen Kurses, Gottex.

Auch Chefs schlecht mit Timing

Nicht zwingend erschrecken muss es dagegen Investoren, dass die Unternehmensführung von Tecan im letzten November in grossem Stil Papiere abgestossen hat. Es handle sich dabei um realisierte Gewinne auf Optionen, so der Hersteller von Labortechnik. In Anbetracht der steilen Kursgewinne vom Oktober macht dieses Argument durchaus Sinn. Ähnliches zu sehen war bei der Credit Suisse, bei der Mitglieder des Verwaltungsrats und der Geschäftsleitung - darunter auch CEO Brady Dougan? - Ende Oktober Vekäufe über 30 Mio Fr. getätigt haben. Dabei haben die CS-Manager den Kurshöhepunkt allerdings knapp verpasst. Auch Firmenchefs können die Zukunft nicht lesen.