Der Schweizer Aktienmarkt kennt zum Monatsanfang kein Halten: Belastet von schwachen chinesischen Konjunkturdaten hat er seine Abgaben bis zum Dienstagmittag ausgeweitet. Ein schwacher Einkaufsmanagerindex, der auf den niedrigsten Stand seit mehr als sechs Jahren gesunken ist, drückt auf die Stimmung der Investoren. Die Frühindikatoren deuten auf stärker gebremstes Wachstum im Reich der Mitte hin. Auch die Ungewissheit um den Zeitpunkt der Leitzinswende in den USA ist nicht aus der Welt.

Damit knüpft die Börse im September nicht nur an die schwache Performance im August (SMI -6,4 Prozent) an; es seien auch immer die gleichen Sorgen, welche die Märkt belasten, meinen Marktteilnehmer. Dabei stelle sich immer dringlicher die Frage, ob es sich beim jüngsten Rückschlag bloss um eine Korrektur geht, oder um den Anfang einer länger dauernden Abwärtsspirale. Solange die Märkte ihr Gleichgewicht nicht gefunden haben, sei vorerst einmal Abwarten angebracht, meinen Händler.

Negative Jahresbilanz für Pharmariesen

Der Swiss Market Index (SMI) verliert gegen 12.05 Uhr 1,97 Prozent auf 8'650,78 Punkte, notiert damit aber immerhin rund 70 Punkt über dem bisherigen Tagestief gut eine Stunde vor Mittag. Die grosse Nervosität zeigt sich auch am Volatilitätsindex VXMI, der erneut um 8 Prozent im Plus steht. Der 30 Titel umfassende, in der Titelgewichtung gekappte Swiss Leader Index (SLI) gibt zur Berichtszeit um 1,78 Prozent auf 1'283,51 und der breite Swiss Performance Index (SPI) um 2,01 Prozent auf 8'804,01 Zähler nach. Von den 30 Blue Chips notieren ganze 28 im Minus und nur zwei im Plus.

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Die Schweizer Blue Chips fallen auf breiter Front zurück. Grössere Abschläge werden insbesondere bei den Pharmawerten Roche (-2,5 Prozent), Novartis (-2,4 Prozent) und Actelion (-2,1 Prozent) notiert. Damit verzeichnet auch «Big Pharma» (Novartis und Roche) eine negative Jahresbilanz.

Novartis konnte den Erhalt der EU-Zulassung für die Kombinationstherapie aus Tafinlar und Mekinist bei einer bestimmten Art von Hautkrebs vermelden. Und für Actelion melden Branchenexperten in der Summe positive Ergebnisse von einem Kardiologie-Kongress. Diese «Sell on good News»-Verkäufe würde klar aufzeigen, wie angeschlagen der Markt aktuell ist, meinen Händler.

Uneinheitliche Zykliker

Andere defensive Papiere wie Nestlé (-1,7 Prozent), Givaudan (-1,5 Prozent) oder Swisscom (-2,2 Prozent) können sich dem Sog nur teilweise entziehen. Weit hinten reihen sich mit den nicht abreissenden Sorgen um China auch die Papiere von Richemont (-1,5 Prozent) und Swatch (-1,7 Prozent) ein.

Die Zykliker zeigen kein einheitlichen Bild. Während Adecco (-2,5 Prozent), LafargeHolcim (-2,3 Prozent), Lonza (-2,2 Prozent) und Geberit (-1,6 Prozent) deutlich im Angebot liegen, vermögen sich Clariant (-0,4 Prozent) abzusetzen. Transocean ziehen gar um 1,1 Prozent an. Im US-Handel hatten die Titel mit der jüngsten Erholung der Ölpreise um 4,7 Prozent zugelegt. Aryzta (+1,4 Prozent) setzten sich an die Spitze der SMI-Tabelle - weisen allerdings die schwächste Jahresbilanz aus.

Syngenta (Aktie -1,4 Prozent) kann derweil sein Anti-Pilzmittel Solatenol nun auch an amerikanische Landwirte verkaufen, profitiert jedoch kaum von der News. Mit ersten «beträchtlichen» Umsätzen in den USA rechnen die Basler in der Anbausaison 2016. Das maximale Umsatzpotenzial von Solatenol veranschlagt Syngenta auf weltweit 1 Milliarde Dollar.

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UBS schliesst Umbau ab

Grössere Abschläge werden auch bei den Bankenaktien wie Credit Suisse (-1,7 Prozent), Julius Bär (-2,0 Prozent) und UBS (-2,3 Prozent) gesehen. Letztere hat ihren Konzernumbau in eine Holdinggesellschaft abgeschlossen und wird wie angekündigt eine Zusatzdividende von 0,25 Franken je Aktie ausschütten. Die Versicherer schneiden nur geringfügig besser ab: Swiss Re sinken um 1,3 Prozent, Zurich Insurance um 1,6 Prozent, Swiss Life um 1,5 Prozent und Bâloise um 1,2 Prozent.

In der zweiten Reihe büssen Helvetia nach Halbjahreszahlen 0,8 Prozent ein. Die Versicherungsgruppe hat von der Integration der im vergangenen Jahr übernommenen Nationale Suisse und Basler Österreich profitiert. Die Gewinnschätzungen der Analysten wurden übertroffen. Mit höheren Notierungen werden die Semesterberichte von Romande Energie und Hiag (je +0,3 Prozent) honoriert.

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Neuzung an der Schweizer Börse

Grössere Abgaben sind in Züblin (-5,9 Prozent), Kuoni (-5,6 Prozent), Evolva (-4,7 Prozent) und Leonteq (-4,3 Prozent) zu sehen. Mit Orascom DH (+1,8 Prozent) und Panalpina (+1,7 Prozent) geht es derweil nach oben, bei letzterer nach einer Hochstufung durch Davy.

Und der Schweizer Börse winkt - den Börsenstürmen zum Trotz - ein Neuzugang. Das Westschweizer Medizinaltechnik-Unternehmen Symetis plant noch im laufenden Jahr den Sprung an die SIX Swiss Exchange. Durch die Ausgabe neuer Aktien soll ein Bruttoemissions-Erlös von rund 80 Millionen Franken erzielt werden. Derzeitige Investoren wollen 15 Millionen Franken der Emission zeichnen.

(awp/dbe)