Chinas weltbeste Aktienmarktrally hat den Januar zum geschäftigsten Monat für Börsengänge seit einem Jahr gemacht. Daraus ist auch eine Reihe neuer Superreicher hervor gegangen.

In den ersten sechs Wochen des laufenden Jahres sind in der zweitgrössten Volkswirtschaft der Welt etwa zwei Dutzend neue Milliardäre entstanden, viele im Zuge eines Börsendebüts, das an das tägliche Kurslimit stiess. Das weckt Erinnerungen an den IPO-Rausch der späten 1990er-Jahre. Unter den aktuellen Senkrechtstartern befinden sich auch eine Fluggesellschaft, ein Videospiele-Entwickler und eine Drogeriemarktkette.

IPOs als heisses Investmentprodukt

«IPOs sind in China zu einem sehr heissen Investmentprodukt geworden», sagt Ronald Wan, leitender Chinaexperte beim Beratungsunternehmen Asian Capital Holdings in Hongkong. «Somit werden alle Mehrheitsaktionäre im IPO anschliessend sehr reich – sie werden zu Milliardären.»

Nach einer 14 Monaten währenden Flaute ab Oktober 2012 haben die IPOs in China im vergangenen Jahr wieder Fahrt aufgenommen. Mehr als 20 neue Aktien starteten im Januar in den Handel, so viele wie seit demselben Monat des Vorjahres nicht mehr. Die Angebotswelle folgte auf einen 49-Prozent-Anstieg des Shanghai Composite Index, was den Index 2014 zum Besten der Welt machte.

Shenzen-Rally macht Milliardäre

In diesem Jahr ist der Shanghai-Index zwar kaum verändert, doch der Shenzhen Composite Index hat in Dollar ausgedrückt 13 Prozent zugelegt. Damit bietet die kleinere der beiden China-Börsen die höchsten Erträge in Asien und bleibt weltweit betrachtet nur hinter Russland und Saudi-Arabien zurück.

Die Shenzhen-Rally hat mindestens drei neue Milliardäre hervorgebracht: Xiao Fen, dessen Elektronikfirma Shenzhen Fenda Technology in einen Hersteller von Google-Glass-ähnlichen Produkten investierte; Ruan Hongxian, Chairman der drittgrössten börsennotierten Drogeriekette Yunnan Hongxiang Yixintang Pharmaceutical, sowie Zhou Wei, Chairman von Shanghai Kingstar Winning Software, Anbieter medizinischer Softwarelösungen.

Spring Air ist nun grösste Billigfluglinie Asiens

An der Börse in Schanghai, an der Kursgewinne am ersten Handelstag auf 44 Prozent begrenzt werden und das tägliche Zuwachslimit anschliessend bei zehn Prozent liegt, brachte es Wang Zhenghua, der 70-jährige Chairman von Spring Airlines, zu einem Vermögen von 1,3 Milliarden Dollar – nachdem die Aktie in den neun Tagen nach dem Handelsdebüt an das Tageslimit gestossen war.

Der Wert von Spring Air, deren Führungskräfte sich auf Geschäftsreisen Hotelzimmer teilen und Instant-Nudeln essen, um Kosten zu sparen, hat sich seit dem Börsengang mehr als vervierfacht. Das Unternehmen wurde, gemessen an der Marktkapitalisierung, damit zur grössten Billigfluglinie Asiens.

Direkt am Kurslimit

Ebenfalls seit dem IPO vervierfacht haben sich die Aktien von Beijing Kunlun Tech. Das liess das Nettovermögen von Zhou Yahui, Chairman des Online-Spieleentwicklers, auf 1,7 Milliarden Dollar anschwellen, wie der Bloomberg Billionaires Index zeigt.

Sun Qinghuan wurde am Dienstag zum Milliardär – im Zuge des Handelsdebüts von MLS, Chinas grösstem Hersteller von LED-Produkten. Die Aktie schoss an dem Tag bis an das 44-Prozent-Handelslimit herauf, was Daten von Bloomberg zufolge sein Nettovermögen auf 1,8 Milliarden Dollar brachte. MLS ist eines von etwa einem Dutzend Firmen, die in dieser Woche an die Börse kamen und bis an die Kurslimits hochgehandelt wurden.

Rally geht weiter

Einige Investoren rechnen mit weiteren Kursgewinnen bei den chinesischen Aktien. Zum 15,6-fachen der Gewinne wird der Shanghai Composite nach Hongkong mit dem niedrigsten Vielfachen der zehn grössten Aktienmärkte der Welt gehandelt. Der MSCI China Index, der in Hongkong gehandelte Unternehmen aus China umfasst, wird mit einem KGV von 10 bewertet. Auch der Schritt der Zentralbank in diesem Monat, die Anforderungen an die Mindestreserve der Banken zu senken, dürfte die Aktien antreiben.

«Sie sind billig. Zudem sollten meiner Meinung nach die Gewinne jetzt in Ordnung sein, da es geringere Inputkosten und günstigere Firmenfinanzierungen gibt – wegen der niedrigeren Zinsen und auch der niedrigeren Reserveanforderungen», sagt Daphne Roth, Leiterin Aktienanalyse Asien bei ABN Amro Private Banking in Singapur. «Das wird etwas Liquidität ins System pumpen.»

Rally könnte auch kurzlebig sein

Andere zeigen sich weniger optimistisch. Andy Xie, ehemals Ökonomen bei der Weltbank, hält die Aktienrally in China für kurzlebig. Seiner Einschätzung nach könnte die IPO-Flut in China die Nachfrage der Investoren «überfordern».

«Es gibt tausende Firmen, in die Beteiligungsgesellschaften investiert haben und die bereit sind, auf den Markt zu kommen», erklärt Xie. «Das ist nicht nur ein kleines Überangebot. Es gibt einen Tsunami anstehender IPOs.»

(bloomberg/ise)

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