Während der langjährige Motor des globalen Wachstums, der amerikanische Konsum, ins Stottern gerät, wenden sich einige von Chinas Unternehmen einem neuen Markt zu: China. Immer mehr chinesische Geschäftsleute passen sich dem an, was sie für eine dauerhafte Konsequenz der Rezession in den USA halten. Die Rücklagen der plötzlich sparsamen US-Haushalte sind im 2. Quartal auf annualisiert 566 Mrd Dollar hochgeschnellt. Das ist mehr als vier Mal so viel wie noch Anfang des vergangenen Jahres.

Diese Entwicklung ist zwar wichtig, um das Finanzsystem der USA wieder gesunden zu lassen. Sie zieht aber eben auch Nachfrage aus der Weltwirtschaft ab. Chinas Exporte, die jahrelang stabil mit 20% oder mehr gewachsen sind, lagen im August 23% unter Vorjahresniveau.

Der chinesische Konsum hält sich unterdessen ganz gut, zum Teil, weil die Regierung mit Konjunkturpaketen eine Menge Geld in den Markt spülte. Die Ausgaben der städtischen Haushalte kletterten in der 1. Jahreshälfte um 9,2%, das entspricht fast dem Niveau des landesweiten durschnittlichen Wachstums in den letzten Jahren.

Die wechselnde Dynamik zeigt, wie die globale Wirtschaftskrise China, nach Deutschland die zweitgrösste Exportnation, dazu zwingt, sich mehr nach innen auszurichten. Selbst wenn die Konjunktur weltweit wieder in normaleren Bahnen verläuft, wird China beim Exportwachstum wahrscheinlich an seine Grenzen stossen, glauben Ökonomen. Die Weltbank erwartet, dass ein zukünftig langsameres Exportwachstum etwa 2%-Punkte von Chinas langjähriger Wachstumsrate von 10% kosten wird.

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Amerikaner sind tonangebend ...

Die Binnennachfrage ist allerdings kein Wundermittel für Chinas Exporteure. Zum einen hängen auch die Arbeitsplätze vieler Chinesen an der exportierenden Industrie. Zum anderen verfügen Chinas Konsumenten schlicht nicht über das Geld, um die Weltwirtschaft genauso anzutreiben wie etwa Käufer in New York oder Paris. Während die amerikanischen und europäischen Konsumenten auch jetzt noch rund 9,5 Billionen Dollar in die Wirtschaft pumpen, gaben Chinas Haushalte im vergangenen Jahr nur rund 1,5 Billionen Dollar aus. Das pro Kopf verfügbare Einkommen in den USA lag 2008 bei 35486 Dollar, in China waren es 2270 Dollar.

... doch die Chinesen holen auf

Doch das Einkommen der Chinesen steigt, und die Binnennachfrage spielt eine immer grössere Rolle in Chinas Wachstumsstory. Auch die chinesische Regierung ermutigt die Exporteure, für die es infrage kommt, sich dem Binnenmarkt zuzuwenden - genauso wie sie jahrelang denen finanzielle Anreize bot, die Güter exportierten. Subventionen für den Kauf von Autos und Haushaltsgeräte, zum Beispiel mit Discount-Coupons und Steuervergünstigungen, haben die Umsätze mit solchen Produkten angeschoben.

Doch um den Binnenmarkt dynamischer zu machen, werden nach Ansicht von Ökonomen letztlich tiefgreifendere Veränderungen nötig sein, um die Menschen mehr an Chinas Wachstum teilhaben zu lassen - etwa eine Liberalisierung des Finanzsektors.